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Kamp-Lintfort
Stadt erwartet mehr Flüchtlinge unter 18

Kamp-Lintfort. Kamp-Lintfort muss sich darauf einstellen, unbegleitete Minderjährige in Obhut zu nehmen. Doch es fehlt an geeigneten Einrichtungen. Von Josef Pogorzalek

Die Flüchtlingsbetreuung in Kamp-Lintfort wird - wie auch in anderen Kommunen - um eine Facette reicher: Die Stadt muss damit rechnen, künftig Minderjährige Flüchtlinge in Obhut nehmen zu müssen, die ohne Begleitung eines Erziehungsberechtigten nach Deutschland kommen. André Heller vom Amt für Schule, Jugend und Sport geht derzeit davon aus, dass der Stadt über eine zentrale Stelle des Landes zunächst 13 solche jungen Flüchtlinge zugewiesen werden.

Darüber hinaus sei zu erwarten, dass allein geflüchtete Kinder und Jugendliche in die Kamp-Lintforter Notunterkunft des Landes gebracht werden. Wie viele, könne man unmöglich vorhersagen. "Wir wissen nie, wer genau mit den Bussen ankommt." Es werde nicht angekündigt ob und in welcher Anzahl unbegleitete Jugendliche an Bord sind. Erfahrungen aus anderen Städten zeigten aber, dass dort, wo Landes-Notunterkünfte für Flüchtlinge sind, die Zahlen unbegleiteter Minderjähriger zunehmen.

"Schwerpunktmäßig handelt es sich um 15 bis 17-jährige Jungs", sagte Heller gestern im Gespräch mit dem Grafschafter. "Sie haben oft klare Aufträge: ankommen, sich etablieren, Job, Familie nachholen." Schon jetzt habe das Jugendamt täglich mit solchen Flüchtlingen zu tun. Der Anstieg der Zahlen sei aufgrund einer Gesetzesänderung zu erwarten. Bislang wurden minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung dort in Obhut genommen, wo sie aufgegriffen wurden. Das habe dazu geführt, dass Städte an den "Flüchtlingsrouten", wie Passau oder München, sich um sehr viele solche Jugendliche kümmern müssen. In Nordrhein-Westfalen, so Heller, entfalle die Hauptlast in diesem Bereich auf Bielefeld, Dortmund, Köln und Aachen. Das neue "Gesetz zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher", das seit Anfang November in Kraft ist, solle dazu dienen, die Last besser auf die Bundesländer und Kommunen zu verteilen. Die Zahl von 13 Zuweisungen für Kamp-Lintfort errechne sich durch einen Schlüssel, nach dem ein unbegleiteter minderjähriger Flüchtling pro Einwohner aufgenommen werden soll.

Gestern wurden die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses über die neuen Herausforderungen in der Flüchtlingsarbeit informiert. Wie Heller ausführte, stehen die Jugendämter im Kreis, die alle "Neuland" betreten müssen, in engem Austausch. Das Problem in Kamp-Lintfort bestehe nicht nur darin, dass geeignete Räume für die Unterbringung der Jugendlichen zum Beispiel in betreuten Wohngruppen fehle. Auch geeignetes Personal für die Betreuung sei (da andernorts früher entsprechender Bedarf da war) schwer zu finden.

"Der Markt ist relativ leer gefegt", sagte Heller. Die Stadt möchte eine zusätzliche sozialpädagogische Fachkraft einstellen. Auch im Verwaltungsbereich des Jugendamts wird aufgestockt. Eine weitere halbe Stelle sei nötig. Insgesamt kostet die personelle Aufstockung 80 000 pro Jahr.

Für die allein angereisten Minderjährigen werden wohl zunächst separate Räume in den Notunterkünften eingerichtet. Längerfristig müssten in Kamp-Lintfort Wohngelegenheiten für eine dauerhafte Betreuung geschaffen werden.

Quelle: RP
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