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Kamp-Lintfort
Stadt muss weitere Unterkünfte für Flüchtlinge bereitstellen

Kamp-Lintfort. Nach der Schließung der Landesunterkunft muss Kamp-Lintfort ein "Aufnahmedefizit" ausgleichen. Bis zu 200 Menschen werden erwartet. Von Josef Pogorzalek

Die vorzeitige Schließung der (nie in Betrieb genommenen) Landesunterkunft für Flüchtlinge auf dem ehemaligen Zechenparkplatz im September stellt die Stadt Kamp-Lintfort vor neue Herausforderungen. Sie muss sich darauf einstellen, demnächst Asylbewerber aufzunehmen, für deren Unterbringung sie selbst zu sorgen hat. Bis zu 1000 Menschen sollten in der Landesunterkunft Platz finden. Üblicherweise werden die Landesplätze auf die Aufnahmeverpflichtung der jeweils betroffenen Kommune "angerechnet". Die Stadt Kamp-Lintfort konnte deshalb davon ausgehen, dass sie bis 2018 (so lange sollte die Landeseinrichtung eigentlich bestehen bleiben) keine "eigenen" Flüchtlinge mehr aufnehmen muss.

Es kam allerdings anders. Nach Wegfall der Landesunterkunft sieht sich Kamp-Lintfort einem "Aufnahmedefizit" gegenüber, das im Januar bei 180 bis 200 Menschen betragen werde. Die Stadt möchte plötzliche hohe Zuweisungen vermeiden und versucht in Gesprächen mit der Bezirksregierung, eine zeitliche Streckung ihrer Aufnahmeverpflichtung zu erreichen. Danach sollen ab Dezember sieben Wochen lang jeweils 15 Flüchtlinge nach Kamp-Lintfort kommen. Gleichzeitig muss die Stadt weiteren Wohnraum für Flüchtlinge bereitstellen. In den bisherigen städtischen Einrichtungen und angemieteten Wohnungen sind derzeit 110 Plätze frei - angesichts der erwarteten bis zu 200 Menschen viel zu wenig.

Im Ausschuss für Soziales stellte die Stadtverwaltung gestern ihre Pläne vor. Sie möchte weitere Wohnungen anmieten und die Obdachlosen, die derzeit im Wohnheim Friedrichstraße leben, in ein Haus verlagern, das ihr zur Miete angeboten wurde. Zudem sollen Flüchtlinge in Wohnungen im Gebäude Wilhelmstraße 28 ziehen. Im Gegensatz zu den anderen "Bunten Riesen" soll dieser Wohnblock zunächst noch nicht abgerissen werden. Dort leben Familien aus den Bunten Riesen, die bislang keine andere Bleibe gefunden haben. Darüber hinaus stehen 25 weitere Wohnungen zur Verfügung, die ab Januar an Flüchtlinge vergeben werden können.

Zum 1. Oktober haben in Kamp-Lintfort 369 Menschen gelebt, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungesetz erhalten haben. Darüber hinaus gab es 104 "Fehlbeleger" in den städtischen Unterkünften: Menschen, die trotz Anerkennung ihres Asylantrags noch keine eigene Wohnung gefunden haben.

Im Allgemeinen verzeichnet Kamp-Lintfort, wie andere Kommunen auch, einen deutlichen Rückgang der Flüchtlingszahlen. Kamen zwischen September und Dezember 2015 im Schnitt 90 Personen in die Stadt, so waren es seit Februar dieses Jahres insgesamt nur noch 35 - die meisten im Rahmen von Familienzusammenführungen.

Quelle: RP
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