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Kamp-Lintfort
Stadt rüstet sich für weitere Flüchtlinge

Kamp-Lintfort: Stadt rüstet sich für weitere Flüchtlinge
Das Foto vom Oktober 2015 zeigt die Ankunft von Flüchtlingen an der Notunterkunft am ehemaligen Bergwerk West. FOTO: KLaus Dieker
Kamp-Lintfort. Trotz der Anrechnung der 1000 Plätze aus der geplanten Landes-Notunterkunft muss Kamp-Lintfort weitere Wohnmöglichkeiten für Asylsuchende schaffen. Allein für 2016 geht die Verwaltung von 100 fehlenden Plätzen aus. Von Josef Pogorzalek

Einen Überblick über die Bemühungen zur Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen gab es gestern im Ausschuss für Soziales und Senioren. Derzeit gebe es eine "Raumreserve" von 50 Plätzen, hieß es in einer Mitteilung der Verwaltung. Die Stadt geht davon aus, dass darüber hinaus in diesem Jahr (maximal) 100 weitere Plätze gebraucht werden. An Möglichkeiten zur Unterbringung wird deshalb gearbeitet - sowohl in Wohnungen als auch in Sammelunterkünften. Für letztere kämen ein Gebäude auf dem Bergwerksgelände, das Knappenheim Mittelstraße oder ein Teil der Hauptschule am Niersenberg infrage.

Ziel der Stadt ist es, auch künftig die Inanspruchnahme von Turnhallen zu vermeiden. Die geplante Landes-Notunterkunft für 1000 Flüchtlinge verschafft der Stadt zwar zunächst Entlastung, weil ihr die dort untergebrachten Menschen "angerechnet" werden. Man denke allerdings schon weiter in die Zukunft, sagte Franz-Josef Evers, Leiter des Sozialamts. Die Landesunterkunft werde bis zum Frühjahr 2018 bestehen. Danach müsse man - so sich die weltpolitische Lage nicht ändert - mit höheren Zuweisungszahlen rechnen. Mit der finanziellen Ausstattung für die Flüchtlinge seitens des Landes komme man derzeit aus, sagte Evers. 10.000 Euro pro Jahr pro Jahr zahle das Land pauschal pro Flüchtling an die Stadt. Das reiche derzeit auch deshalb, weil Flüchtlinge teils in Wohnungen (in den Bunten Riesen) wohnen, für die die Stadt keine Miete zahlen müsse. Wie die finanzielle Lage 2017 sein wird, wisse man nicht. In der Flüchtlingsfrage würden derzeit gerne "Sündenböcke" gesucht, sagte Evers. "Städte suchen sie beim Land, das Land beim Bund." Hinter den Sündenböcken könne man sich gut verstecken. "Wir brauchen keine Sündenböcke. Wir können nicht alles bewerkstelligen, aber doch einiges. Das was wir können, wollen wir tun - und gut tun."

Über die Betreuung von Flüchtlingen berichteten im Ausschuss Kerstin Reinhardt und Petra Braun vom Internationalen Bund (IB). Mit derzeit insgesamt fünf Mitarbeitern (die sich 3,5 Stellen teilen) betreut und berät der IB die der Stadt zugewiesenen Flüchtlinge. Genau 610 sind es im Augenblick, davon 166 Kinder. "Wir geben Hilfestellung bei Fragen und Problemen", sagte Reinhardt. Das deutsche Gesundheitssystem sei vielen Flüchtlingen ebenso fremd wie das Schul- oder Vereinssystem. Auch die Mülltrennung sei ein "großes Thema", so Reinhardt. Alltagsdinge können zu großen Missverständnissen führen. Beispiel Schultüte für i-Dötzchen: Es sei vorgekommen, das man diese für eine Eistüten-Nachbildung hielt, die die Lehrerin geschenkt bekommen sollte. Ein Irrtum, der schnell aufgeklärt werden konnte.

Die Mitarbeiter des Internationalen Bundes übersetzen, geben Tipps, begleiten bei Behördengängen, betreuen Kinder, vermitteln Sprachkurse. Das Interesse an den Kursen sei groß. Der IB selbst gibt zweimal wöchentlich Sprachkurse im Rathauscenter, an denen insgesamt 40 Flüchtlinge teilnehmen. Neu ist ein dreimonatiger intensiv-Sprachkurs, der mit einer beruflichen Qualifizierung verbunden wird. Ziel sei es, Flüchtlinge am Ende in Betriebspraktika zu bringen. Ausbaufähig sei noch die Teilnahme von Flüchtlingen an Vereinsangeboten. Es gebe allerdings schon etliche, die Fußball, Basketball, Handball oder ähnliche Sportarten im Verein ausüben.

Quelle: RP
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