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Kamp-Lintfort
Stadt stärkt die Jugend in den Quartieren

Kamp-Lintfort. Ziel des Projekts ist es, junge Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf zu unterstützen. Von Josef Pogorzalek

Seit einem Jahr läuft "Jugend stärken im Quartier" (Justiq) in Kamp-Lintfort. Die Beteiligten ziehen eine überaus positive Zwischenbilanz. "Inzwischen werden 50 Jugendliche intensiv begleitet", berichtet Martina Bode, die das Projekt im Rathaus koordiniert. Die Stadt arbeitet zusammen mit dem SCI Moers. Ziel ist es, junge Menschen aufzufangen, die beim Übergang von der Schule in den Beruf gestrauchelt sind. "Wir wollen sie auffangen und ihnen Perspektiven aufzeigen." Gefördert wird das Programm vom Bund. Kamp-Lintfort ist eine von insgesamt 180 Kommunen, die daran teilnehmen. "Wir sind stolz darauf, uns beteiligen zu dürfen", sagt der Beigeordnete Christoph Müllmann. "Das Programm bringt einen echten Mehrwert für die Stadt und die Jugendlichen."

Zielgruppe von Justiq sind Kamp-Lintforter im Alter bis 25, die nicht mehr schulpflichtig sind, aber extreme Probleme auf dem Weg in den Beruf haben. Sei es, weil sie gar keinen oder einen schlechten Schulabschluss haben, sei es, weil sie nach diversen Praktika und erfolglosen Beratungen frustriert sind, sei es, weil sie "keinen Bock" haben. "Wir versuchen, sie wieder zu motivieren", sagt Helge Miyamoto. Er ist Sozialarbeiter in Diensten des SCI und sucht den Kontakt mit solchen Jugendlichen - auf der Straße, in Lokalen oder anderen Treffpunkten in der Stadt. Miyamotos SCI-Kollegin Elvira Straub arbeitet dagegen in den Räumen des Jobcenters. Dort versucht sie, im Gespräch mit Jugendlichen herauszufinden, wo ihre Probleme liegen, welche Wünsche und Zukunftsvorstellungen sie haben. "Wir nehmen die Jugendlichen sehr ernst", sagt Straub. SCI-Geschäftsführer Frank Liebert ergänzt: "Wie nehmen eine andere Perspektive ein: Die Jugendlichen sind nicht schuld an ihrer Situation, sondern sie brauchen eine andere Unterstützung." Viele der jungen Frauen und Männer fühlten sich von den Ämtern missverstanden. "Wir begleiten sie auch bei Behördengängen oder zu Vorstellungsgesprächen", sagt Straub. Straub und Miyamoto helfen bei der Suche nach Wohnungen, nach Schulplätzen, Praktika oder Ausbildungsstellen. Wenn sie merken, dass die Probleme tiefer liegen, vermitteln sie weitere Hilfen zum Beispiel vom Jugendamt oder Psychologen. Alles geschehe unbürokratisch und vonseiten der Jugendlichen auf freiwilliger Basis.

Einige Partner unterstützen "Jugend stärken im Quartier". Das Jugendcafé der Stadt zählt dazu, aber auch das Paten-Projekt Job-Start, bei dem engagierte Bürger Schülern ab Klasse 9 mit Rat und Tat zur Seite stehen und sie bei der Suche nach einem Praktikumsplatz oder einem Ausbildungsplatz unterstützen. "Manche Jugendlichen sind orientierungslos", sagt Job-Start-Betreuer Harald Metsches. "Oder sie fühlen sie in der Sackgasse: Ich finde sowieso nichts." Er berichtet von einem jungen Mann, der nach zahlreichen Versuchen, in einem Beruf Fuß zu fassen, dank der Hilfe endlich etwas Passendes gefunden hat: "Er unterschriebt jetzt einen Ausbildungsvertrag in einer Metzgerei."

Die Justiq-Akteure hoffen, im Projektzeitraum von zunächst vier Jahren alle "durchs Netz gefallene" Kamp-Lintforter zu erreichen. 300 sollen in der Stadt leben. Miyamoto ist zuversichtlich. "Das Vertrauen ist aufgebaut. Wir sind bekannt, man nimmt uns wahr", sagt der Sozialarbeiter. Selbst Jugendliche aus Moers oder Neukirchen-Vluyn hätten bereits um Rat und Hilfe angefragt. Sie müssen allerdings an andere Stellen vermittelt werden. "Aufgrund der Förderrichtlinien dürfen wir uns nur Jugendlicher aus Kamp-Lintfort annehmen", sagt Martina Bode. Bei ihnen soll "Jugend stärken im Quartier" jetzt noch bekannter werden: In dieser Woche wird mit einer Aktion am EK3 in der Fußgängerzone für das Programm geworben. Der Vorplatz des Einkaufszentrums gilt als Treffpunkt junger Kamp-Lintforter, die zum Profil der Justiq-Klientel passen.

Quelle: RP
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