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Kamp-Lintfort
Stadt will Integrationsbegleiter einsetzen

Kamp-Lintfort. Die zentrale Notunterkunft des Landes auf dem früheren Zechenparkplatz geht am 21. März in Betrieb. Die Stadt hat derweil ein Konzept mit Maßnahmen entwickelt, wie Flüchtlinge in Kamp-Lintfort integriert werden können. Von Anja Katzke

Jürgen Bachmann, Ratsherr der Grünen, trug gestern einen Wunsch seiner Fraktion in der Sitzung des Ausschusses für Bildung, Kultur und Sport vor. "Es wäre schön, wenn die Verwaltung diese Drucksache in Flyern oder im Internet in komprimierter Form veröffentlichen würde." Gemeint war das Integrationskonzept der Verwaltung mit Maßnahmen, die dazu beitragen sollen, Flüchtlinge in Kamp-Lintfort besser zu integrieren. "Der Bürger muss mitgenommen und aufgeklärt werden, um die Thematik weiter zu versachlichen", begründete Jürgen Bachmann den Antrag seiner Fraktion. Nur so könne den Vorurteilen vieler Leute der Nährboden entzogen werden. "Und wir müssen die Fragen der besorgten Bürger beantworten", sagte er.

Die Verwaltung hat sich selbst bereits einen Aufgabenkatalog erstellt, der in diesem Jahr realisiert werden soll. Ein wichtiger Punkt ist die Beschäftigung von sogenannten Integrationsbegleitern. Die Stadtverwaltung, die bislang den Internationalen Bund mit der Betreuung von Flüchtlingen betraut und dankbar das freiwillige Engagement von Bürgern angenommen hat, möchte bis zu zehn in Kamp-Lintfort beheimatete Menschen mit Migrationshintergrund und Kenntnissen in den Sprachen der Haupt-Herkunftsländer der Flüchtlinge auf drei Jahre befristet einstellen.

"Die Idee ist es, ihre Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenz für die sowohl individuellen als auch gesellschaftlichen Integrationsprozesse zu nutzen", heißt es in der Drucksache. Angedacht sei, die Integrationsbegleiter im Rahmen von so genannten Mini-Jobs, 450-Euro-Jobs, zu beschäftigen. Aktuell werde noch geklärt, ob eine finanzielle Förderung dieses Projekts mit Mitteln des Job-Centers und damit auch eine höhere Wochenarbeitszeit und Bezahlung möglich ist. Aufgabe der Integrationsbegleiter soll es sein, die Flüchtlinge bei der Suche nach einer Wohnung oder einer Beschäftigung zu beraten, bei Verständigungsproblemen insbesondere bei Behördengängen zu helfen, bei Konflikten zu vermitteln und bei der Suche nach sozialen Kontakten zu unterstützen. Die Integrationsbegleiter sollen vor dem ersten Einsatz ausgebildet werden. Ein weiterer Plan, den die Stadtverwaltung entwickelt hat, betrifft den Zugang der Flüchtlinge zum Arbeitsmarkt.

Gerade in diesem Bereich müssten Hürden abgebaut werden, die Asylsuchenden den Zugang in den Beruf erschweren. Die deutsche Sprache sei ein wichtiger Baustein. Hier kommt die Verwaltung zum Schluss, dass das örtliche Angebot an Integrations- und Sprachkursen noch ausbaufähig ist. Für 2016 hat sie sich darüber hinaus vorgenommen, mehr Arbeitsgelegenheiten nach Paragraf 5 Asylbewerberleistungsgesetz zu schaffen.

Danach können Asylbewerber bei staatlichen, kommunalen und gemeinnützigen Trägern Aufgaben übernehmen, für die ihnen eine Aufwandsentschädigung bezahlt wird. Es handelt sich um unterstützende Arbeiten zum Beispiel in Grünanlagen oder in Altenheimen und Schulen. Zu dem Aufgabenkatalog, den die Stadtverwaltung entwickelt hat, gehören außerdem die Bereiche Wohnen, Freizeit, Arbeit, Schule und Kita. Die Kosten für alle Maßnahmen belaufen sich auf rund 100.000 Euro jährlich. Dazu kommen die Personalkosten.

Michael Hänsel (SPD) lobte die Darstellung der aktuellen Situation in Kamp-Lintfort. "Wir begrüßen das Vorhaben, fachliches Personal für die Betreuung einzustellen." Barbara Mennekes, Leiterin der Europaschule, berichtete, dass auch die weiterführenden Kamp-Lintforter Schulen aktuell an einem Konzept arbeiten. Dezernent Christoph Müllmann informierte darüber, dass die zentrale Unterkunft des Landes auf dem früheren Zechenparkplatz am 21. März in Betrieb gehen wird. Ein Tag vorher, also am 20. März, werde die Bezirksregierung die Bürger zu einem Tag der offenen Tür in die Zeltstadt einladen.

Quelle: RP
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