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Kamp-Lintfort
Studenten tüfteln für Barrierefreiheit

Kamp-Lintfort: Studenten tüfteln für Barrierefreiheit
Die Studenten Adriana Cabrera, Naiade Motta und Thu Nguyen entwickeln Handschuhe mit Sensoren für seh- und hörbehinderte Menschen. Der Hackathon bot ihnen die Möglichkeit, gemeinsam die Nacht durchzutüfteln. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Inklusion und Barrierefreiheit standen im Mittelpunkt des Hackathons am Wochenende an der Hochschule Rhein-Waal. Das FabLab war Denkfabrik wie auch Kommunikationszentrale. Vier Studenten haben die Veranstaltung organisiert. Von Sabine Hannemann

Für rund 35 Studenten und Interessierte stand das Wochenende an der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort ganz im Zeichen des Hackathons. Von Freitag bis Sonntag wurde getüftelt, bis die Köpfe qualmten. Am Sonntag wurden erste Prototypen präsentiert, das Ergebnis eines arbeitsreichen Wochenendes. Die Themen Barrierefreiheit und Inklusion standen im Mittelpunkt und die Frage, wie das Alltagsleben bei Menschen mit Handicaps verbessert werden kann. Anastasia Gilz ist mit Philipp Gröll, Rafael Regh und Marvin Wiesner Mitorganisatorin dieses Projektes und erklärt zunächst den Begriff Hackathon. "To hack stammt aus der Computerszene, und da wir uns wie beim Marathon rundum die Uhr um unser Thema kümmern, befinden wir uns im Hackathon", erklärt die Studentin der Medien- und Kommunikationsinformatik. Professor Frank Zimmer begleitet den Hackathon, der Softwarelösungen zu bieten hat wie auch das Design von Alltagshilfen. Zu einem der Projekte gehört die Optimierung des Hilfsmittels Rollstuhlrampe. Im Alltag ist sie praktisch, aber oft schwer. "Eine Gruppe arbeitet an einem leichten Modell, das aus dem 3D-Drucker stammt und wesentlich leichter ist und vor allem für jeden Rollstuhlfahrer mobil mitzuführen ist", erläutert Mitorganisator Rafael Regh das Projekt. Per Computer und an der entsprechenden Software wird getüftelt. Mit unter den Tüftlern ist Christian Bayerlein (42), der Rollstuhlfahrer ist. Er kennt die Hindernisse und Erschwernisse im Alltag. Der Informatiker, der extra aus Koblenz angereist ist, bringt sich bei den Studenten mit seinen Erfahrungen ein. Er ist Experte und weiß, wo es im Alltagsbereich für Rollifahrer hakt.

Das I-Tüpfelchen wäre eine Rampenhalterung, die am Rollstuhl befestigt wird, so dass das Mitführen einer eigenen leichten Rampe aus dem 3D-Drucker problemlos ist, so seine Vorstellung von einem perfekten Hilfsmittel. Das Mammutwochenende gefällt ihm. Lob hat er für die Akteure im FabLab. "Sie sind sehr fleißig und haben gute Ideen, die sie sicherlich auf die Bahn bringen werden", so der Informatiker.

Die Projekte, zu denen sich die Studenten bereits am Freitag ausgetauscht hatten, bieten Software-Lösungen für sehbehinderte Menschen oder richten sich beispielsweise auch an Menschen, die taub und blind sind. "Ihre Kommunikation nach außen ist schwierig", sagt Naiade aus Brasilien. Die 26-Jährige entwickelt einen Handschuh, dessen Fingerspitzen mit Sensoren ausgestattet sind.

Die "sprechenden Fingern" ermöglichen taub-blinden Menschen die Kommunikation, so dass sie ihre Bedürfnisse äußern können. Der Handschuh ist individualisiert. Der Träger kann sich äußern, ob er durstig ist oder Hilfe braucht. Verarbeitet werden leitfähige Garne. Mit vertreten ist ein weiteres Projekt, das Videoinhalte vom Bildschirm für Blinde beschreibt.

Für Krankenhäuser dürfte ein Sensor interessant sein, der den nötigen Verbandswechsel bei Patienten meldet. Die Hackathon-Veranstaltung fand an der Hochschule bereits zum zweiten Mal statt. "Bei unserer ersten Veranstaltung mussten wir uns über die Möglichkeiten orientieren", sagt Anastasia Gilz im Rahmen der Veranstaltung.

Quelle: RP
 
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