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Kamp-Lintfort
Suche nach den Vorfahren führt ins Jahr 1531

Kamp-Lintfort: Suche nach den Vorfahren führt ins Jahr 1531
Albert Spitzner-Jahn (oben) kann seine Vorfahren bis ins Jahr 1531 zurückverfolgen. Dr. Carl Spitzner (1831 - 1899), Arzt und Porzellansammler in Dresden (rechts), verkaufte seine wertvolle Sammlung an den sächsischen Staat. FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Kamp-Lintfort. Albert Spitzner-Jahn blickt heute auf fast 500 Jahre Familiengeschichte zurück. Seit 30 Jahren betreibt er Ahnenforschung. Von Anja Katzke

Als Albert Spitzner-Jahn seine Familiengeschichte aufzuarbeiten begann, wusste er aus Erzählungen, dass sein Großvater 1912 aus Zwickau/Sachsen nach Kamp-Lintfort gekommen war. Die Zeche Friedrich Heinrich bot dem Schuster wie vielen anderen jungen Männern in diesen Jahren eine berufliche Perspektive als Bergmann unter Tage. Heute kann Albert Spitzner-Jahn die Ursprünge seiner Familie in direkter Linie bis ins Jahr 1531 zurückverfolgen. In 30 Jahren Recherche erfasste er 8200 Personen, die mit der Familie Spitzner in Verbindung stehen.

Ein in München lebender Großonkel hatte seinerzeit das Interesse an der Familien- und Ahnenforschung geweckt. "Seine genealogischen Aufzeichnungen reichten bis ins Jahr 1770 zurück. Dann verloren sich die Spuren. In früheren Jahrhunderten kam es oft vor, dass es in Kirchen brannte und die Kirchenbücher als wichtige Informationsquelle zerstört wurden", sagt der Stadtarchivar aus Kamp-Lintfort. "Die Datensammlung ließ aber deutlich erkennen, dass die Spuren meiner Vorfahren im 18. und 19. Jahrhundert vor allem nach Scharrtanne sowie in die benachbarten Dörfer Rothenkirchen und Wernesgrün im Vogtland führen würden."

Über den Onkel kam Spitzner-Jahn in Kontakt mit dem Arzneimittelproduzenten Walter Spitzner, der sich ebenfalls mit Familienforschung befasste und ihm hilfreiche Tipps und Hinweise geben konnte. Der Ehrgeiz war geweckt. Der Kamp-Lintforter setzte die Recherchen seines Onkels fort und begab sich auf die Spuren seiner Vorfahren, um ab dem 18. Jahrhundert den Anschluss an die eigene Linie zu finden. Kirchenbücher, Stammbücher und Steuerlisten waren ihm dabei die wichtigsten Informationsquellen für die Suche. "Es war gar nicht so einfach, an die Informationen zu kommen: Deutschland war damals noch geteilt, und die Ortschaften gehörten noch zur DDR", erinnert sich der Kamp-Lintforter. Spitzner-Jahn hatte Glück und fand einen Genealogen vor Ort, der ihm zuarbeitete. Nach der Wiedervereinigung reiste er selbst ins Vogtland. "Ich wollte wissen, was das für Leute waren, die in den Dörfern mit diesen merkwürdigen Ortsnamen wohnten, und unter welchen Bedingungen sie dort gelebt haben", erklärt Spitzner-Jahn seine Motivation. 2007 war er zum ersten Mal in Schnarrtanne. "Es ist eine karge Gegend, viel zu einsam, um dort zu leben. Ich würde dort nur Winterurlaub machen. Für die Menschen war es damals bestimmt kein Zuckerschlecken, sich und ihre Familien durchzubringen."

Seine Recherchen waren da aber längst von Erfolg gekrönt. Bereits 1987 war es ihm gelungen, mit der genealogischen und geografischen Zuordnung des Fuhrmanns Christian Spitzner (1700 bis 1782) und seines Sohnes Johann Georg Spitzner (1740 bis 1773) die Lücke zu schließen und den Nachweis seiner unmittelbaren Abstammung von Wolff Spitzner zu erbringen. Dieser lebte ab der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Rützengrün bei Auerbach und wurde 1531 in einer Steuerliste durch die Bezeichnung "Wolff Spitzners Knecht" indirekt belegt. Außerdem stieß er auf einen Bartel Spitzner, der als Bauer in der Ortschaft Wernesgrün lebte.

Unter den früheren Trägern des Familiennamens Spitzner fanden sich Bauern, Bergleute, Fuhrleute, Müller, Russhändler und Schmiede. Doch je größer die Abzweigungen wurden, traten ab dem ausgehenden 16. Jahrhundert in zunehmenden Maße auch Ärzte, Geistliche, Pädagogen, Richter und Verwaltungsbeamte hervor. Albert Spitzner-Jahn begab sich auch auf die Spurensuche nach Namensvettern, von denen er nicht in direkter Linie abstammte. Er spürte unter anderem dem Leben des Arztes und Porzellansammlers Dr. Carl Spitzner aus Dresden nach. "Er sammelte Meißner Porzellan und bot die Sammlung dem sächsischen Staat für 90.000 Mark zum Kauf an. Sie ist noch heute im Dresdener Zwinger ausgestellt."

Heute ist Albert Spitzner-Jahn, der inzwischen begonnen hat, die mütterliche Linie zu erforschen, für alle Träger des Namens Spitzner, die selbst Familienforschung betreiben, ein wichtiger Ansprechpartner. "Ich stehe in Kontakt mit vielen Spitzner-Familien im In- und Ausland. Die meisten leben aber nach wie vor in Sachsen." Der Kamp-Lintforter Stadtarchivar freut sich aber auch, wenn er E-Mails aus Nah und Fern mit neuen Fakten erhält, die er dann in sein Archiv einpflegen oder in Aufsätzen einarbeiten kann. Denn klar ist: "Mit Familienforschung wird man nie fertig."

www.spitzner-jahn.de

Quelle: RP
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