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Wesel
Über den Wolken die Freiheit genießen

Wesel: Über den Wolken die Freiheit genießen
Malte Hennig "probiert" aus, wie es sich in einem "neuen Flugzeug" sitzt. Das ist erst vor ein paar Tagen aus Frankreich geholt worden. Nun starten die Flieger in Kamp-Lintfort wieder richtig durch. FOTO: Siwe
Wesel. Die Faszination des Fliegens verbindet die Piloten der Luftsportgemeinschaft Kamp-Lintfort. Ab kommendem Wochenende starten sie auf dem Flugplatz in Saalhoff wieder richtig durch. Von Peter Gottschlich

Sven Verhülsdonk kann sich nicht mehr an seine flugzeugfreie Zeit erinnern. "Mit drei Jahren habe ich meinen ersten Rundflug gemacht", erzählt der 26-jährige Alpener. "Danach soll ich meinen Vater bekniet haben, mit ihm an den Wochenenden zum Flugplatz nach Saalhoff zu fahren. Das erzählt zumindest mein Vater. Mit fünf sind wir das erste Mal am Verkehrsflughafen Düsseldorf gewesen. Ich war fasziniert, wie Jets starten, fliegen und landen. Seitdem will ich selber fliegen."

Die Faszination, über den Wolken die Freiheit zu genießen, verbindet alle 170 Mitglieder der Luftsportgemeinschaft, die mit ihren Flugzeugen auf dem Saalhoffer Flugplatz abheben und auf den Boden zurückkehren. "Man erlebt das Fliegen in einer kleinen Maschine ganz anders als in einem Jet", sagt Ralf Oppermann. "Es ist alles viel unmittelbarer. Man kann in alle Richtungen schauen." Seit neun Jahren ist der Krefelder Vorsitzender der Luftsportgemeinschaft. "Mit 26 Jahren hat mich mein Freund auf einen Rundflug über Schleswig-Holstein mitgenommen", berichtet der 60-jährige Diplom-Ingenieur für Nachrichtentechnik. "Direkt danach habe ich mit dem Fliegen angefangen." Er erwarb die Privatpilotenlizenz für Segel- und für Motorflugzeuge. Das hat auch Malte Hennig vor, der gerade seinen Segelflugschein abschließt. "Ende des Jahres beginne ich die Motorflugausbildung", erzählt der 17-jährige Moerser, wenn er sich schon einmal probeweise an den Steuerknüppel der Diamond DV 20 NG setzt, die von der Luftsportgemeinschaft im Februar als Vereinsflugzeug erworben wurde. Mindestens 40 Flugstunden hat er zu absolvieren, bis er zur Prüfung zugelassen werden kann.

Da eine Stunde inklusive Flugzeug und Lehrer 80 Euro kostet, rechnen die Saalhoffer Flieger mit Kosten von 3500 Euro für eine Privatpilotenlizenz. Dazu schlagen 70 Euro zu Buche, wenn die Flieger eine vereinseigene Maschine für eine Stunde mieten. "Das ist den Piloten die Faszination des Fliegens wert", sagt Joachim Warzeniewski. "Motorradfahren oder Golfspielen können teurere Hobbys sein." Der 53-jährige Kamp-Lintforter ist Ausbildungsleiter für die Segelflieger. "Wer einmal fliegt, hört damit nicht mehr auf", berichtet er. Dabei kommen die meisten Saalhoffer Flieger nicht aus der Hochschulstadt, anders als der Name Luftsportgemeinschaft Kamp-Lintfort vermuten ließe. "Die nächsten Flugplätze liegen in Krefeld, Wesel und Goch", berichtet Ralf Oppermann.

"Entsprechend stammen die Mitglieder aus dem Gebiet dazwischen, zum Beispiel aus Moers, Rheinberg oder Alpen." Einige davon sind so vom Fliegen fasziniert, dass sie es zu ihrem Hauptberuf gemacht haben, beispielsweise Dieter Neuenburg. Einst saß er am Steuerknüppel einer Lockheed Tristar, um für die Fluglinie LTU Urlauber in die weite Welt zu fliegen. Heute sitzt er wochentags im Turm des Saalhoffer Flughafens, um als Flugleiter die Piloten über den Luftdruck und die Anflugrichtung auf den zwei Landebahnen zu informieren, von den die eine nach Osten und die andere nach Westen verläuft. Am Samstag und Sonntag wird er im "Tower" oft von Sven Verhülsdonk abgelöst.

"Die Aufnahmeprüfung als Berufspilot ist der Hammer", sagt der Alpener. "Man muss gut in Englisch, Physik und Mathematik sein. Dazu braucht man ein sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Die Aufgaben muss man unter enormen Zeitdruck lösen. Das schaffen die wenigsten. Ich habe es fünfmal versucht und dann aufgegeben. Weil ich meinem Traum nicht nachgehen kann, habe ich mein Hobby, das Motorfliegen, zu meinem zweiten Beruf gemacht." Über Ostern hat der Flugleiter noch nicht viel zu tun. "Es starten und landen nur einige Flieger", prognostiziert er. Das ändert sich am Wochenende nach Ostern, wenn die Segelflieger mit dem Anfliegen in die neue Saison abheben. Zeitgleich schieben auch die Motorflieger ihre Maschinen aus den Hangars, die im Winterhalbjahr ihren Flugbetrieb stark einschränken. "An schönen Tagen gibt es 70 bis 80 Start und Landungen", sagt Sven Verhülsdonk.

Luftsportgemeinschaft Kamp-Lintfort, Alpener Straße 39, Kamp-Lintfort, Ortsteil Saalhoff. Telefon 02842 41010. Internet: www.flugplatz-kamp-lintfort.com

Quelle: RP
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