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Kamp-Lintfort
Umweltminister will Landwirtschaft neu ausrichten

Kamp-Lintfort: Umweltminister will Landwirtschaft neu ausrichten
Johannes Remmel (Umweltminister) auf dem Biolandhof. FOTO: Reichwein
Kamp-Lintfort. Gudrun Tersteegen sagte, der Hof sei idyllisch. Da saß die Werbetexterin und Moerser Landtagskandidatin der Grünen auf einem Strohballen auf einem Anhänger, der von einem Traktor um das Rittergut Frohnenbruch gezogen wurde. Von Peter Gottschlich

Zu diesem Biolandhof Biolandhof der Familie Bird in Hoerstgen hatten die drei grünen Landtagskandidaten des Kreises Wesel, Gudrun Tersteegen aus Moers, Lukas Aster aus Sonsbeck und Ulrich Lütke aus Wesel, Umwelt- und Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Grüne) eingeladen. Dabei sind Klaus und Bärbel Bird nicht unbedingt Anhänger der Partei. "Bei mir darf jeder einkaufen", betont Metzgermeisterin Bärbel Bird.

Einer davon war am Samstag der 54-jährige Minister, der sich nach der Besichtigung im Hofladen mit Rinderbraten und Rinderrauchfleisch eindeckte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Klaus Bird seine Vorbehalte gegenüber dem Gast aus Düsseldorf aber längst abgelegt. Schließlich ist der staatlich geprüfte Landwirt ein Pragmatiker, der nicht viel von Ideologie hält. "Alles, was wir machen, machen wir, weil es Kunden dafür gibt", beschreibt der 51-jährige Hoerstgener sein Prinzip.

Wie sich im Laufe der zweistündigen Hofbesichtigung zeigte, sieht das Johannes Remmel ähnlich. "Die Nachfrage nach Bioprodukten ist größer als das Angebot", sagte der Landwirtschaftsminister. "Wir importieren und sollten die Produktion erhöhen." Er sprach sich dafür aus, ab 2020, wenn die Förderung der Landwirtschaft neu ausgerichtet werde, diese nicht mehr nur nach Fläche, sondern nach Fläche und Produkt zu bemessen. Damit solle den Landwirten erleichtert werden, auf den biologischen Anbau umzustellen. Am Niederrhein und im Münsterland, wo die Böden gut und die klimatischen Bedingungen günstig seien, sei die Pacht für den Boden hoch, erläuterte Klaus Bird. Deshalb lohne sich die Umstellung kaum, falls es keine Förderung gebe.

Er und seine Frau stellten 2002 ihren Hof um. Dabei zählten sie deutschlandweit zu den Vorreitern. Sie setzen als erste auf einen offenen Stall für Mutterkühe, Kälber und Bullen, der keine Seitenwände hat, sondern nur ein Dach. Klaus Bird entwickelte den ersten mobilen Hähnchenstall mit, der einmal pro Woche um 100 Meter versetzt wird. Oder Bärbel und Klaus Bird gehörten vor fünf Jahren bundesweit zu den ersten Landwirten, die begannen, die Brüderhähnchen der Legehennen zu mästen, von denen woanders bis heute die meisten als Küken getötet werden. Um den Mehraufwand zu finanzieren, erhöhten sie den Preis ihrer Bioeier von 39 auf 47 Cent.

Quelle: RP
 
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