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Kamp-Lintfort
Unesco-Schüler zeigen Psychothriller

Kamp-Lintfort: Unesco-Schüler zeigen Psychothriller
Beachtliches schauspielerisches Talent zeigten die Akteure auf der Bühne. Entsprechend begeistert war das Publikum in der Stadthalle. FOTO: arnulf stoffel
Kamp-Lintfort. Jugendliche scheinen Psychothriller zu lieben. Das gilt auch für den Literaturkurs des zwölften Jahrgangs der Unesco-Gesamtschule. Wie viele andere Jugendliche haben sich die Schüler vom Film "Orphan - das Waisenkind" in den Bann ziehen lassen, der 2009 von Regisseur Jaume Collet-Serra gedreht wurde. Von Peter Gottschlich

Im August 2016 wählte der Literaturkurs den Film als Theaterstoff aus. Neun Monate lang studierten die Schüler das Stück ein. Am Mittwochabend führten es die Teenager vor 200 Zuschauern mit großem Erfolg auf.

Die Schüler des Literaturkurses veränderten die gruselige Geschichte um familiäre Ängste und Verrücktheiten, die von Drehbauchautor Alex Mace nach einem wirklichen Fall in Tschechien verfasst wurde, nur an wenigen Stellen. Der untreue John Coleman, alias Niko Demtuth, und die depressive Kathrin Coleman, alias Anastasia Schneider, die eine Fehlgeburt hatte, adoptieren Esther, alias Helena Kirking. "Es ist keine leichte Entscheidung, ein älteres Mädchen zu adoptieren", bekommen sie vom Waisenhaus aus Russland mit auf den Weg. "Esther ist sehr intelligent und sehr gut erzogen. Sie trägt Schleifchen im Haar."

Doch Esther ist nicht das liebe Mädchen. Durch Repressalien macht sie sich ihre Geschwister zu Untertanen, die sich zu ihren Untaten ausschweigen. Der taubstumme Max, alias Luca Rusch, berichtet mit Gebärdensprache davon genauso wenig wie die abenteuerlustige Melanie mit Worten. Nur ihr leiblicher Vater Michael, alias Marco Borowski, den es im Film nicht als gesonderte Person gibt, hält als eifersüchtiger Ex-Ehemann nichts von Esther.

Er kann seine Ex-Frau langsam mit seiner Meinung überzeugen. Da hat Esther ihren Drang, andere zu dominieren oder sie gar umzubringen, wenn sie sich ihr nicht völlig unterwerfen, längst ausgelebt, als sie die Krankenschwester Abigail brutal mit mehreren Hammerschlägen tötet. Dann versucht sie, ihre neue Schwester Melanie umzubringen, die den Mord gesehen hat, die aber im Koma liegend überlebt, weil sie rechtzeitig in die Intensivstation eines Krankenhauses gebracht wird.

Dann ersticht Esther John, da er mit ihr keine Beziehung eingehen will. Schließlich stellt sich heraus, dass sie bereits über 30 Jahre alt ist. Sie hatte sich jünger gemacht, um aus einer Psychiatrie auszubrechen, in der sie lebte, nachdem sie das Haus ihrer Eltern angezündet hatte. Sie entkommt, anders als im Film, in dem sie den finalen Kampf verliert. Noch einmal erklingt eine Musikpassage von Bernard Herrmann aus dem Alfred-Hitchcock-Film "Vertigo" von 1958, in dem die Hauptperson ebenfalls zwei Persönlichkeiten besitzt. Kursleiter und Regisseur Dr. Jörg Grütjen hatte sie als Leitmotiv für den schwarzen Psychothriller ausgewählt. "Die zwölf Schüler haben sich das Stück selbst ausgewählt", erzählte der Lehrer, nachdem die Zuschauer nach dem Finale stehend applaudiert hatten. "Orphan greift existentielle Ängste der Schüler und Zuschauer auf, ohne sie zu tabuisieren. Düstere Bilder und beklemmende Stimmungen bringen die Nöte der Heranwachsenden zum Ausdruck, die sie sonst nicht artikulieren."

Quelle: RP
 
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