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Kamp-Lintfort
Verborgene Schätze der Kloster-Bibliothek

Kamp-Lintfort: Verborgene Schätze der Kloster-Bibliothek
Peter Hahnen, Leiter des Zentrums Kloster Kamp, zeigt die Chronik Campense in der Alten Bibliothek. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Nur selten ist es den Besuchern des Klosters Kamp in Kamp-Lintfort vergönnt, einen Blick in die alte Bibliothek der Zisterzienser-Mönche zu werfen. Das älteste dort aufbewahrte Buch ist eine Inkunabel und stammt aus dem Jahr 1479. Von Anja Katzke

Wo sich die Bibliothek der Zisterzienser einst im Kloster befand, weiß man heute nicht so genau. Vielleicht in der Nähe des Skriptoriums? Kloster Kamp hatte ja ein recht berühmtes. Dass die Bibliothek der Mönche im Mittelalter riesig und kostbar war, einen großen Wissenschatz beherbergte, ist aber bis heute überliefert. "Erst mit der Säkularisierung 1802 sind viele Bücher verloren gegangen", berichtet Peter Hahnen, Leiter des Geistlichen und Kulturellen Zentrums, das die Geschichte des Zisterzienser-Ordens auf dem Kamper Berg bewahrt und weiter erzählt.

Die "Reste" dieser Alten Bibliothek befinden heute alarmgesichert in einem unscheinbaren Raum am Ende eines langen Ganges im Kloster. "Die spannenden Reste", betont Peter Hahnen. Denn die kostbaren Bücher erzählen viel über das Kloster Kamp, über das Selbstverständnis und die Spiritualität der Zisterzienser. Die Alte Bibliothek ist für Besucher des Geistlichen und Kulturellen Zentrums nicht zugänglich. Das hat seinen Grund. Der Jahrhunderte alte Schatz, der noch immer etwa 350 Bücher umfasst, muss beschützt und geschützt werden - vor dem Licht, vor falscher Temperatur und zu vielen Händen.

Peter Hahnen zieht sofort ein Paar weiße Handschuhe über, bevor er behutsam die Bücher mit ihren vergilbten Seiten öffnet. An den meisten hat der Zahn der Zeit genagt, Ledereinbände lösen sich, bei anderen fehlt der Buchrücken. Das älteste Buch in der Bibliothek stammt aus dem Jahr 1479, aus der Entstehungszeit des Buchdrucks. "Es handelt sich um einen Wiegendruck, lateinisch Inkunabel", erklärt Hahnen. Dieser zeichne sich dadurch aus, dass er gedruckt und von Hand geschrieben sei. Den Einband halten Schnallen fest zusammen.

"Man muss auf das Buch schlagen, damit sich die Verschlüsse lösen. Daher kommt auch die Redewendung ,Ein Buch aufschlagen'", betont der Geschäftsführer. Bei diesem Buch, das sich in auffallend gutem Zustand befindet, handelt es sich um eine Gesamtdarstellung (Summa) der Gewissenserforschung des Astesanus aus Piemont und umfasst acht Teile, die von den Geboten, den Tugenden und Lastern sowie von der Kraft der Sakramente berichten. So heißt es am Ende darin: "Den unsicheren Verstand und der kranken Seele Heilung gewährend" (2. September 1479). "Dieses Buch war so wertvoll, dass es an die Kette gelegt wurde", sagt Hahnen und zeigt auf eine tatsächlich am Buch befestigte Kette.

Ein weiteres wertvolles Buch, das die Bibliothek beherbergt, ist das Chronikon Campense, eine Schriftsammlung, die im Jahr 1470 beginnt und unter Abt Franziskus 1733 endet. Darin findet man den Kamper Stammbaum mit allen Tochterklöstern, Namenslisten, fromme Verse, Berichte der Äbte über ihre jeweiligen Vorgänger und ein Verzeichnis, das rund 800 Reliquien aufführt. "Es ist in der Chronik festgelegt, dass diese nicht verkauft werden durften. Das räumt mit dem Märchen auf, dass die Mönche ihre Werte verschachert hätten", betonte Hahnen. Die Liste unterstützt seine These, dass das Triumphkreuz in der Dinslakener St.-Vincentius-Kirche das frühere Kreuz von Kamp ist. Denn das Dinslakener Kreuz bietet Platz für Reliquien.

"Und einige, die dort gefunden wurden, stehen in unserem Verzeichnis", betont Peter Hahnen. Die Chronik Campense wird demnächst Teil einer großen Zisterzienser-Ausstellung im LVR-Landesmuseum in Bonn sein. Die Alte Bibliothek umfasst Bibeln und Bibelkommentare, Bücher zum Kirchenrecht und philosophische Bände. So taucht René Descartes mit seinem philosophischen Werk ebenso auf wie Philipp Klüver mit seinem Berichten über das "antike Germanien". "Die Mönche wollten nicht nur beten, sie wollten auch wissen, warum sie es tun. Und die Bücher, die sie lasen, widerlegen unsere Vorstellung vom finsteren Mittelalter."

Die Zisterzienser seien ein Reform-Orden gewesen, immer mit dem Kopf in der Bibel und anderen Büchern. "Sie lasen nicht nur die eigene Literatur, sondern suchten die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Kirchengeschichte." Bestes Beispiel dafür sind für Hahnen die ursprünglich zwölf Bände umfassenden "Anales ecclesiastici" (1584). Dabei handelt es sich um eine Kirchengeschichte von Cesar Baronius von Sora. Er gehörte dem Oratorianer-Orden an.

Der Leiter des Geistlichen und Kulturellen Zentrums Kloster Kamp würde gerne diese Bücher wie auch das Stundenbuch (Brevier) der Zisterzienser (1771) mit seinen wunderschönen Stichen einem größeren Publikum zeigen. Doch für eine solche Ausstellung fehlt die Manpower im Zentrum, das mit viel ehrenamtlicher Arbeit die Geschichte von Kloster Kamp erzählt. Peter Hahnen bietet deshalb nur kleine, exklusive Führungen in die Klosterbibliothek gegen eine Spende an, die helfen, die Arbeit des Zentrums Kloster Kamp fortsetzen zu können.

Einige der wertvollen Bücher und Handschriften sind aber auch in der Schatzkammer zu sehen, in der Zisterzienser-Ausstellung im Museum Kloster Kamp. www.kloster-kamp.eu

Quelle: RP
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