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Kamp-Lintfort
Verein will Flüchtlingshilfe koordinieren

Kamp-Lintfort: Verein will Flüchtlingshilfe koordinieren
Mit einer Schweigeminute vor dem Rathaus ist der Verein "Integration Flüchtlinge Kamp-Lintfort" am Samstag zum ersten Mal in der Öffentlichkeit aufgetreten. FOTO: Privat
Kamp-Lintfort. Der Verein "Integration Flüchtlinge Kamp-Lintfort" hat zu seiner ersten Aktion eingeladen, einer Gedenkminute für die Fluchtopfer im Mittelmeer. Weitere Aktivitäten sind geplant. Von Peter Gottschlich

Zu seiner ersten Aktion lud der neue Verein "Integration Flüchtlinge Kamp-Lintfort" am Samstagnachmittag ein. Mit einer Gedenkminute gedachten die beiden Vereinsgründer, Jennifer und Rainer Klotz, den mehr als 1000 Menschen, die in den letzten Tagen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer ertrunken sind. Zwölf Personen schlossen sich der Gedenkminute vor dem Rathaus an, darunter der einstige SPD-Landtagsabgeordnete Eberhard Sohns. Sie zündeten Kerzen auf einem Transparent an, auf dem stand: "Stoppt das Töten vor den Toren Europas".

Dieser Aktion sollen weitere folgen. Schließlich ist Rainer Klotz ein Aktivist im positiven Sinne. Er kämpft mit Vollkraft für eine Sache, die er voranbringen will. Jahrelang war das der Atom-Ausstieg. Er war in der "Antiatom-Initiative Oberhausen" aktiv, die unter anderem gegen das Atommüll-Zwischenlager im westfälischen Gronau oder das Nuklear-Unternehmen GNS in Duisburg demonstrierte. "Seitdem der Atomausstieg beschlossen ist, interessiert das Thema niemanden mehr", sagt der 47-jährige Fachinformatiker. "Dabei laufen die Meiler noch bis 2022. Zurzeit sind es acht."

Weil für ihn die Antiatom-Initiative uninteressant geworden war, suchte er sich eine neue Aufgabe, zumal er mit seiner Frau Jennifer Klotz Ende 2014 von Oberhausen nach Kamp-Lintfort zog, wo sich die beiden im Ortsteil Geisbruch ein Haus gekauft hatten.

Diese Aufgabe fanden die beiden, als sie ein Treffen besuchten, zu dem die Stadtverwaltung Ende Februar in den Kindergarten Tausendfüßler im Schulzentrum eingeladen hatte, um Ehrenamtliche in die Flüchtlingsarbeit einzubinden. "Gesucht wurde eine Gruppe, die sich für die Koordination der Flüchtlingshilfe einsetzt", blickt Jennifer Klotz zurück. "Wir haben zugesagt." Dann ging alles Schlag auf Schlag. Die beiden beschlossen, einen Verein für die Flüchtlingshilfe zu gründen. Sie arbeiteten eine Satzung aus, die sie Anfang April beim Amtsgericht in Kleve einrichten. Parallel dazu formulierten sie einen Förderantrag an den Kreis Wesel aus, um einmal in der Woche die Flüchtling in ein Integrationscafé einladen zu können.

Dann gab es ein erstes Treffen mit Interessenten. "Insgesamt sind es 30 Personen", sagt Rainer Klotz. Wenn das Amtsgericht Mitte Mai die Satzung genehmigt und der Verein zu einer Gründungsversammlung einlädt, können sie Mitglied werden.

"Ab Mai treffen wir uns jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat um 19 Uhr im alten Kasino, um unsere Aktivitäten zu besprechen", sagt Rainer Klotz. Neben dem Integrationscafé, das ab Juni jeden Samstag in den Räumen des Cari-Treffs am Rathausplatz stattfinden soll, ist am Samstag, 16. Mai, ein Tag mit dem Titel "Make the world a better place" geplant. Vor dem Containerdorf an der Friedrichstraße soll eine große Kaffee- und Kuchentafel entstehen, damit sich Flüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge kennenlernen.

Ferner sollen Mitglieder des neuen Vereins Flüchtlinge bei Behördengängen begleiten und Sprachunterricht erteilen. "Wir arbeiten eng mit den anderen zusammen", sagt Rainer Klotz. "Zum Beispiel mit Diakon Thomas Riedel und der katholischen Kirchengemeinde sowie der Stadt", sagt Rainer Klotz.

Quelle: RP
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