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Kamp-Lintfort
Versuchte Vergewaltigung: Täter in U-Haft

Kamp-Lintfort. Den Zeugen, die die Tat in Kamp-Lintfort beobachtet haben, ohne Einzuschreiten, droht eine Strafanzeige.

Der Mann, der am Donnerstag vergangener Woche eine Frau in Kamp-Lintfort überfallen, hat, befindet sich inzwischen im Gefängnis. Ein Richter habe die Untersuchungshaft angeordnet, berichtete gestern die Polizei. Der 22 Jahre alte Duisburger hatte gegen 21.30 Uhr eine 31-jährige Frau in der Innenstadt von Kamp-Lintforter in ein Gebüsch gezerrt, er wollte sie offenbar vergewaltigen.

Zwei Kamp-Lintforter, die die Schreie der Frau gehört hatten, griffen ein. Einer der Männer (58) zog sich bei dem Versuch, den Täter festzuhalten, einen mehrfachen Armbruch zu, der andere (53) verfolgte den flüchtenden Täter und gab dabei der Polizei per Handy dessen Position durch.

Weitere Zeugen der Tat haben sich bislang nicht bei der Polizei gemeldet. Dabei hatten mehrere Personen - offenbar tatenlos - dabei zugesehen, wie der Täter sein um Hilfe schreiendes Opfer anging. "Sie wissen vermutlich, dass sie hätten helfen sollen", mutmaßte gestern Polizei-Sprecherin Sabine Vetter. Den untätigen Zeugen, deren Personalien die Polizei noch nicht kennt, droht eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung. Leider komme es oft vor, dass Zeugen von Gewalttaten untätig blieben, sagte Vetter. Die Gründe seien vielfältig. "Die einen denken, was soll ich mich einmischen, andere haben Angst oder wollen keinen Ärger mit der Polizei."

Sabine Vetter appellierte, angesichts von Gewalttaten nicht untätig zu bleiben. Dabei müsse niemand den Helden spielen. "Helfen bedeutet nicht, hinzugehen und einen möglicherweise bewaffneten Täter umzuhauen." Es genüge schon, die Polizei unter 110 zu alarmieren, oder andere, vielleicht stärkere Zeugen herbeizurufen. "In vielen Fällen ist laut sein, dem Täter zuzurufen, aufzuhören, schon ein adäquates Mittel, ihn zu verscheuchen."

(pogo)