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Kamp-Lintfort
Visionen für das Lintforter Zechengelände

Kamp-Lintfort: Visionen für das Lintforter Zechengelände
Links: Ratsmitglieder auf dem Kamp-Lintforter Zechengelände. Die Fähnchen markieren die Umrisse des künftigen Sicherungsbauwerks. Rechts: Das Sicherungsbauwerk auf der alten Zeche Nordstern in Gelsenkirchen ist heute Teil eines Landschaftsparks. Links: Ratsmitglieder auf dem Kamp-Lintforter Zechengelände. Die Fähnchen markieren die Umrisse des künftigen Sicherungsbauwerks. Rechts: Das Sicherungsbauwerk auf der alten Zeche Nordstern in Gelsenkirchen ist heute Teil eines Landschaftsparks. FOTO: KLaus Dieker / FRanz Weiß
Kamp-Lintfort. Die RAG Montan Immobilien wirbt für das geplante Sicherungsbauwerk. Ratsmitglieder besuchen Halden im Ruhrgebiet. Von Josef Pogorzalek

Fähnchen, die an Bändern im Wind flattern, in der Mitte ein sechs Meter hoher Pfahl: Die Konstruktion auf dem Kamp-Lintforter Zechengelände verdeutlichte gestern die Umrisse des Sicherungsbauwerks, das die RAG Montan Immobilien dort errichten will. Vertreter des Unternehmens erläuterten die Pläne vor Mitgliedern der Ratsfraktionen und der Stadtverwaltung. "Sie sehen, das Bauwerk wird kein Monstrum", sagte Hans-Peter Noll, Vorsitzender der Geschäftsführung der RAG MI.

Noll und seine Kollegen lösten gestern ein Versprechen ein, das sie im Rat gegeben hatten: Sie nahmen die Kamp-Lintforter Entscheidungsträger mit auf das Zechengelände und dann auf eine Busfahrt zu Sicherungsbauwerken auf ehemaligen Bergwerken in Oberhausen und Gelsenkirchen. "Wir wollen die Chancen und Möglichkeiten aufzeigen, die damit verbunden sind", sagte Noll. Unter anderem im Gelsenkirchener Nordstern-Park konnten die Kamp-Lintforter gestern sehen, wie die Halden landschaftlich ansprechend gestaltet und von den Menschen akzeptiert wurden.

In den Kamp-Lintforter Ratsgremien war das Thema Sicherungsbauwerk umstritten. Es gab und gibt Befürchtungen, dass eine Deponie mitten auf dem Gelände der Landesgartenschau 2020 und in Nachbarschaft zu Wohnhäusern entsteht. Aus Sicht der Stadt geht es allerdings nicht mehr darum, ob das Sicherungsbauwerk gebaut wird, sondern wie. Es soll nicht zu massiv sein und Möglichkeiten für eine landschaftsplanerische Gestaltung im Rahmen der Landesgartenschau 2020 zulassen. Eine entsprechende Stellungnahme der Stadt hat der Rat mit den Stimmen der SPD und der Grünen beschlossen.

Das Sicherungsbauwerk soll bis Herbst 2018 entstehen. Es wird mit Giftstoffen belastetes Material der Kokerei aufzunehmen, die bis 1978 in Betrieb gewesen war. Es wird 400 Meter lang und 100 Meter breit, im Erdboden bis zum neun Meter tiefen Grundwasserspiegel reichen und an der Spitze sechs Meter über den Erdboden ragen. Bis zu 75.000 Kubikmeter belastetes Material wird Platz finden, gesichert durch Kunststofffolien und abgedeckt mit einer 1,5 Meter starken Schicht sauberer Erde. "Das ist die Spielwiese für den Landschaftsarchitekten", sagte gestern Michael Otto, Geologe der RAG MI. Ein landschaftsplanerischer Wettbewerb für das Laga-Gelände läuft. Im Januar werden die Sieger gekürt.

Einer kompletten Abfuhr des belasteten Materials (wie es zum Beispiel die CDU fordert) erteilte Projektleiter Hermann Timmerhaus gestern eine Absage: "Wir streben Lösungen am Standort an." Es wäre die teurere Lösung, und die RAG müsste erst geeignete Deponien suchen. Vor allem aber mache ein Transport des belasteten Materials ökologisch keinen Sinn - das Problem würde nur auf andere Orte abgeschoben. Der Kamp-Lintforter Beigeordnete Martin Notthoff pflichtete dem bei. "Zwei Jahre lang müsste jede Viertelstunde ein Lastwagen mitten durch die Stadt fahren", gab er zu bedenken. Ein Sicherungsbauwerk wie das geplante sei etwas "ganz Normales", sagte Notthoff. "In anderen Städten kräht kein Hahn danach."

Auch die Frage nach der Lebensdauer der eingearbeiteten Sicherheitsfolie wurde gestern gestellt. "Nichts ist für die Ewigkeit", sagte Hans-Peter Noll. Aber die RAG werde "ewig" für das Sicherungsbauwerk haften. Sollte es irgendwann Probleme geben, werde man diese beheben. Ebenso konnte Noll nicht ausschließen, dass es während der Bauarbeiten zu Geruchs- und anderen Belästigungen der Nachbarschaft kommt. Die RAG wolle Anwohner bei einem Tag der offenen Tür informieren. Noll versprach eine "größtmögliche Transparenz und Offenheit": "Solange Fragen da sind, werden wir sie beantworten."

Quelle: RP
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