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Kamp-Lintfort
Vorleser tragen Geschichten in die Stadt

Kamp-Lintfort: Vorleser tragen Geschichten in die Stadt
Der Verein "LesArt" lud die Freiwilligen zu einem Ehrenamtsfrühstück ein. FOTO: René Schneider
Kamp-Lintfort. Die Freiwilligen des Kamp-Lintforter Vereins "LesArt" lesen in den Kindergärten, Grundschulen und Altenheimen vor. Ferner organisieren sie Leseabende und Literaturtage. Dem Verein gehören 50 Mitglieder an. Von Peter Gottschlich

Veronika Helbig wird von den Kindern der Ernst-Reuter-Schule freudig begrüßt, wenn sie montagmorgens an die Sudermannstraße in Kamp-Lintfort kommt. Schließlich freuen sie sich schon darauf, etwas von ihr vorgelesen zu bekommen. "Die Kinder suchen sich die Geschichten selbst aus", erzählt die Vorleserin. "Es können Märchen genauso wie Abenteuergeschichten sein."

Ab 10 Uhr betört sie acht bis zehn Drittklässler mit ihrer Stimme. Die Kinder hängen an ihren Lippen, wenn sie die Bücher, ihre Schatzkiste, öffnet. "Ich nehme sie von Anfang an mit", berichtet die pensionierte Lehrerin, die bis zum Sommer 2012 an der Alpener Hauptschule unterrichtete. Dazu steckt sie die jungen Gestfelder an, schon einmal ein Buch aufzuschlagen, wenn sie nach dem Ganztagsunterricht nach Hause kommen. Dabei verbindet ihr Vorlesen die drei Phasen, aus denen dieser rhythmisierte Ganztag mit Lern-, Bewegungs- und Erholungsabschnitten besteht.

Die pensionierte Lehrerin ist eine von zwei Dutzend Vorleserinnen des Vereins Lesart. Diese Freiwilligen lesen jede Woche Kindern vor. Den ganz jungen, die zwischen einem halben und eineinhalb Jahren alt sind, stellen sie in der Mediathek beim Kamischibai erste Geschichten vor. "Dabei werden Bilder in einen Kasten geworfen", erzählt Mediathek-Leiterin Katharina Gebauer. "Die Vorleserinnen können sichtbar oder unsichtbar sein." Wenn die Kinder älter sind, können sie Geschichten aus Bilderbüchern verfolgen, die ihnen von den Vorleserinnen vorgestellt werden. "Manchmal sind es auch Gedichte", berichtet Veronika Hoffmann. "Die Kinder können die Verse singen. Und welches Kind singt nicht gerne." Sie trägt gleich zweimal in der Woche vor, am Montagvormittag im Kindergarten Tausendfüßler nahe der Stadthalle und am Donnerstagnachmittag an der Ernst-Reuter-Grundschule nahe dem Gestfeldcenter.

Andere Lesart-Aktive gehen in Altenheime, zum Beispiel in das Caritashaus St. Josef an der Ecke von Walkenriedstraße und Moerser Straße, um Demenzerkrankten vorzulesen. Sie werden, wie alle Vorleserinnen, durch einen eintägigen Kurs auf das Vorlesen vorbereitet. Dazu bringen sie meistens berufliche Erfahrungen mit, etwa als Lehrerinnen, als Erzieherinnen oder als Büchereimitarbeiterinnen, die meistens im Ruhestand sind. Neben dem Vorlesen organisieren die Lesart-Aktiven Lesungen, jährlich drei in der Bücherei und zwei zusammen mit der Weinhandlung von Helmut Wörpel. Sie laden alle zwei Jahre zu Literaturtagen ein, die von den Stadtwerken und der Sparkasse Duisburg finanziell unterstützt werden, wie in diesem Jahr und 2020 zur Landesgartenschau. Außerdem veranstalten sie in jedem Januar ein "Literarisches Menü", bei dem sich Essen und Lesen ergänzen. "Lesepatenschaften gibt es auch in anderen Städten", sagt René Schneider. "Doch in der Kombination mit den Lesungen sind die Aktivitäten von Lesart in der Region einmalig." 2002 hatte er die Idee, einen Bücherei-Förderverein zu gründen, der aktiv das Leben mitgestaltet. Damit stieß er bei Katharina Gebauer, die die Leitung der Bücherei übernahm, auf offene Ohren. Heute gehören dem Verein 50 Mitglieder an, die fast alle aktiv sind. Das zeigt auch das gemeinsame Frühstück am Montagvormittag, zu dem 40 von ihnen kamen. Gleichzeitig ist ihr Engagement nur wenigen Kamp-Lintfortern bekannt. "Die im Dunkeln sieht man nicht", zitiert René Schneider deshalb gerne den letzten Vers aus dem Mackie Messers Haifischlied in der Dreigroschenoper von Bertold Brecht. Dabei übersetzt der Landtagsabgeordnete "im Dunkeln" mit "im Hintergrund".

Quelle: RP
 
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