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Kamp-Lintfort
Wende in der Drogenberatung

Kamp-Lintfort: Wende in der Drogenberatung
FOTO: Stoffel, Arnulf (ast)
Kamp-Lintfort. Rascher als ursprünglich vorgesehen will die Stadt Kamp-Lintfort ihre Drogenberatungsstelle in neue Hände geben. Das sorgt für großen Unmut im Trägerverein der Einrichtung. Von Jürgen Stock

Die Auseinandersetzung um die Zukunft der Drogenberatungsstelle in Kamp-Lintfort spitzt sich zu. Wie die Stadt gestern bestätigte, ist nun auch dem zweiten Beschäftigten der Drogenberatungsstelle eine neue Aufgabe zugewiesen worden. "Einer der Mitarbeiter soll sich künftig um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kümmern, der andere wird für die Betreuung von Obdachlosen benötigt", berichtet der Beigeordnete Christoph Müllmann.

Damit stellt die Stadt die Weichen für eine neue Drogenpolitik früher, als viele erwartet hatten. Für Manfred Maicher, Vorstandsmitglied des Trägervereins, ist das eine Katastrophe. "Nachdem bereits die Nachsorgeeinrichtung Terhardtshof aufgelöst wurde, ist die Drogenberatung in Kamp-Lintfort damit praktisch lahmgelegt", sagt Maischer, der dem Verein seit mehr als 30 Jahren angehört. "Als Mitglied des Vorstandes der Drogenberatung Kamp-Lintfort sah ich mich veranlasst, den Bürgermeister der Stadt Kamp-Lintfort (Herrn Prof. Dr. Landscheidt) sowie den Landrat des Kreises Wesel (Herrn Dr. Ansgar Müller) schriftlich zu kontaktieren und meine persönliche Empörung und mein Unverständnis über diese Vorgänge zum Ausdruck zu bringen."

Müllmann hingegen weist die Vorwürfe zurück. Die zwei verbleibenden Mitarbeiter reichten, eine Beratung vorübergehend sicherzustellen.

Um die Empörung zu verstehen, muss man in der Entstehungsgeschichte der Drogenberatungsstelle zurückblättern. In den siebziger und achtziger Jahren wurde Kamp-Lintfort zu einem der Hauptumsatzplätze für Drogen am Niederrhein. Als Reaktion darauf gründeten betroffene Bürger, darunter viele Eltern drogensüchtiger Kinder, den Verein der Drogenberatung Kamp-Lintfort. Auch 2015 hatte Kamp-Lintfort pro Kopf der Bevölkerung eine um 20 Prozent höhere Drogenkriminalität als Moers.

Als eine von vier Beratungsstellen im Kreis Wesel ist die Einrichtung zuständig für die Kommunen Kamp-Lintfort, Rheinberg, Alpen, Sonsbeck und Xanten. Die Drogenberatung finanziert sich aus Zuwendungen des Landes NRW, des Kreises Wesel, der Städte Rheinberg und - zum größten Teil - Kamp-Lintfort. So sind alle vier festen Mitarbeiter der Beratungsstelle nicht beim Verein, sondern bei der Stadt Kamp-Lintfort angestellt. Zwei der fünf Vorstandsmitglieder des Vereins werden auch von der Stadt benannt.

Bereits im vergangenen Oktober hatte die Stadt angekündigt, den Vertrag mit dem Trägerverein zum Jahresende auflösen zu wollen, was kurz darauf auch geschah. Müllmann lässt durchblicken, dass er das vom Verein gepflegte Modell der Drogenberatung für nicht mehr zeitgemäß halte. So erwartet Möllmann, dass sich die Drogenberatungsstelle auch um so genannte nichtmaterielle Süchte wie Spiel- oder Internetsucht kümmere. Die Abberufung der beiden Mitarbeiter der Beratungsstelle sei nötig gewesen, um den Übergang reibungslos zu gestalten. Keiner der Träger, die im Rennen um den Zuschlag für die Einrichtung seien, habe die beiden Mitarbeiter übernehmen wollen. "Die Verwaltung wird dem Jugendwohlfahrtsausschuss bis Mai einen Vorschlag für den neuen Träger machen", versichert der Beigeordnete. Spätestens bis zur Sommerpause solle dann die gegenwärtige Personallücke wieder geschlossen sein.

Die beiden restlichen Mitglieder des Vorstands "sehen im Augenblick keine Notwendigkeit", sich zu den Vorgängen zu äußern. Umso deutlicher wird das dritte Vorstandsmitglied, Maicher: Für ihn ist das Vorgehen der Stadt "ein gravierender Bruch des noch bestehenden Vertrags"

Quelle: RP
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