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Kamp-Lintfort
"Wir lassen uns Karneval nicht vermiesen"

Kamp-Lintfort. Nach der Absage des Rosenmontagszugs haben sich die Jecken zur Party im Festzelt neben den Stadtwerken, im ABC-Keller und im Jugendkulturzentrum Ka-Liber getroffen. Es waren deutlich weniger unterwegs als in den Vorjahren. Von Anja Katzke

Markus Lorkowski steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben: "Es wäre für mich der erste Rosenmontagszug als Präsident des Festausschusses gewesen", sagt er traurig. Doch, kurz vor 13.11 Uhr, bestätigt ihm der Blick zum Himmel, dass er morgens die richtige Entscheidung getroffen hat. Es gießt draußen in Strömen. "Die Sicherheit geht vor", tröstet sich der Festausschuss-Präsident selbst. Im Festzelt neben den Stadtwerken trudeln da schon die ersten Jecken ein, die sich die Party nicht von Wind und Wetter vermiesen lassen wollen. Es sind junge Leute, die sich in fantasievolle Kostüme geworfen haben. Sie haben sich als Bergleute, Blumenmädchen, Maikäfer, Supermänner, Mini-Mäuse verkleidet. "Es ist schade, dass es regnet", sagt ein Mädchen. Auch die ersten Zugteilnehmer kommen im Festzelt an. Sie mussten zuerst die mit Kamelle gepackten und bunt geschmückten Karnevalswagen wieder entladen. 32 Einheiten, darunter elf Motivwagen, sollten eigentlich um 13.11 Uhr an der Franzstraße starten.

Damit Karneval in Kamp-Lintfort nicht ganz ins Wasser fällt, haben sich die Organisatoren entschlossen, die Party im 1000 Menschen fassenden Riesenfestzelt von Geilings Bräu steigen zu lassen. Ein DJ legt Karnevalslieder und Schlager auf und heizt den Jecken ein. Das Festzelt bleibt bis zur Windstärke 9 standhaft. "Wir stehen mit der Feuerwehr im ständigen Kontakt", sagt Markus Lorkowski. "Wenn der Wind stärker wird, müssen wir natürlich räumen." Derweil legen die ersten eine heiße Sohle aufs Parkett. Barbara Mennekes, Rektorin der Europaschule, hat sich unters Narrenvolk gemischt. Sie trägt lila Haare und ein buntes Kostüm. "Wir standen heute mit 70 Kindern parat und wollten mitlaufen. Die Eltern hatten fleißig Kostüme genäht, die Kamelletaschen wurden schon am Freitag gepackt. Die Kinder waren sehr traurig, als der Zug abgesagt wurde. Falls es keinen Nachholtermin gibt, feiern wir mit ihnen in der Schule eine große Party", verspricht sie.

Bernd Grossauer, Präsident des Kamp-Lintforter Karnevalsvereins (KKV), hat es sich mit Bekannten auf den Sitzbänken im Zelt bequem gemacht: "Natürlich ist die Stimmung bescheiden. Es haben sich ja alle auf den Rosenmontagsumzug gefreut", sagt er und fügt hinzu: "Es wurde aber die richtige Entscheidung getroffen. Die Sicherheit geht vor." Grossauer lässt sich die gute Laune nicht vermiesen. Er hat sich vorgenommen, zu tanzen, zu feiern und fröhlich zu sein. Zum Schunkeln aufgelegt ist auch die Truppe von Andreas Wiesner. "Wir gehen als die Sahneschnittchen", erklärt der Optiker, der auch dem Vorstand der Werbegemeinschaft angehört.

Sein Kreis ist regelmäßig auf dem Rosenmontagszug als Fußgruppe dabei. Andreas Wiesner nimmt die Absage mit Humor: "Dann haben wir schon die Kostüme für den Zug in zwei Jahren", scherzt er fröhlich. In Kamp-Lintfort machen alle Narren das Beste aus der Situation: "Unsere Kinderprinzessin Hannah II. hat sich spontan entschieden, ihre Sträußchen in den Seniorenheimen in Kamp-Lintfort zu verteilen", erzählt Herbert Hennig, Geschäftsführer im Kamp-Lintforter Karnevalsverein (KKV).

Und der Jugendkulturverein Ka-Liber, der erstmals auch als Fußgruppe mit 43 Kinder und Jugendlichen mitlaufen wollte, hat spontan alle Kinder ins Alte Rathaus zur Karnevalsparty eingeladen. "Wir haben das ganz schnell organisiert", erzählt Geschäftsführerin Nina Engelskirchen und freut sich, dass immer mehr kostümierte Kinder den Weg ins Ka-Liber finden.

Quelle: RP
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