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Kamp-Lintfort
Zentrum zeigt Flagge für die Schatzkammer

Kamp-Lintfort. Das Museum Kloster Kamp zählte im vergangenen Jahr 2500 Besucher. Peter Hahnen, Geschäftsführer des Geistlichen und Kulturellen Zentrums Kloster Kamp, möchte die Werbung für die "Schatzkammer" auf dem Kamper Berg verstärken. Von Anja Katzke

Ein schweres Zisterzienser-Gewand aus weiß-grauer Schafswolle hängt im Eingangsbereich an einem Haken - so, als hätte es Schreibmönch Rutger de Bercka gerade erst abgelegt. Nur ein paar Schritte weiter wähnt sich der Besucher mitten im Skriptorium der Zisterzienser-Mönche, die 1123 den Grundstein für das Kloster auf dem Kamper Berg legten. Die Besucher des Museums am Kloster Kamp, das im früheren Agathastift eingerichtet ist, tauchen dort in eine völlig andere Welt ein, die vom Leben der Mönche auf Kamp erzählt.

"Das Museum ist unsere Schatzkammer", betont Peter Hahnen, Leiter des Geistlichen und Kulturellen Zentrums Kloster Kamp. 2500 Besucher zählte das Kleinod auf dem Kamper Berg 2014. 53 Gruppen nahmen an Führungen durchs Haus teil. Für Hahnen könnten es deutlich mehr Gäste sein, die den Weg ins Museum finden. "Das Haus liegt auf der ,schwierigen' Seite, gegenüber von Kloster und Terrassengarten." Das Zentrum Kloster Kamp verzeichnete im selben Zeitraum 10 000 Besucher auf dem Berg.

Erste Schritte, um die Aufmerksamkeit auf das Museums zu lenken, sind getan: Große Flaggen sind vor dem Gebäude aufgestellt. Und im Garten des Refektoriums und zugleich Spendencafés haben Hahnen und seine Mitstreiter ein Objekt aufgestellt, das Besuchern signalisiert, dass es in der Schatzkammer noch viel mehr zu sehen gibt. Das Museum Kloster Kamp war 2005 nach einer grundlegenden Umgestaltung wieder eröffnet worden. Nur eine Tür hinter dem Museumsshop beginnt die Zeitreise in die Geschichte des Zisterzienser-Ordens auf Kamp. Mitten im Raum steht ein Schreibstuhl, darauf liegt eine Feder, daneben hängen ein abgewetzter Bimsstein und ein Kuhhorn. "Darin bewahren die Schreibmönche die Tinte auf", erzählt Peter Hahnen. Auf dem Tisch liegt der Nachdruck einer Seite der Kamper Bibel, die heute in Berlin aufbewahrt wird. Das Porträt von Abt Petrus Polenius, der die Mönche nach dem Truchsessischen Krieg auf den Berg zurückführte, findet dort ebenso Platz wie der Grenzstein mit dem Wappen des Klosters und der Kamper Stammbaum aus dem 18. Jahrhundert, der alle Töchterklöster des Zisterzienser-Ordens aufzeigt.

Eine Etage höher verliert der Besucher bald Raum- und Zeitgefühl. Aufgrund der Lichtempfindlichkeit der wertvollen liturgischen Gewänder, die dort dem interessierten Publikum gezeigt werden, ist die Lichtstärke auf 50 Lux reduziert. Farblich verschieden gestaltete Wandbereiche stehen in dem fensterlosen Raum sinnbildlich für die Bereiche Spiritualität, Geistlichkeit, Liturgie und Kunst. "Man wollte mit der Gestaltung einen emotional erlebbaren Farb-Bild-Raum inszenieren", erläutert Peter Hahnen.

Wahre Kostbarkeiten finden sich in diesem Ausstellungsbereich: Alte Handschriften, das Kamper Stundenbuch aus dem Jahr 1312, das vor wenigen Jahren auf einer Auktion in London ersteigert wurde, und besondere liturgische Gewänder. In mehreren Vitrinen sind schöne Kapellen, also ein kompletter Satz barocker Messgewänder zu sehen - mit Messgewand, Stola, Dalmatik und Chormantel. "Der Stoff dieser Kapelle hier ist hellblau, eben keine liturgische Farbe", weist der Geschäftsführer des Zentrums auf eine Besonderheit hin. "Die Kapelle entstand aus Stoffresten, die mal Vorhänge waren. Es handelt sich also um frommes Recycling." In der Ausstellung sind Kelche aus vergoldetem Silber mit ihren Kelchtüchern zu sehen und rote Zeremonialpantoffel und Mitra für das Pontifikalamt. Das kunsthistorisch bedeutendste Exponat des Museums Kloster Kamp befindet sich in einem in Dunkelrot ausgekleideten Raum: das auf grünen Seidensamt mit Gold- und Silberfäden bestickte Kamper Antependium aus dem 14. Jahrhundert. Es handelt sich um eine der kostbarsten Stickarbeiten im Rheinland.

Quelle: RP
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