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Kamp-Lintfort
Zuhörer bei der Probe: "Das wird gut!"

Kamp-Lintfort: Zuhörer bei der Probe: "Das wird gut!"
Im Rokoko-Saal des Klosters Kamp proben die Musiker vor Publikum Brahms’ Klavierquintett. Das Stück klappt schon sehr gut. FOTO: Dieker, Klaus
Kamp-Lintfort. Die öffentlichen Proben zum Kammermusikfest Kloster Kamp stoßen auf großes Interesse. Gestern wurden unter anderem Werke von Johannes Brahms, Ernest Bloch und Max Bruch vor interessierten Musikfreunden einstudiert. Von Petra Riederer-Sitte

Das Kammermusikfest Kloster Kamp hat sich zu einem festen Bestandteil im sommerlichen Terminkalender der Region entwickelt. Offenbar war in diesem Jahr die Vorfreude auf die musikalische Woche im "klingenden Kloster" größer denn je.

Schon kurz nach halb zehn haben sich am Eröffnungstag des Kammermusikfestes einige Besucher am Kloster Kamp versammelt und rütteln ungeduldig an der Eingangstür. "Nanu, noch keiner da? Aber hier finden doch die Proben mit den Musikern statt!" Ein Weilchen müssen die Musikfreunde sich noch gedulden, bis pünktlich um zehn Uhr als erster Festivalmusiker der Pianist Roland Krüger eintrifft. Wenige Minuten später sind dann auch die Musikerkollegen Ingo de Haas, Timothy Braun, Aida-Carmen Soanea und Katharina Apel da. Auf dem Programm der ersten Probe im Rokokosaal steht Johannes Brahms' Quintett op. 34.

Ein kurzes Zunicken und schon ist diese faszinierende Atmosphäre geschaffen, die zum prägnanten Markenzeichen des kleinen Festivals geworden ist. Das Miterleben des Entstehens von Musikstücken scheint hier die ersten Vorstufen übersprungen zu haben: "Haben die das vorher heimlich geprobt?", raunt ein Besucher seiner Nachbarin zu. Die Frage scheint berechtigt, denn das Zusammenspiel wirkt schon bei diesem ersten Zusammentreffen erstaunlich homogen. Fast sind die Zuhörer beruhigt, als der musikalische Fluss kurz unterbrochen wird. Aber die Musiker lassen sich in ihrer Konzentration nicht stören: "Nochmal oder wollen wir direkt weiterspielen?" Eine knappe Verständigung zum Tempo: "Zu langsam? Ja, ein bisschen." Und schon schwebt die Musik wieder durch den Saal. Bis zur Aufführung bleibt nicht viel Zeit zum Proben, aber schon jetzt sind die Besucher überzeugt: "Das wird gut!"

Deutlich intensiver geht es derweil in Wellings Parkhotel bei Ernest Blochs Quintett Nr. 2 zu. "This is incredible fast, ui, jui, jui", stöhnt der Geiger Giora Schmidt, und seine vier Mitmusiker nicken. Besonders Takt 36 scheint seine Tücken zu haben. Immer wieder setzt das Quintett ein, bricht ab, diskutiert vor den gespannt lauschenden Zuhörern darüber, wie rustikal der Satz zu spielen ist, ob das Tempo in Takt 47 das gleiche ist wie in Takt 36 und aus welcher Ausgabe man eigentlich spielen sollte. Auch im Hintergrund läuft nicht alles sofort nach Plan. "Es hakt an einigen Stellen", berichtet Organisatorin Jeannette von der Leyen. So konnte eine Probe nicht in der Hochschule stattfinden, weil der Sicherheitsdienst niemanden einlassen wollte. Kaum ist das Problem gelöst, stellt sich heraus, dass der Flügel in der Hochschule abgeschlossen ist und keiner weiß, wer den Schlüssel hat. Die Musiker nehmen das Ganze mit Humor. "Festivalbeginn ist immer ein bisschen chaotisch", stellt der Bratscher Razvan Popovici fest. "Das gehört so. Es wird schon alles werden." Kurzerhand wird die Trioprobe in die Bibliothek des Parkhotels verlegt, und schon wenige Minuten später erklingen Max Bruchs Stücke für Klavier, Klarinette und Viola op. 83 so traumhaft schön, dass es eigentlich kaum noch etwas zu feilen gibt. "Alles okay", befindet Popovici zufrieden. Klarinettist Thorsten Johanns und Pianist Andrew Harley stimmen ihm zu: "Yes, we can do."

Die Proben finden täglich ab 10 Uhr statt, der Besuch ist kostenlos. Der Probenplan steht unter www.kammermusikfest-klosterkamp.de

Quelle: RP
 
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