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Kamp-Lintfort
Zwei Joker für den Comic-Laden

Kamp-Lintfort: Zwei Joker für den Comic-Laden
Nora Schmidt und Dirk Philipeit führen seit Mai den Comicladen. FOTO: siwe
Kamp-Lintfort. Der Kamp-Lintforter Comicladen "Evermore" hat bis morgen zwei US-amerikanische Comic-Zeichner zu Gast. Von Peter Gottschlich

Nora Schmidt schaut Steve Scott voller Bewunderung zu, wie er auf einem Blatt Joker zeichnet. So heißt der Fiesling aus der Comicserie "Ghost Rider". Mit schwarzer Tinte hält er das kantige Gesicht und den kantigen Körper fest, den er mit Bleistift auf einem Din-A-3-Blatt vorgezeichnet hat. Dabei gibt sich der Comiczeichner, der in Biloxi im US-Bundesstaat Mississippi wohnt, entspannt, wie sein Freund und Comiczeichner Mark Texeira aus New York, mit dem er gekommen war. "Dieses Kunstwerk erhält einen Ehrenplatz", freute sich Nora Schmidt, als sie das Bild mit Joker in der Hand hielt.

Steve Scott und Mark Texeira gehören zum Kreis der rund 100 Comiczeichner, die weltweit bekannt sind. Gestern eröffneten der 48- und der 54-Jährige im Comicladen "Evermore" die "Artists Days", bei denen sie bis zum Donnerstagabend drei Tag lang Comicfiguren festhalten, der jüngere oft mit Tinte, der ältere oft mit Wasserfarbe. Sonst sind sie nicht in der niederrheinischen Provinz unterwegs, sondern in den Metropolen der Welt. "Nach den drei Tagen in Kamp-Lintfort geht es nach Amsterdam", erzählte Rudi Bimmel. "Anschließend zeichnen sie in Paris, bevor sie nach New York zurückkehren."

Steve Scott und Mark Texeira gehören zum Kreis der rund 100 Comiczeichner, die weltweit bekannt sind. Mit den "Artist Days" möchte sich das Comic-Geschäft in der Kamp-Lintforter Innenstadt bekannt machen. FOTO: Klaus Dieker

Der Niederländer, der Comicfan ist und die beiden Künstler seit Jahrzehnten kennt, hatte den Kontakt zum Kamp-Lintforter Comicladen Evermore hergestellt. "Ich kenne Steve Scott und Mark Texeira wie Nora Schmidt", berichtete er. "So ist die Idee der Artist Days entstanden."

Nora Schmidt ist Teil der deutschen Comicszene. Ihre Ausbildung machte sie in einem Comicbuchladen in Duisburg. Sie bezeichnet sich als "Nerd", - comicverrückt eben - und trägt gerne Batman-Shirts. "Comics kann man nur verkaufen, wenn man aus der Welt der Comics kommt", erzählte die gelernte Einzelhandelskauffrau. "Manche Fans wollen wissen, wie ich zum Beispiel den Film Suicide-Squad finde, der gerade im Kino lief. "Erst dann fragen sie nach einem Comic, den sie lesen wollen." Weil sie nichts lieber macht, als sich bunten Zeichnungen anzuschauen und die entsprechenden Texte zu lesen, eröffnete sie im Mai zusammen mit Dirk Philipeit den Comicladen "Evermore". Sie ist sozusagen das Herz des Geschäftes, das in einem Ladenlokal im Fußgängerbereich der Moerser Straße liegt, in dem der Schuhanzieher op de Hipt jahrzehntelang Schuhe verkaufte.

"Die Zahl der Comicfans wächst", prognostiziert die Ein- und Verkäuferin. "Deshalb haben Comicläden eine gute Perspektive." Das sieht Dirk Philipeit genauso. Der 52-Jährige, der in der Gastronomie und im Transportwesen selbstständig war, ist sozusagen der Kopf von "Evermore". Er finanzierte den Aufbau des Geschäftes. "Ich brauchte keinen Kredit von einer Bank", erzählt der Inhaber. "Den hätte ich mit der Geschäftsidee Comicladen wahrscheinlich auch nicht bekommen. Wie hätte ich Umsatzzahlen prognostizieren können?"

Er verließ sich auf seinen Riecher und den von Nora Schmidt. "Im Internet können Comicfans nur das Cover sehen", analysiert er das Kaufverhalten der Kunden. "Sie wollen aber blättern, bevor sie kaufen. Das können sie bei uns. Zudem ist der Preis gleich, weil die Buchpreisbindung gilt."

Zuerst hatte er "Evermore" in Moers eröffnen wollen, weil es in der Grafenstadt viele Comicfans gibt. "Aber ich habe kein passendes Ladenlokal in der Fußgängerzone gefunden", blickt er zurück. "Das war in Kamp-Lintfort anders." So fahren jetzt Comicfans aus der Grafen- in die Hochschulstadt, wobei auch Rheinberger oder Kamp-Lintforter im "Evermore" auf 190 Quadratmetern Comics oder Comicaccessoire suchen.

Das werden sie auch heute und morgen machen, wenn Steve Scott und Mark Texeira erneut im "Evermore" zeichnen und malen, wobei sie an einem Tag nur ein, zwei oder drei Werke vollenden. "Ein Teil davon sind Auftragsarbeiten, die Fans bei ihnen bestellt haben", verriet am Dienstag Rudi Bimmel. "Zum Beispiel dieser Flash hier, der der Serie Flash seinen Namen gab."

Quelle: RP
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