| 00.00 Uhr

Kreis Viersen
Ackern für den Vogelschutz

Kreis Viersen: Ackern für den Vogelschutz
Verplante Landschaft in Kaldenkirchen. Die Spargelfelder werden mit Folien abgedeckt, damit sich der Boden früher erwärmt und die Entwicklung der Pflanzen beschleunigt. Vögel und andere Tiere verlieren dadurch ihre Lebensräume und Brutmöglichkeiten. FOTO: Busch/Fotos (2): DPA/HALDER
Kreis Viersen. Die intensive Landwirtschaft verdrängt immer mehr Tiere. Bodenbrüter wie die Lerche oder der Kiebitz sind auch im Kreis Viersen bereits in ihrer Art bedroht. Der Landschaftsbeirat soll Konzepte und ihre Umsetzung kontrollieren. Von Ludger Peters

Die Spuren auf dem Acker im Brachter Stevensend waren deutlich. Ein Mensch mit großen Füßen und ein Kind waren über das frisch bestellte Feld gegangen. Zielstrebig führten die Fußspuren fast in die Mitte des Ackers, wo eine Fläche nicht bearbeitet worden war. Der Bauer war nicht unordentlich, sondern hatte das Gelege eines Kiebitz-Paares umgangen. Die großen und kleinen Füße ließen darauf schließen, dass der Bauer seinem Kind das Gelege gezeigt hatte.

Der Kiebitz gehört wie die Feldlerche, das Rebhuhn oder der Steinkauz zu den Verlierern einer Entwicklung, für die sich nicht allein die Landwirtschaft verantwortlich fühlt. Der Produktionsdruck ist enorm. Um zu retten, was noch vorhanden ist, hat das Umweltministerium des Landes mit der Landwirtschaftskammer und den Bauernverbänden einen Rahmenvertrag geschlossen. Der Landschaftsbeirat soll Konzepte und Umsetzungen verabreden und kontrollieren.

Es gibt seit knapp drei Jahren den verbindlichen Leitfaden zum "Artenschutz in der Landwirtschaft". Landwirte und Naturschützer sind sich einig, dass gefährdete Tier- und Pflanzenarten nicht endgültig verschwinden dürfen. Beobachtungen der Biologischen Station Krickenbecker Seen sind beunruhigend. Die Rohrweihe und das Schwarzkehlchen gibt es nur in Naturschutzgebieten. Der Gesang der Feldlerche hoch am Himmel droht zu verstummen. Biologen haben einen Rückgang des Vogels von 85 Prozent in knapp 15 Jahren festgestellt. Zwischen 2002 und 2014 hat sich der Kiebitz-Bestand halbiert, Rebhuhn und Steinkauz verloren annähernd ein Drittel ihres Bestandes.

Die untere Landschaftsbehörde sieht sich darin bestätigt, dass "vor allem innerhalb der landwirtschaftlich genutzten Feldflur auch im Kreis Viersen gezielte, lebensraum-erhaltende Maßnahmen erforderlich sind und diese nicht nur auf besondere Schutzgebiete begrenzt sein dürfen". Paul-Christian Küskens, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, unterstrich die Bereitschaft seiner Berufskollegen, sich zu beteiligen. Allerdings lasse sich sein Berufsstand nicht den Schwarzen Peter unterschieben. "Wenn wir Bodenbrütern wie dem Kiebitz Raum lassen, machen sich Krähen über die Gelege her", hat er beobachtet. Krähenvögel seien sehr intelligent. "Die wissen genau, warum wir Flächen frei halten", berichtete Küskens. Naturschützerin Silvia Peerenboom hat aber festgestellt, dass Landwirte Brutmöglichkeiten zerstörten. "Die schnelle Folge der Feldbearbeitung lässt Vögeln keine Chance", klagte sie. Eine Chance sehen Bauern und Naturschützer im "Greening". Dafür müssen Landwirte EU-Direktzahlungen beantragen und drei Vorgaben erfüllen: Erhalt von Dauergrünland, Bereitstellung von mindestens fünf Prozent Ökologischer Vorrangflächen (ÖVF) auf der Ackerfläche und vielseitiger Anbau von Feldfrüchten. Aber: Der bürokratische Aufwand sei beträchtlich und nicht mit anderen Antragsfristen abgestimmt, klagen die Landwirte.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kreis Viersen: Ackern für den Vogelschutz


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.