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Stadt Kempen
Aktion: Mit Handicap in der Stadt unterwegs

Stadt Kempen: Aktion: Mit Handicap in der Stadt unterwegs
Schüler der Kempener Gesamtschule starteten gestern auf dem Buttermarkt zu einer "Handicap-Tour" durch die Stadt. FOTO: Kaiser
Stadt Kempen. Schüler der Kempener Gesamtschule absolvierten gestern ein sogenanntes Mobilitätstraining.

Damals las die Klasse 5 c der Kempener Gesamtschule das Kinderbuch "Die Vorstadtkrokodile", in dem auch ein Junge im Rollstuhl sitzt. Das Buch war vor etwa einem Jahr für die Klasse der Anstoß, einmal Schulgebäude und -hof zu erforschen, wie man den Alltag für Gehandicapte verbessern kann. So wurden dann auch danach kleinere Bodenunebenheiten auf dem Schulhof beseitigt oder Rampen an einigen Eingängen gebaut. Gestern schauten sich die Elf- bis Zwölfjährigen, die jetzt in der 6 c sind, einmal in Kempen um.

Schulleiter Uwe Hötter war auf das junge Viersener Unternehmen "XPad" aufmerksam geworden, das unter dem Oberbegriff der "Erlebnispädagogik" besondere Klassenfahrten, Wandertage und andere besondere Erlebnisse organisiert. In Kooperation mit dem Kinderschutzbund Kempen wurde daraus jetzt ein Mobilitätstraining, bei dem die Kinder gestern von ihren Klassenkameraden in Rollstühlen durch die Thomasstadt gefahren oder mit schwarzen Brillen oder mit Kopfhörern blind und taub gemacht wurden. "Wir wollen dadurch die Probleme deutlich machen, die die Gehandicapten bei ihren Spaziergängen, beim Einkauf oder bei einer Busfahrt haben", erzählten die XPad-Mitarbeiter Sara Bäckler und Marius Kingen.

Die meisten der 28 Schüler und Schülerinnen, die gestern Morgen mit ihren Klassenlehrern Kathrin Jansen und Markus Pricken zum Buttermarkt kamen, wollten im Rollstuhl geschoben werden. Einen der Sitzplätze bekam aber zunächst die zwölfjährige Leonie. Sie benutzte Gehhilfen, nachdem sich Leonie kurz vor den Sommerferien beim Sturz von ihrem Pferd das rechte Sprunggelenk gebrochen hatte. "Ich bin froh, wenn ich bald wieder normal gehen kann", sagte die Schülerin. Sara Bäckler und Marius Kingen stellten Zweier- und Dreier-Teams zusammen. "Ihr geht mit eurem Rollstuhl in einen Schuhladen und wollt ein paar Schuhe ausprobieren", sagte Marius zu Lia und Lea. "Und wer ein Schoko-Ticket hat, fährt im Rolli eine Kurzstrecke mit dem Bus", meinte Sara. Andere Teams suchten eine öffentliche Toilette, sollten Briefmarken kaufen, versuchten blind über das Kopfsteinpflaster zu kommen oder fragten taub Passanten nach dem Weg zur Judenstraße. Andere Schüler, so Tom oder Amelie, brauchten ebenfalls Hilfe: Ihr Rollstuhl war umgefallen und musste wieder aufgestellt werden. "Alleine hätte ich den Einkauf nie geschafft, ich brauchte Hilfe, um zum Beispiel im SB-Markt an das obere Regal zu kommen", erzählte hinterher Kimberly. "Es wäre schön gewesen, wenn uns noch mehr Menschen geholfen hätten, einige haben nur bedauernd geguckt", erzählte ein Zwölfjähriger.

Auf dem Buttermarkt musste zum Abschluss noch ein kleiner Parcours mit dem Rollstuhl im Slalom durchfahren werden oder es musste versucht werden, einfache Dinge vom Boden aufzuheben.

Bis zum Nachmittag waren die Gesamtschüler beschäftigt. "Eine gute und nachahmenswerte Sache", kommentierte das Vorstandsmitglied des Kempener Kinderschutzbundes, Martin Beyel, die Aktion.

(schö)
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