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Kempen
Ali hofft auf eine Zukunft in Nettetal

Kempen. Der Asylbewerber aus Afghanistan absolviert ein Jahrespraktikum im Autohaus Tendyck in Lobberich. Sein Chef sieht für Flüchtlinge mit guten Deutschkenntnissen durchaus Perspektiven in der Kfz-Branche. Von Joachim Burghardt

Nach Arbeit sieht er aus, Ölflecken auf der Kleidung, kräftig die Hände. "Ja, ich arbeite gern hier", sagt Ali, lächelt kurz und werkelt weiter im Motor eines Wagens in der Werkstatt des Autohauses Tendyck in Lobberich. Dass der junge Mann aus Afghanistan hier eine Beschäftigung gefunden hat, sei für einen Flüchtling wie ihn ein Glücksfall, meint er. Seit 2014 ist er in Deutschland und er hat mit Fleiß und Beharrlichkeit selbst dazu beigetragen, dass er nun hierzulande eine Perspektive hat.

"Deutsch ist als Sprache schwierig, vor allem die Grammatik", gibt Ali zwar zu. Aber dabei spricht er fließend, kaum ein Akzent, lediglich die harten Konsonanten klingen etwas weich. Vergangenes Jahr wäre eine Unterhaltung auf Deutsch mit ihm kaum möglich gewesen, doch Ali hat gelernt, gebüffelt, sich reingekniet, wohl wissend: "Integration und Sprache gehören zusammen." Über sein Leben hier erzählt er lieber als über seine frühere Heimat, in der er schon in einer Kfz-Werkstatt arbeitete.

Ali Mohammadi, 20 Jahre alt, floh aus Afghanistan, nennt "Krieg und Terror" als Grund. Für einen Moment schließt er die dunklen Augen, senkt den Kopf, hält inne. Kurzes Durchatmen, nein, über Privates wie Familie, Religion, Lebensumstände dort solle besser nichts in der Zeitung stehen. Vielleicht zu gefährlich für seine Verwandten in Afghanistan, die seine Flucht unterstützten, doch sie konnten nicht alle fliehen. Mittlerweile wohnt Ali bei einer Nettetaler Familie, sein Asylantrag läuft. Mit anderen Flüchtlingen lernte er im Sprachkursus in Lobberich Deutsch, fand Menschen im Verein Flüchtlingshilfe Nettetal, die ihm halfen, Kontakte vermittelten. Er geht nun zum Rhein-Maas-Berufskolleg in Tönisvorst, macht sein "unterrichtsbegleitendes Jahrespraktikum" derzeit bei Tendyck. "Ali macht sich wirklich gut, ist sehr fleißig", lobt Geschäftsführer Richard Tendyck. Dass ein Asylbewerber bei ihm arbeitet, sei für sein Unternehmen mit vier Niederlassungen nichts Außergewöhnliches: "Entscheidend ist nicht, woher jemand kommt, sondern dass er die Sprache kann, dass er Deutsch spricht." Da gehe Ali mit gutem Beispiel voran. Als Obermeister der Kfz-Innung im Kreis Viersen weiß Tendyck um die Probleme seiner Branche, guten Nachwuchs als Kfz-Mechatroniker zu bekommen: "Langfristig ist es sowohl eine Sache der Integration, Flüchtlinge einzustellen, als auch von Vorteil für unsere Betriebe." Allerdings, wiederholt Tendyck, "immer unter der Voraussetzung, dass jemand Deutsch spricht".

Wegen seiner guten Deutschkenntnisse, weil er "geschickt und höflich" sei, kann sich Tendyck "nach dem Praktikum durchaus einen Ausbildungsplatz für Ali" vorstellen. Zunächst indes ist er nur einen Tag in der Woche im Betrieb, an den anderen Tagen geht er zum Berufskolleg und hofft, dass sein "Asylantrag bewilligt" wird: "Ich würde gerne hier eine Ausbildung machen, die Kollegen sind sehr nett."

Außerhalb von Betrieb und Schule hat Ali sich schon eingelebt in Nettetal, wo es "so schön ruhig" sei: Freunde, Fußball in der Freizeit, Träume von einem "normalen Leben" mit Beruf, eigener Familie. Und vielleicht einmal ein eigenes Auto fahren, Ali schaut sich um im Verkaufsraum von Tendyck und lacht: "Am liebsten einen von denen."

Quelle: RP
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