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Stadt Kempen
Alle sechs Brandenburgischen auf einmal

Stadt Kempen. In der Reihe "musica antica e viva" spielte das Kölner Kammerorchester "L'arte del mondo" an einem Abend Bachs sechs Brandenburgische Konzerte. Diese seltene Gelegenheit nutzten die Kempener: Die Paterskirche war ausverkauft. Von Gert Holtmeyer

Nur sehr selten werden alle sechs Brandenburgischen Konzerte an einem Abend aufgeführt. "Besondere Abende", erläuterte Peter Landmann, der künstlerische Leiter von "Kempen Klassik", "erfordern eine besondere Regie". Zwei Pausen wurden angesetzt, eine davon für ein Interview mit Werner Erhardt, dem Leiter des Kölner Kammerorchesters "L'arte del mondo". Der erläuterte nicht nur die Prinzipien der historisch orientierten Aufführungspraxis, sondern konnte auch erklären, warum ein Konzert wie das vierte der Reihe "musica antica e viva" in der ausverkauften Paterskirche Seltenheitswert hat. Da man für jedes Konzert eine andere Besetzung benötigt, wird es teuer. Außerdem wird die Organisation der Proben schwierig. Und außerdem: jeder Mitspieler muss ein sattelfester Solist sein.

Frisch und munter klang der Beginn, wenn auch nicht immer ganz sauber. "Das ist bei den Hörnern alter Bauart nicht anders möglich", benannte Erhardt die Ursache. Die Spieler traf keine Schuld; auf heutigen Instrumenten können sie mit Hilfe von Ventilen eine ganz andere Präzision erreichen. Aber die alten Instrumente klingen originell und immer etwas anders, was den Klang lebendig und abwechslungsreich macht.

Lebendig und abwechslungsreich war der ganze Abend. Dass mit Johann Sebastian Bach nur ein Komponist auf dem Programm stand, tat dem keinen Abbruch. Nicht nur von der Instrumentierung, auch vom Charakter her ist jedes Konzert ganz anders konzipiert. Gespielt wurde mit einem erfrischenden Temperament, da konnte keine Langeweile aufkommen.

Fragen lässt sich natürlich, ob die schnellen Sätze wirklich so schnell wie hier gespielt werden müssen. Nach heute weit verbreiteter Auffassung wurde seinerzeit so schnell gespielt. Das mag stimmen oder nicht. Bei einem Komponisten der Qualität eines Johann Sebastian Bachs bleiben dann manche Feinheiten schon einmal auf der Strecke. Trotzdem: Es war ein großartiges, packendes Konzert. Werner Erhardt agierte mal als Dirigent, mal als Violinsolist und mal als Konzertmeister, der andere Geiger die Soli (ebenfalls tadellos) spielen ließ.

Alle Solopartien waren hervorragend besetzt, ob des sich um die Streicher, die Holzbläser, die Trompeterin Laura Vukobratoviæ oder den Cembalisten Massimiliano Toni handelte. Nicht alle Solisten können hier genannt werden, aber doch ein Name stellvertretend. "Wenn man schon an den Niederrhein kommt", so Werner Erhardt schmunzelnd, "dann soll man auch die örtlichen Koryphäen berücksichtigen". Gemeint war die vorzügliche Solo-Oboistin Clara Geuchen.

Die begeisterten Zuhörer dankten mit langem, herzlichen Beifall.

Quelle: RP
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