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Kreis Viersen
Alltag in der Chinesischschule

Kreis Viersen: Alltag in der Chinesischschule
Die 15-Jährige Vivien Li lernt chinesische Schriftzeichen. FOTO: samla.de
Kreis Viersen. Die 15-jährige Vivien Li und ihr Bruder sind in Krefeld geboren. Jetzt lernt sie jeden Samstag in einer Chinesischschule die komplizierte Sprache, damit sie ihre Großeltern verstehen lernt und sich für eine berufliche Zukunft präpariert. Von Vivien Li

"Zao shang hao, lao shi!" So fängt mein Vormittag jeden Samstag um 10.15 Uhr an. Besser gesagt mein Vormittag in der Chinesischschule "Ming de" im Berufskolleg Glockenspitz.

Mein Name ist Vivien Li und ich bin 15 Jahre alt. Seit ich neun Jahre alt bin, gehe ich in die Chinesischschule "Ming de", und von da an wurde "Chinesisch" mein ständiger Begleiter. In der Chinesischschule lerne ich nicht nur die Sprache "Chinesisch", ich komme auch mit der chinesischen Kultur in Kontakt: von chinesischen Feiertagen bis zur typischen Esskultur.

Meine Eltern kommen beide aus China, meine Mutter stammt aus Wen Zhou und mein Vater aus Shen Zheng, einer Stadt in der Nähe von Hongkong. Meine Mutter ist 1990 aus China nach Deutschland ausgewandert, in der Hoffnung hier eine bessere Zukunft aufzubauen. Sie hat eine Zeit lang in den Niederlanden gelebt, weil sie dort in chinesischen Restaurants tätig war. Dort hat sie schließlich meinen Vater kennengelernt. Anschließend sind sie nach Krefeld umgezogen, wo mein Bruder und ich auch geboren wurden und noch immer leben.

Das Läuten einer Handglocke durch einen Lehrer kündigt den Unterricht um 10.15 Uhr an. Meist gibt es noch Spätzünder, die aufgrund der langen Fahrzeit unpünktlich sind und durch die leeren Flure eilen. Die Schüler kommen aus unterschiedlichen Teilen von Krefeld und aus der Region um die Stadt herum. Sie alle investieren ihre Freizeit an Samstagvormittagen, um ihrer Sprache und Kultur etwas näherzukommen. Jeder Unterricht ist individuell gestaltet, jedoch verfolgen wir einen groben Lehrplan.

Im Unterricht nutzen wir ein chinesisches Lehrbuch namens "chu zhong ban", das uns den Unterrichtstoff angibt.

Es stehen sowohl Kurzgeschichten, Sachtexte als auch chinesische Gedichte und Legenden auf dem Lehrplan. Ein populäres chinesisches Gedicht ist zum Beispiel "Jing ye si" (Gedanken einer ruhigen Nacht), das von Li Bai, einem berühmten chinesischen Dichter der Tang-Dynasty, verfasst wurde. Der Fokus in den Unterrichtsstunden liegt jeweils auf einen bestimmten Text, der wöchentlich wechselt. Zunächst lesen wir den Text, um einen groben Überblick über das Thema zu bekommen, anschließend klären wir die Bedeutung und Aussprache einiger Wörter auf.

Übungsaufgaben und Fragen zum Text intensivieren die Auseinandersetzung mit dem Text. Zusätzlich wird uns Schülern ein Buch voll mit Aufgaben bereitgestellt, die dem chinesischen Lehrbuch angepasst wurden. Diese dienen als Hausaufgabe für die nächste Woche und meist wird von uns auch eine Zusammenfassung des Textes gefordert.

Meine Motivation für den Chinesischunterricht jeden Samstag beziehe ich nicht nur aus meinem Ehrgeiz. Meine Eltern waren diejenigen, die mich zum Chinesischunterricht geschickt und mich auch dazu weiter angetrieben haben.

Am Anfang habe ich den Sinn der Chinesischschule nicht verstanden, und ich begegnete den Samstagvormittag immer mit einer unglücklichen und trotzigen Haltung. Im Laufe der Jahre wurde mir dann die Wichtigkeit des Chinesischlernens bewusst. Jetzt spielen auch andere Beweggründe eine wichtige Rolle.

Meine Wurzeln liegen schließlich in China, und deshalb will ich das Heimatland meiner Vorfahren besser kennenlernen. Zudem leben viele meiner Verwandten in China, unter anderem meine Großeltern, und damit ein kommunikativer Austausch überhaupt möglich ist, ist das Chinesischlernen notwendig. China ist außerdem ein faszinierendes Land, das viele Facetten im Bereich der Sprache und Kultur aufweist.

Ansonsten hat das Beherrschen der Sprache Chinesisch nicht nur im privaten, sondern auch im beruflichen Bereich Vorteile.

Momentan ist China eine aufsteigende Wirtschaftsmacht, somit stehen viele Länder wie Amerika oder auch Deutschland in einer wirtschaftlichen Beziehung. Die Tatsache, dass man Chinesisch sprechen kann, wirkt sich in zukünftige Bewerbungen bei Firmen sehr positiv aus.

Das chinesische Zertifikat ist das HSK, dass ich nächstes Jahr belegen werde. Es handelt sich dabei um eine chinesische Prüfung, die sich aus drei Teilen zusammensetzt: einem schriftlichen Teil, einer Leseverstehensaufgabe und einer Höraufgabe. Unsere Klasse wird die höchste Stufe machen - was meinen Ehrgeiz anregt. Nach dieser Prüfung werde ich aufgrund des Abis nicht mehr in die Chinesischschule gehen, jedoch werde ich weiterhin an meinem Chinesisch arbeiten und hoffe, dass ich es nicht verlerne.

Quelle: RP
 
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