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Gemeinde Grefrath
Am Anfang stand ein Teddybär

Gemeinde Grefrath: Am Anfang stand ein Teddybär
Alte Puppen dürfen in einem Spielzeugmuseum nicht fehlen. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)
Gemeinde Grefrath. Nostalgiegefühle und Erinnerungen weckt das Spielzeugmuseum des Freilichtmuseums. In der ehemaligen Scheune der Dorenburg können die Besucher auf Entdeckungsreise gehen. Von Bianca Treffer

Klein und hellbraun ist er, große runde Augen zieren sein freundliches Gesicht. Wenn er erzählen könnte, dann würde es eine lange Geschichte werden, denn erlebt hat er viel. Ein wenig berichtet der Teddybär aber dennoch und zwar über eine Objektkarte, die neben ihm in der Vitrine steht und verdeutlicht, was ihn ausmacht. "Dieser Bär ist etwas ganz besonderes. Nicht nur, dass er aus dem Jahr 1930 stammt. Er ist zudem der Begründer unserer Sammlung im Spielzeugmuseum", sagt Kevin Gröwig. Besagter Bär war 1939 das Geburtstagsgeschenk von Margarete Hoffmann, die damals fünf Jahre alt wurde.

Das Plüschtier war ein wenig später das einzige Spielzeug, das das Mädchen auf der Flucht mitnahm. Und anhand dieses Stückes baute ihr Sohn Wolfgang Hoffmann die heute so bekannte Sammlung im Spielzeugmuseum des Niederrheinischen Freilichtmuseums auf. "Der Bär verdeutlicht die Wichtigkeit des Spielens. Gespielt wurde immer, sogar in den Kriegsjahren", bemerkt Gröwig und deutet auf die aus Lumpen und Lederresten genähten Stofftiere, die während des Krieges entstanden und die heute ebenfalls im Museum zu sehen sind.

Am Spielen habe sich über die Jahrhunderte nicht viel verändert. Nur das Material habe sich verändert, fügt der kommissarische Museumsleiter an. Die Spielarten als solche sind gleich geblieben. Eine Tatsache, die das Spielzeugmuseum auf drei Etagen eindrucksvoll verdeutlicht. Da steht der Tante-Emma-Laden aus den 50er Jahren neben der Playmobil-Variante aus dem Jahr 2000. Zwei auf den ersten Blick völlig verschiedene Gegenstände, aber es geht um das Gleiche. "Die Kinder spielen Einkaufen", sagt Gröwig.

Beim Baukasten handelt es sich um das gleiche Phänomen. Ob die Variante aus Holz, Steinfaser, Metall oder Plastik in Form von Lego, mit allen wurde und wird gebaut. In den großen Glasvitrinen kann der Besucher diese Zeitreise bei den einzelnen Spielbereichen wie Rollen-, Glücks- und Wettkampfspielen immer wieder erleben. Altes steht neben Modernem und verdeutlicht eine Entwicklung.

Das Spielen an sich steht im Museum im Mittelpunkt. Es gibt keine Sortierung der 700 Exponate nach Epochen und Material, sondern das Konzept beschäftigt sich mit dem "Warum" und "Wie man spielt". Der Themenbereich Spielzeug und Propaganda stellt das Museum ebenso vor wie den relativ neuen Bereich Computerspiele. Ein Highlight ist die Eisenbahnanlage, die den kompletten Dachraum des Spielzeugmuseums einnimmt. "Hier stehen Großvater und Enkel mit glänzenden Augen nebeneinander. Spielzeug verbindet nämlich auch Generationen", bemerkt Gröwig. Die Sätze "Das kenn ich" und "Das hatte ich auch" sind die meistgehörtesten Wortkombinationen in der einstigen Scheune.

Der alte Tretroller ruft genauso Erinnerungen wach wie die Porzellanpuppe oder das Angelspiel aus Pappe. Spielzeug ist unabdingbar mit Emotionen und Nostalgie verknüpft. Ein jeder findet etwas, das ihn besonders berührt. "Es gibt wohl niemanden, der daheim nichts mehr von seinem alten Spielzeug hat. Es gibt immer wieder Dinge, die eine ganz besondere Geschichte erzählen und zu denen man eine spezielle Binding aufgebaut hat", ist sich Gröwig sicher.

Der Faszination Spielzeug kann sich keiner entziehen. Sich selbst wieder als Kind fühlen und Hinkekästchen auf den Asphalt malen, ist im Spielzeugmuseum ebenso möglich. Es gibt eigens einen entsprechend eingerichteten Bereich dafür. Kinder haben besonderen Spaß an der Geheimschrift, die nur mit dem roten Streifen gelesen werden kann. "Jedes Kind erhält einen solchen Streifen an der Kasse. Die Texte für die Kinder sind mit roten Punkten überdeckt. Legt man die Folie darüber, verschwinden die Punkte und der Text wird lesbar. Wobei die Infotafeln für die Kinder zusätzliche Infos zu denen der Erwachsenen aufweisen", informiert Gröwig.

Die ältesten Stücke im Museum stammen übrigens aus dem Jahr 1880 und 1899. Es handelt sich um ein Papiertheater und Automatenpuppen. Etwas, das Besucher vielleicht noch aus Erzählungen ihrer Urgroßeltern kennen. "Spielzeug ist ein Spiegel der Zeit", bemerkt Gröwig. Und in genau diesen Spiegel kann der Besucher im Spielzeugmuseum in aller Ruhe blicken.

Quelle: RP
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