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Gemeinde Grefrath
Am Tag danach: Freude und Enttäuschung

Gemeinde Grefrath: Am Tag danach: Freude und Enttäuschung
Die Freude nach dem großen Triumph: Bürgermeister Manfred Lommetz feierte Sonntagabend mit Besuchern im Rathaus seine Wiederwahl. FOTO: wolfgang kaiser
Gemeinde Grefrath. Manfred Lommetz freut sich, dass so viele Grefrather ihm und seine Arbeit vertrauen. Die beiden Gegenkandidaten sind enttäuscht, bereuen es aber nicht, zur Wahl angetreten zu sein. Ex-Ratsherr Raeth übt scharfe Kritik an der CDU. Von Heiner Deckers

Das Ergebnis der Bürgermeisterwahlen war auch gestern in Grefrath noch in aller Munde. Dass Manfred Lommetz erneut gewählt wurde, war keine Überraschung. Niemand jedoch hat damit gerechnet, dass am Ende unter dem Strich sagenhafte 73,86 Prozent stehen. Er hat seine beiden Mitbewerber geradezu überrollt: Sozialamtsleiter Volkmar Josten kam auf 14,1 Prozent, die CDU-Vorsitzende Kirsten Peters gerade einmal auf 12,04 Prozent.

Der alte und neue Bürgermeister Manfred Lommetz hat nach der Wahl in seinem Stammlokal zwei Stunden Freibier ausgegeben und seinen Erdrutschsieg gefeiert. Über die Höhe des Sieges war er auch gestern noch etwas überrascht, schränkte aber ein: "Ich hatte keine wirkliche Konkurrenz." Was sagt Lommetz zu der geringen Wahlbeteiligung? "Meine Wähler waren da, ich habe mehr Stimmen bekommen als bei der letzten Wahl." Stimmt: Sonntag waren es 4538, 2009 beim überraschenden Sieg gegen Herbert Kättner 4040. Daraus zog Lommetz den Schluss, dass die beiden anderen Kandidaten ihre Wähler nicht mobilisieren konnten, besonders die potenzielle CDU-Klientel sei daheim gebleben.

Bei Volkmar Josten war gestern bereits wieder der normale Arbeitsalltag eingekehrt: "Business as usual", antwortete er auf die Frage nach der Stimmung am Morgen danach. In Grefrath gebe es dringende Probleme zu lösen. Da sei es nicht an der Zeit, einer verlorenen Wahl hinterher zu trauern: "Die Grefrather haben sich so entschieden." Eine Analyse sei ebenso wenig angebracht wie eine Wählerschelte.

CDU-Vorsitzende Kirsten Peters hat nach dem für sie desaströsen Wahlergebnis am Sonntagabend mit Freunden noch eine Gläschen getrunken und nahm gestern Morgen Stellung zum Wahlergebnis: "Ich bin enttäuscht, das ist doch klar." Bereut sie es, sich für das Bürgermeisteramt beworben zu haben? "Nein, das war richtig", sagte sie entschieden. Schlimmer noch als ihr Ergebnis findet sie die schwache Wahlbeteiligung von nur 48,4 Prozent. "Nicht einmal die Hälfte hat entschieden, wer Bürgermeister in Grefrath sein soll." Das bestärke sie in ihrer Ansicht, dass die Wahlen von Bürgermeister und Gemeinderat künftig immer gleichzeitig stattfinden sollen.

Zu Wort meldete sich gestern auch der ehemalige CDU-Ratsherr Gerald Raeth. Das katastrophale Ergebnis für Kirsten Peters sei die Quintessenz für die sich seit Jahren abzeichnende negative Entwicklung der CDU Grefrath. "Es fehlen Ideen, Visionen und vor allem Zusammenhalt, was für die Erreichung gesteckter Ziele notwendig ist", schrieb Raeth. Die Konzentration auf Personen sei kein tragfähiges Konzept mehr, Aufgabenteilung im Team sei notwendiger denn je. Es sei Zeit, sich personell neu aufzustellen und eine Galionsfigur für die nächste Bürgermeisterwahl aufzubauen.

Bei der Wahl und der Auszählung der Stimmen habe es keine besonderen Vorkommnisse gegeben, sagte gestern Grefraths Presssprecher Hans-Jürgen Perret. Die Auszählung habe länger gedauert, weil man für die Wahl die Anzahl der Stimmbezirke von 17 auf acht verringert habe. Dadurch sei schlicht und ergreifend mehr zu zählen gewesen. Den Tag über habe es bei der Übermittlung der Zahlen in Sachen Wahlbeteiligung Probleme mit dem Server gegeben, die seien aber am Abend längst behoben gewesen. Alles habe funktioniert.

Wirft man einen Blick auf die Ergebnisse in den Stimmbezirken, stellt man fest, dass Manfred Lommetz im Bezirk "Gemeindewerke" mit 80,2 Prozent den größten Triumph feierte. Am "schlechtesten" war er im "Kindergarten St. Heinrich" mit 65,1 Prozent. Volkmar Josten schnitt im "Schulzentrum Oedt" mit 21 Prozent am besten ab, bei den "Gemeindewerken" kam er gerade einmal auf 6,5 Prozent. Kirsten Peters schnitt im "Kindergarten St. Heinrich" mit 18,5 Prozent am besten ab, knüppeldick kam es für sie im "Schulzentrum Oedt" mit nur knapp 9 Prozent.

Quelle: RP
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