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Kreis Viersen
Ameisen halten den Wald in Schuss

Kreis Viersen: Ameisen halten den Wald in Schuss
Heinz van den Brock aus Willich ist Ameisenschutzwart für den Kreis Viersen. Hier untersucht er einen Ameisenhügel im Kaldenkirchener Grenzwald. FOTO: JOBU
Kreis Viersen. Heinz van den Brock ist Ameisenschutzwart für den Kreis Viersen. Der Naturschützer kartiert die Hügel der Insekten. Von Joachim Burghardt

Großes Aufgebot für kleine Mitgeschöpfe: Aus ganz Deutschland kamen kürzlich Naturschützer nach Lobberich, die sich besonders um diese kaum einen Zentimeter großen Insekten kümmern, welche in Millionenstärke helfen, unsere Wälder in Schuss zu halten: Waldameisen. Es fand die Bundesversammlung der Ameisenschutzwarte statt. "Wir kartieren Nester, siedeln sie notfalls um, klären auf ", sagt Heinz van den Brock, Ameisenschutzwart für den Kreis Viersen, bei einem Rundgang durch ein ameisenreiches Revier - den Kaldenkirchener Grenzwald.

Dort kniet van den Brock in der Abenddämmerung vor einem kleinen Hügel aus Kiefernnadeln und Laub, legt sacht die rechte Hand auf das kunstvolle Gebilde, und schon krabbelt eine Ameise auf seinen Handrücken. Mit der Linken greift er sie behutsam, hält sie mit Daumen und Zeigefinger vorsichtig fest und lächelt: "Wie schön, eine Kerbameise, die war mal Insekt des Jahres." Dann führt der Fachmann aus, dass alle über 100 Waldameisen-Arten zu den Schuppenameisen gehören, sehr nützlich und streng geschützt sind. Das mutwillige Zerstören eines Nestes könne empfindliche Strafen nach sich ziehen.

"Dieses kleine, vielleicht 80 Zentimeter große Nest ist das Zuhause für etwa eine Viertelmillion Ameisen. Ein großes Nest kann auch über eine Millionen Tier beherbergen", weiß van den Brock. Solche Nester, auch Ameisenhaufen genannt, gibt es viele im Grenzwald. Vor einigen Jahren waren es mehr als 1600, doch durch das letzte Erdbeben im Raum Roermond seien nach Erkenntnissen von Geologen Edelgase durch Erdspalten ausgetreten, haben die Populationen von rund 400 Nestern zerstört. "Mittlerweile haben wir wieder etwa 1550 kartiert", so van den Brock.

Mit Wissenschaftlern tauschen Ameisenschutzwarte Erkenntnisse aus. Seit 15 Jahren ist van den Brock Ameisenschutzwart, betreut von Willich aus den Kreis Viersen, schließt sich auch mit niederländischen Kollegen kurz. "Seit dem Biologieunterricht in der Schule war ich von Ameisen fasziniert. Irgendwann hat's mich dann gepackt, im Naturschutz aktiv zu werden, habe entsprechende Lehrgänge mitgemacht", erzählt der 68-Jährige. Ameisenheger arbeiten oft mit den Unteren Landschaftsbehörden, Biologischen Stationen, Förstern und dem Naturschutzbund (Nabu) zusammen. Van den Brock klärt zudem mit Infostand und Formicarium, einem Ameisen-Terrarium, bei Veranstaltungen auf, etwa im Freilichtmuseum in Grefrath.

"Sehr aufwendig ist das Umsiedeln von Nestern", nennt er eine seiner Hauptaufgaben. Wenn Waldameisen sich etwa auf einem Kindergarten-Gelände ansiedeln, muss der Schutzwart her: "Tiere und Menschen stören sich gegenseitig, keinem geht's dabei gut", erklärt er. Die Umsiedlung kann sich über Wochen hinziehen. Von oben beginnend wird immer wieder ein Teil des Nestes abgetragen und weiter weg angesiedelt, bis nach und nach die Population mit der Königin, bei machen Arten auch mit mehreren Königinnen, nach oben kommt und weggebracht werden kann: "So ein Nest kann bis zu zwei Meter tief in die Erde reichen."

Durch die vielen Wohnungen und Gänge im Erdreich lockern die Ameisen den Waldboden auf. Sie vertilgen Schadinsekten, und was sie an Nahrungsresten oder Leichenteilen auf ihren so genannten Friedhöfen aussortieren, dient anderen Pflanzen und Tieren als Lebensgrundlage. "Durch spezielle Luftaufnahmen entdeckt man im Wald grüne Inseln mit besonderem Artenreichtum. Das sind die Bereiche um die Ameisennester", so van den Brock. Er erzählt begeistert vom Sozialverhalten der Waldameisen, ihrem ausgeklügelten Wohnungsbau mit Öffnungen Richtung Südosten, von ihrer Schwarmintelligenz, davon, dass Königinnen mehrere Jahrzehnte alt werden können. Die hübsche Kerbameise übrigens hat er längst wieder freigelassen. Und um ihr Nest ein bisschen Zucker gestreut: "Etwas Kohlenhydrate für die Ameisen - zum Ausgleich dafür, dass ich sie gestört habe."

Quelle: RP
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