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Nettetal
Ankunft der Flüchtlinge bewältigt

Nettetal: Ankunft der Flüchtlinge bewältigt
Nettetals Bürgermeister Christian Wagner (Mitte) begrüßte die Flüchtlinge, die jetzt in der ehemaligen Hauptschule in Lobberich untergebracht sind. FOTO: KN
Nettetal. 153 Menschen aus vielen unterschiedlichen Nationen sind jetzt in der früheren Hauptschule am Ingenhovenweg in Lobberich untergebracht. Sie wurden untersucht, registriert und mit Essen versorgt. Viele waren völlig erschöpft. Von Ludger Peters

Zwischen 18 und 19.15 Uhr erreichten am Dienstagabend drei Busse die ehemalige Hauptschule am Ingenhovenweg in Lobberich. Sie brachten 153 Flüchtlinge, denen die Stadt Nettetal Unterkunft gewähren muss. Zuvor hatten die Hilfsorganisationen unter Leitung vom DRK-Bereitschaftsleiter Torsten Zerres den Ablauf für die Ankunft festgelegt. Wie verabredet warteten Ina Prümen-Schmitz, Leiterin des Fachbereiches Soziales der Stadt Nettetal, und ehrenamtliche Helfer, darunter acht Dolmetscher, ebenfalls auf die Ankömmlinge.

Vor dem Schulgebäude waren Getränke und Süßigkeiten bereitgestellt. "Wir wussten ja nicht, wie viele Familien und Einzelpersonen kommen würden. Darüber fehlten alle Informationen", berichtete Ros-witha Karallus gestern. Ehe die Flüchtlinge ihre Schlafräume in Klassenzimmern und Nebenräumen aufsuchten durften, mussten sie sich der ärztlichen Eingangsuntersuchung im Foyer unterziehen. Warme Mahlzeiten hielt das deutsche Rote Kreuz in der früheren Aula bereit, die als Mensa umfunktioniert worden war.

Da die Menschen in so kurzer Folge eingetroffen waren und die Untersuchungen für einen erheblichen Stau vor dem Eingang der früheren Schule sorgten, bauten Technisches Hilfswerk (THW) und DRK spontan eine weitere Versorgungsstelle auf. Sie versorgten die Wartenden dort mit Essen.

Gegen 23.30 Uhr waren alle Flüchtlinge untersucht und registriert sowie in Schlafräumen untergebracht. Als die Hilfskräfte sie noch einmal zusammenriefen, um in der Mensa Informationen zu vermitteln, waren viele so erschöpft, dass sie bereits schliefen oder später in der Mensa die Augen nicht mehr aufhalten konnten. Der Zugführer des DRK, Frank Genenger, begrüßte noch einmal gemeinsam mit Nettetals Bürgermeister Christian Wagner, dem Ersten Beigeordneten Armin Schönfelder und Torsten Zerres alle Flüchtlinge. Er informierte über einige Verhaltensregeln in der Unterkunft. "Die Menschen erfuhren, dass sie beispielsweise kein Wasser aus Leitungen abzapfen können, weil die vor einem Jahr außer Betrieb gesetzt worden waren. Wir hatten ja schon darauf hingewiesen, dass die Inbetriebnahme mehrere Wochen beansprucht, weil damit Beprobungen und Untersuchungen verbunden sind", so Karallus. Für die Menschen stehe aber Wasser in Flaschen bereit, das sie jederzeit nehmen könnten. Erläutert wurde den Menschen außerdem die Handhabung von Toiletten und die Bitte, die Nachtruhe einzuhalten oder auch darauf zu achten, dass die Nachbarschaft des Schulgebäudes nicht gestört werden sollte.

Im täglichen Zusammenleben sei ein respektvoller und friedlicher Umgang miteinander unumgänglich, unterstrich Genenger. Unter den Aufgenommenen seien auch Familien mit Kindern, auf die besonders Rücksicht genommen werden müsse. "Solange jeder diese Regeln beachte, kann diese Unterkunft ein vorübergehendes Zuhause für alle werden", sagte Genenger.

Dann endlich durften die Flüchtlinge ebenso wie die Hilfskräfte ihre wohlverdiente Nachtruhe antreten. In der Nachbesprechung am Abend waren sich bereits alle darin einig, dass die Ankunft und die damit verbundenen Aufgaben erfolgreich bewältigt worden war. Nur durch die Hilfsorganisationen, darunter das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser und das Technische Hilfswerk, die vielen Freiwilligen aus der Bürgerschaft und aus der Stadtverwaltung selbst sowie die ehrenamtlich arbeitenden Ärzte sei es möglich gewesen, die Unterbringung problemlos zu realisieren. "Ihnen gebührt mein besonderer Dank für das großartige Engagement", sagte Bürgermeister Wagner.

Nach Angaben der Stadt kommen sehr viele Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Bangladesh sowie aus mehreren afrikanischen Ländern. Genauere Angaben waren zunächst auch deswegen nicht möglich, weil so gut wie niemand Papier dabeihatte. Das jüngste Kind ist knapp ein Jahr alt.

Quelle: RP
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