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Stadt Kempen
Ansichtssachen aus Kempen

Stadt Kempen: Ansichtssachen aus Kempen
Was den besonderen Reiz der Kalender und Ausstellungen der Fotoarchiv-Gruppe der Kempener Freiwilligenagentur ausmacht: Die Fotografen im Team, in erster Linie Edith Heyer und Josef Lamozik, haben den historischen Aufnahmen aktuelle Fotos - hier die Kuhstraße mit dem Kuhtor - gegenübergestellt. FOTO: Fotoarchiv
Stadt Kempen. Seit zehn Jahren sichtet und archiviert eine Arbeitsgruppe der Freiwilligenagentur historisches Fotomaterial aus Kempen. Vier Kalender und mehrere Ausstellungen sind daraus entstanden. Weiteres Material wird gesucht. Von Silvia Ruf-Stanley

Nicht mehr im Keller des Rathauses am Buttermarkt, sondern im Dachgeschoss des Kulturforums Franziskanerklosters hat das Kempener Fotoarchiv seit Jahresanfang seine Räume. Dort ist es nicht nur heller, sondern es gibt auch viel mehr Platz für das gesammelte Material.

Vor genau zehn Jahren, 2006, suchte die Freiwilligenagentur eine Gruppe, die sich dem umfangreichen Fotoschatz im Rathauskeller annehmen wollte. Damals begannen Johannes Angenheister, Heinz Cobbers, Gustaf Gijselmans und Wilhelm Spee mit der Sichtung des Materials. Heute ist von der ursprünglichen Gruppe nur noch Wilhelm Spee dabei, hinzu gekommen sind Claudia Stox, Edith Heyer, Karl-Heinz Hermans und Josef Lamozik. Es wartete jede Menge Arbeit auf die Gruppe. Denn es war über Jahre hinweg alles einfach nur gesammelt worden. Unbeschriftet und ungeordnet fanden die ehrenamtlichen Helfer die Bilder vor.

Also galt es erst einmal eine Ordnung in die Sammlung hinein zu bringen und vor allem die Fotos auch zuzuordnen. "Das war richtige Detektivarbeit", erzählt Edith Heyer. Denn Kempen hat sich nun einmal an vielen Ecken sehr verändert. Eng war deshalb von Anfang an die Zusammenarbeit mit dem Kramer-Museum und dem Kreisarchiv. Man merkt den Mitgliedern der Gruppe an, dass ihnen Spaß macht. Zumal es manchmal hübsche Anekdoten zu den Geschichten gibt. Da erinnert sich Alt-Bürgermeister Hermans mit Vergnügen daran, dass es früher noch drei Hengste in öffentlicher Haltung in der Stadt gab. Was taten also der junge Hermans und seine Freunde im Alter von sechs oder sieben Jahren? Sie schauten durch die Ritzen auf den Hof. "Und da wussten wir, wie es ging", berichtet Hermans. Aufklärung der besonderen Art im früheren Kempen.

Aber es gibt auch alles andere als erfreuliche Erinnerungen - zum Beispiel an die ausgebombte Tiefstraße oder daran, dass die Glocken nach dem Krieg mittags um zwölf in der ausgebombten Propsteikirche geläutet wurden. Schön dagegen: 1947 konnte man über Kempen eine Sonnenfinsternis sehen. Und ältere Kempener erinnern sich noch an die Aufsehen erregende Umgestaltung der Judenstraße in eine Fußgängerzone. Die Mitglieder der Archivgruppe freuen sich immer wieder, wenn sie nicht nur neue Fotos bekommen, sondern gleich auch noch passende Geschichten dazu.

Vier Mal entstand in den vergangenen Jahren ein Kalender mit alten Stadtansichten, denen mit einer aktuellen Aufnahme die exakt gleiche Ecke - im besten Fall das noch existierende Haus - gegenübergestellt wurde. Die jeweiligen Ausstellungen der Fotos im Rathausfoyer waren immer gut besucht. Viele Besucher konnten ihre persönlichen Erinnerungen beitragen. Als sie davon berichten, kam bei der Archivgruppe die Idee auf, Bürger zu bitten, zu den Aufnahmen ihre Erinnerungen oder die ihrer Familien an die Gruppe weiterzugeben.

Material gibt es derzeit noch reichlich: um die 2000 Fotos, hinzu kommen noch Kisten und Mappen mit Dias. Neben dem Ordnen und Archivieren wird Vieles eingescannt. Zum einen fallen die Fotos so nicht dem "Zahn der Zeit" zum Opfer. Zum anderen gehen Josef Lamozik und Karl-Heinz Hermans immer wieder mit eingescanntem Material in Altenheime und Begegnungsstätten. Da kommen sie mit ihrem Programm kaum durch, denn viele Senioren haben etwas zur Geschichte der Aufnahmen zu erzählen. Manchmal erfährt Hermans, der Mann mit dem großen Stadtwissen, dabei noch etwas Neues.

Quelle: RP
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