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Stadt Kempen
Archiv-Neubau auf Freibadgelände?

Stadt Kempen: Archiv-Neubau auf Freibadgelände?
Wie lange wird Badleiter Jörg Tichelkamp das Dorenburg-Freibad in Grefrath noch führen? Es gibt Gedankenspiele, das Schwimmbad zu übernehmen und dort ein neues Archiv zu bauen. FOTO: Kaiser
Stadt Kempen. Die Kreisliberalen haben schon mal einen Standort-Vorschlag gemacht. Sie können sich ein Kreiskulturzentrum an der Dorenburg mit einem Archiv-Neubau vorstellen. An dem Plan scheint etwas dran zu sein. Eine Analyse. Von Andreas Reiners

Die Gerüchteküche brodelt. Dass Landrat Dr. Andreas Coenen einen Neubau fürs Kreisarchiv will, ist spätestens seit der öffentlichen Vorstellung der geplanten Markterkundung für eine künftige Nutzung der Kempener Burg, die bekanntlich das Kreisarchiv beherbergt, Fakt. Coenen will mögliche Fördermittel in Höhe von 5,1 Millionen Euro nutzen, um diesen Neubau zu realisieren. Er drückt seit Ende vorigen Jahres gehörig aufs Tempo. Denn bis Ende 2020 muss der Neubau stehen, sonst gibt es keine Fördergelder.

Bleibt noch die Frage nach einem möglichen Standort: Coenen hat - wie mehrfach berichtet - bei den Städten Viersen und Willich angefragt, ob sie bereit wären ihre noch eigenständigen Stadtarchive in ein gemeinsames Kreisarchiv einzubringen, wenn das möglicherweise auf ihrem Stadtgebiet gebaut werden würde. In Kempen hat die Diskussion ums Kreisarchiv, das auch die Archivalien des früher selbstständigen Kempener Stadtarchivs beherbergt, unter Experten und Politikern einen Aufschrei der Empörung hervorgerufen. Derweil haben die beiden Kempener FDP-Kreistagsabgeordneten Irene Wistuba und Wolfgang Lochner mal eben so in einem Nebensatz ein neues Kreiskulturzentrum an der Grefrather Dorenburg ins Spiel gebracht.

Das geht ja gar nicht, meint die Politik in Kempen entrüstet. Bürgermeister Volker Rübo, in Personalunion auch Dezernent für die Kultur in der Thomasstadt, fühlt sich von dem Tempo, das der Landrat in der Angelegenheit an den Tag legt, ein wenig überrollt. Er ist über die Entwicklung "not amused". Mit der noch während der von Kreis und Stadt im vergangenen Jahr veranstalteten Studenten-Werkstatt zur Schau getragenen Gemeinsamkeit bei der Suche nach künftigen Nutzungsmöglichkeiten für die Kempener Burg ist es vorbei. Man bemüht sich zwar nach außen hin um den Schulterschluss. Der Landrat betont, auch Kempen sei bei der Standortfrage längst noch nicht aus dem Rennen. Doch die Realität sieht anders aus. Kempen wird von Insidern als Standort für ein neues Kreisarchiv kaum noch Chancen eingeräumt.

Die Hinweise auf ein Kreiskulturzentrum an der Dorenburg werden immer konkreter. Die Kreisliberalen haben da geschickt eine Ente zu Wasser gelassen, die munter zu schwimmen begonnen hat. Und in der Tat: Synergieeffekte sprechen für ein Zusammenlegen von Freilichtmuseum und Kreisarchiv. Der Kreis hat in den vergangenen Jahren das Museum konzeptionell und baulich mächtig aufgewertet. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Das neue Eingangsgebäude, die Neustrukturierung des Spielzeugmuseums, die gerade abgeschlossene barrierefreie Umgestaltung der historischen Wasserburg, die dem Museum den Namen gibt, ganzjährige Öffnung mit entsprechend neu konzipiertem Programm sind alles Bausteine, das angestaubte Image des Freilichtmuseums aufzupolieren. Was liegt näher, als mit einem Kreisarchiv das Museum zum Kulturzentrum weiter aufzuwerten.

Wechselt das Archiv also von der Kempener Burg zur Grefrather Dorenburg? Für Kempens Kommunalpolitiker scheint so etwas undenkbar. In der jüngsten Sitzung des Denkmalausschusses gab es gleich mal Unmutäußerungen, etwa von SPD-Sprecher Heinz Wiegers oder von Grünen-Fraktionschef Joachim Straeten. Sie fühlen sich als Kempener in Sachen Burg-Zukunft nicht mehr mit- und vor allem vom Landrat nicht ernst genommen. Fördergeld, das Kempens Technischer Beigeordneter Stephan Kahl für die ursprünglich gemeinsam von Kreis und Stadt geplante Machbarkeitsstudie zur Zukunft der Burg, eigenem Bekunden nach beschafft hat - es soll sich um 25.000 Euro handeln, wird für die Markterkundung, die der Kreis in Auftrag gegeben hat, nicht benötigt. Ob es überhaupt noch Verwendung finden kann, ist fraglich. Kahl meint im Denkmalausschuss "Möglicherweise ja."

Zurück nach Grefrath: Für den Neubau des Kreisarchivs soll der Kreis auch schon ein passendes Grundstück ausgeguckt haben. Gleich neben dem Eingangsgebäude auf dem Gelände des Freibades. Das ist in die Jahre gekommen und für die Gemeindewerke Grefrath ein Zuschussbetrieb. Wer könnte es Kreis und Politik verdenken, hier das neue Archiv bauen zu wollen.

Quelle: RP
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