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Gemeinde Grefrath
Athmosphärisch schwebend

Gemeinde Grefrath. Das Vokalensemble St. Dionysius aus Krefeld gastierte in der Grefrather Laurentiuskirche. Unter anderem sang es eine Messe von Frank Martin.

Dieses Werk sei eine Sache zwischen ihm und Gott gewesen, soll Frank Martin über seine Messe für zwei vierstimmig gemischte Chöre gesagt haben. Damit begründete der Komponist, warum zwischen Entstehung und Uraufführung der Messe mehrere Jahrzehnte verstrichen waren. Beim Auftritt in der Grefrather Pfarrkirche St. Laurentius beendete das Vokalensemble St. Dionysius Krefeld sein Konzert mit diesem so ausdrucksvollen und emotional aufgeladenen Werk. Die Darbietung rundete ein mit Können und Feingefühl serviertes Programm ab und beschloss zugleich die Reihe der geistlichen Konzerte 2015/ 16.

Zu Motetten von Anton Bruckner und Johannes Brahms sowie Josef Gabriel Rheinbergers Abendlied "Bleib bei uns, denn es will Abend werden" konzentrierte sich das Vokalensemble unter Andreas Cavelius´ Leitung zunächst auf Werke des 19. Jahrhunderts. Der Chor stellte sich intonationsrein vor und überzeugte zur sicheren Stimmführung mit ausdrucksvoller und feinsinnig abgestufter Dynamik. Dabei gestaltete er berührend weich, mit erhabenem Ernst, aber auch gut dosierter Dramatik.

Das drängende Fragewort der Brahms Motette "Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen" kristallisierte der Chor etwa in aussagekräftigen Schattierungen heraus. Er gestaltete fordernd, wie auch im besonnen zurück genommenen Nachhall.

Das Vokalensemble trat a capella auf, doch der Mittelteil war ausschließlich der Orgel vorbehalten. Andreas Cavelius, der in der C-Ausbildung des Bistums als Dozent für Orgel, Chorleitung und Orgelbaukunde tätig ist, servierte "Contrapunctus" I bis IV aus Johann Sebastian Bachs Zyklus "Kunst der Fuge". Der Kantor an der Stadtkirche St. Dionysius und Regionalkantor verwob im klar strukturierten Spiel die vier Stimmen und setzte zu den betont rhythmisch gesteigerten Elementen der zweiten und dem gelöst freudigen Charakter des 4. Fuge auf bestens dosierte Kontraste.

Zu Frank Martins Messe wandte sich das Vokalensemble unter seiner Leitung der Musik des 20. Jahrhunderts zu. Abermals bestachen Sängerinnen und Sänger mit Konzentration und Musikalität zur intensiven Ausgestaltung. Zum Kyrie gaben die Sängerinnen ihren Stimmen einen atmosphärisch schwebenden Klang, der sanft abgerundet wurde von den tieferen Lagen der Sänger. Die Leichtigkeit des Gloria strahlte berührende Anmut aus, von der sich über die Stimmgebung ein sanfter Glockenton abzusetzen schien, der raunend nachklang. Nach dem Agnus Dei hielten die Besucher einen Moment inne und dankten dann mit Beifall.

(anw)
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