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Kempen
Automaten-Sprenger vor Gericht

Kempen: Automaten-Sprenger vor Gericht
Die letzte Tat der Automaten-Sprenger vor neun Monaten war in Nettetal-Lobberich. Dort ließen die Täter das Geld in der Kassette zurück. FOTO: Jungmann
Kempen. Im Juli wurden bereits drei Täter einer Bande, die 2015 auch in Nettetal einen Geldautomaten sprengte, verurteilt. Jetzt müssen sich auch die beiden letzten Beschuldigten dafür verantworten. Von Sabrina Peters

Nach viereinhalb Stunden Verhandlung war Jeffrey E. dem Zusammenbruch nahe. Mit Schweißperlen auf der Stirn bat er den Vorsitzenden Richter Norbert Scheyda während einer Zeugenaussage um eine kurze Unterbrechung. Zuvor hatte der Angeklagte selbst über eine Stunde lang vor dem Landgericht Kleve ausgesagt.

Dem 28-jährigen Niederländer wird vorgeworfen, an einer Serie von Geldautomaten-Sprengungen beteiligt gewesen zu sein, die im vergangenen Jahr für große Aufregung am Niederrhein sorgte. Gemeinsam mit dem 34-jährigen Klever Mark D. muss er sich jetzt unter anderem wegen versuchten schweren Bandendiebstahls und Sachbeschädigung in mehreren Fällen vor der zweiten großen Strafkammer des Klever Landgerichts verantworten. Die Zahl der Taten, die Oberstaatsanwalt Guido Schulz in seiner Anklageschrift benannte, ist besonders bei Mark D. hoch. Im Zeitraum vom 23. März 2015 bis zum 23. Dezember 2015 soll er an insgesamt elf Bankautomaten-Sprengungen mitgewirkt haben.

In Nettetal-Lobberich soll die Bande einen Automaten in der Postbank gesprengt haben - bevor sie einen Tag vor Heiligabend festgenommen wurde. Weitere Sprengungen ereigneten sich in Kranenburg, Bedburg-Hau, Goch, Kleve, Kevelaer und Xanten. Den Tätern gelang es jedoch nie, an das Geld in den Automaten zu gelangen. Teilweise scheiterten sie sogar daran, eine Sprengstoffexplosion auszulösen. Zu den Vorwürfen schwieg Mark D. gestern. Sein Anwalt Peter Nickel kündigte an, dass sein Mandant sich am nächsten Prozesstag am morgigen Freitag dazu äußern möchte. Zudem habe der 34-Jährige bislang bestritten, an allen elf Taten beteiligt gewesen zu sein.

Jeffrey E. gab indes seine Mitwirkung an den ihm vorgeworfenen Taten zu. "Die Anklage stimmt", sagte er kurz und schmerzlos. Er sei von Mark D., den er "seinen Freund" nannte, im November 2015 angerufen worden, ob er nicht an den Sprengungen mitmachen möchte. D. soll zu diesem Zeitpunkt bereits an mehreren versuchten Bandendiebstählen beteiligt gewesen sein. Aus "Dummheit" und wegen finanzieller Not, so E., habe er zugesagt. Nur zwei Tage nach dem Anruf, am 25. November, habe er bereits an einer Sprengung eines Bankautomaten mitgewirkt. Am 6. und 18. Dezember seien zwei weitere gefolgt.

"Der Ablauf war bei allen Sprengungen der Gleiche", sagte E. So habe ein Mitglied der Bande zunächst die Überwachungskameras mit schwarzer Farbe angesprüht. Danach sei jemand für das Bohren eines Loches in einen Automaten, die meist in einem Pavillon standen, zuständig gewesen. Das Loch sei mit Gas und Sauerstoff befüllt worden, um eine Explosion herbeizuführen. Mit Autos, deren Kennzeichen sie zuvor abgeklebt hätten, seien sie vom Tatort geflüchtet. Dabei sei ursprünglich sogar nur eine Tat geplant gewesen. Weil der Diebstahl aber immer wieder missglückte, hätten sie doch weiter gemacht, sagte Jurij D.. Er wurde bereits im Juli zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Zwei weitere Mittäter bekamen zudem Freiheitsstrafen von fünf Jahren beziehungsweise einem Jahr auf Bewährung.

Quelle: RP
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