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Kempen
Awo muss Kita "Lummerland" verlassen

Kempen. Die Arbeiterwohlfahrt Kreis Viersen fühlt sich "eiskalt abserviert". Bürgermeister Christian Wagner bestreitet dies. Die Awo selbst habe sich als Trägerin des Familienzentrums in Breyell-Speckerfeld geschadet Von Ludger Peters

Das Familienzentrum "Lummerland" in Breyell-Speckerfeld wechselt im Sommer den Träger. Die Stadt trennt sich vom Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und übergibt die Einrichtung der evangelischen Jugendhilfe Kaarst. Sie will nach Angaben von Bürgermeister Christian Wagner (CDU) das Personal von der Awo übernehmen und den Eltern die künftige Arbeit in der Einrichtung am Lötscher Weg 8 vorstellen.

Geräuschlos verläuft der Wechsel nicht. Die Awo verbreitete jetzt in einer E-Mail an zahlreiche Empfänger, sie sei "bestürzt" und in der Stadt "eiskalt abserviert" worden. Bürgermeister Wagner zeigte sich darüber verwundert. Letztlich habe die Awo selbst den Prozess in Gang gesetzt, der zur Trennung führe. Auslöser waren wirtschaftliche Probleme der Awo Kreis Viersen. Sie wollte ihre Kindertagesstätten abgeben an den Kreisverband Mönchengladbach. "Damit wäre faktisch ein neuer Träger ins Spiel gekommen, deswegen wurde der Vertrag über Lummerland mit der Awo Kreis Viersen fristgerecht zum 30. Juli 2015 gekündigt", berichtet Wagner.

Die Übertragung blieb jedoch aus, und die Awo Kreis Viersen signalisierte, sie wolle "Lummerland" weiterhin selbst betreiben. Bei den Verhandlungen über den neuen Vertrag kam es zu Unstimmigkeiten über die Zahlung des Trägeranteils von neun Prozent an den Gesamtkosten. Die Awo hat diesen Anteil nie getragen, ihn hat die Stadt als freiwillige Leistung übernommen. Im Rahmen der Verhandlungen beschloss der Jugendhilfeausschuss der Stadt, von der Awo einen Trägeranteil zu fordern, der sich dem Durchschnitt der Beiträge nähert, die andere Träger zahlen. "Es gibt einen Träger, der den Anteil komplett zahlt, die anderen bleiben darunter", so Wagner. Den Rest wollte die Stadt weiterhin zahlen.

Darauf ließ die Awo sich jedoch nicht ein. Sie behauptet, sie habe vergeblich einen eigenen Vertragsentwurf vorgelegt. Im Vertrauen auf eine einvernehmliche Lösung habe die Awo die Einrichtung "Lummerland" über die Kündigungsfrist hinaus auch im Kindergartenjahr 2015/16 weiter betrieben. Sie sei jedoch durch die Verhandlungstaktik der Stadt in eine unhaltbare Situation geraten, schrieb Kreisgeschäftsführer Bernd Bedronka am 22. November 2015 an Bürgermeister Wagner. Angesichts einer immer größeren Finanzierungslücke sei die Awo gezwungen, die Einrichtung zum 1. Dezember 2015 zu schließen. Die Stadt eröffnete mit Rückendeckung aus dem Jugendhilfeausschuss jedoch ein neues Trägerauswahlverfahren, dem sich auch die Awo stellte. Im Gegensatz zu anderen Bewerbern kann die Awo weiterhin ihren Anteil nicht beisteuern. Sie wollte über Mietzahlungen an die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Kreis Viersen (GWG), der das Gebäude gehört, Leistungen kompensieren.

Angesichts verhärteter Fronten - Wagner spricht von "deutlichen Störgefühlen" auch angesichts einiger unfreundlicher Briefe der Awo - will die Stadt mit der evangelischen Jugend- und Familienhilfe Kaarst zusammenarbeiten, die auch strategisch interessante Ansätze für Breyell mitbringe. Die Fraktionsvorsitzenden sind informiert, der Jugendhilfeausschuss entscheidet in der anstehenden Sitzung - aller Voraussicht nach gegen die Awo.

Quelle: RP
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