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Stadt Kempen
Bäcker kritisieren geplante Hygiene-Ampel

Stadt Kempen: Bäcker kritisieren geplante Hygiene-Ampel
FOTO: Shutterstock/Collage: Röse
Stadt Kempen. Das Bäckerhandwerk wehrt sich gegen einen Gesetzentwurf von NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne). Auch CDU-Landtagsabgeordnete warnen: Die Hygiene-Ampel schade dem Handwerk. Von Willi Schöfer und Birgit Sroka

/ grefrath "Da wird wieder eine Sau durch das Dorf getrieben, völlig unnötig", sagt nicht nur Rudolf Weißert, Obermeister der Niederrheinischen Bäcker-Innung Krefeld-Kreis Viersen, über den Gesetzesentwurf von NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen), eine "Hygiene-Ampel" für die Bäckereien einzuführen. Dieser Kritik schließen sich die beiden CDU-Landtagspolitiker Marcus Optendrenk und Stefan Berger an: "Dadurch wird für den Verbraucher überhaupt keine Transparenz geschaffen, sondern zum Nachteil der Betriebe nur für Verwirrung gesorgt."

Rudolf Weißert, der an der Hückelsmaystraße direkt an der Stadtgrenze zur Tönisvorst seinen Betrieb hat und seit 1988 selbstständig ist, erinnert an die vielen Dokumentationen, die jetzt bereits erfolgen müssen. Dies fange mit einer Kontrolle der Wareneingänge an, gehe mit den ständigen Temperaturmessungen und der vorschriftsmäßigen Lagerung weiter. "Wir sind ähnlich wie die Pflegekräfte mittlerweile zu Schriftstellern geworden", klagt Weißert. Es dürfe beispielsweise nicht so weit kommen, dass die Ampel von Grün auf Gelb geht, nur weil in den hinteren Geschäftsräumen ein Besen rumstehe.

Die Hygiene-Ampel sei so unnötig wie ein Kropf. So sieht dies auch der Grefrather Bäckermeister Hardy Kreutschmann: "Schon jetzt müssen wir jeden Tag zig Formblätter ausfüllen und den Ablauf dokumentieren, das reicht völlig." Kreutschmann als auch Weißert sehen die Gefahr, dass bei dem womöglich neuen Gesetz ein weiterer Aufwand dazukomme. Also Mehrkosten, die dann auf die Preise umgelegt werden müssten.

"Durch immer neue Vorschriften und Regularien und die damit verbundenen Mehrkosten könnten weitere kleinere Bäckereien kaputt gehen", erinnert Weißert daran, dass es derzeit in Krefeld und im Kreis Viersen nur noch 49 selbstständige Betriebe gibt. Als sich seine Eltern 1953 selbstständig machten, waren es allein in Krefeld noch 238 Bäckereien. Im Jahr 1988, als er die Bäckerei übernahm, nur noch 68.

So sehen es alle befragten Bäcker. Der stellvertretende Obermeister Erich Lehnen weist ebenfalls darauf hin, dass es derzeit schon einen Bewertungskatalog gebe, der jetzt noch verschärft werde. Lehnen nennt ein Beispiel: "Ist zukünftig der Stecker des Unter-Tisch-Gerätes für heißes Wasser am Handwaschbecken herausgezogen, gibt das schon Abzüge und womöglich eine gelbe Kennzeichnung." Auch wenn man dann diesen kleinen Mangel sofort behebe, hänge die Ampel dann drei Monate lang bis zur nächsten Überprüfung im Schaufenster. Ein Unding, zumal der Kunde nichts über den Grund erfahre und davon ausgehen müsse, dort werde hygienisch nicht einwandfrei mit den Lebensmitteln gearbeitet, so der stellvertretende Obermeister Erich Lehnen.

Weißer erinnert daran, dass das Veterinäramt schon jetzt die Möglichkeit habe, bei groben Verstößen Strafen oder sogar vorübergehende Schließungen anzuordnen. Der Obermeister regt stattdessen an, ähnlich wie in einigen skandinavischen Ländern positive Zeichen zu setzen: "Dort hängen lächelnde Smileys in den Eingangsbereichen, wenn die Bäckereien alle erforderlichen Normen und Regeln beachtet haben."

Kritisch äußert sich ferner Marcus Optendrenk: "32 Kriterien können sie nicht in eine dreischrittige Ampel umsetzen. Wenn der Lehrling beispielsweise eine Ecke nicht richtig gefegt hat, bekommt der Betrieb womöglich ,Gelb', und der Kunde wird misstrauisch und denkt, da ist was Schwerwiegendes vorgefallen."

Der Bäckerei-Verband will jetzt eine Marketing-Kampagne starten, um die Verbraucher über ihre Position zu informieren. Der derzeitige Gesetzesentwurf weise viel zu viele Ungereimtheiten auf. Und die CDU-Landespolitiker sind der Ansicht, dass sich der zuständige Minister für eine Stärkung der regionalen Produkte einsetzen müsste, anstatt jetzt nach schnell behebbaren Fehlern zu suchen, die größtenteils nichts mit der Qualität der Lebensmittel zu tun hätten.

Quelle: RP
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