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Stadt Kempen
Bahnauskunft - in Kempen nur online

Stadt Kempen. Rund um die Bahnauskunft sieht es in der Thomasstadt schlecht aus. Das musste auch Ursula Hecker erfahren, als sie Auskünfte für eine Zugfahrt nach Recklinghausen benötigte. Von Bianca Treffer

Für Ursula Hecker ist Kempen eine moderne Kleinstadt, in der sie zusammen mit ihrem Mann gerne lebt. Die Infrastruktur stimmt und auch ansonsten mag sie Kempen gerne. "Aber dass uns so etwas fehlt, kann ich auf der ganzen Linie nicht verstehen", sagt die 82-Jährige. Sie bezieht dabei auf eine Auskunft für Bahnreisen. Früher verfügte das Reisebüro Wingen an der Engerstraße über einen solchen Service. Hier war es kein Problem, nicht nur eine Fahrkarte zu ordern, sondern sich auch Informationen und Tipps rund um die gewünschte Fahrtstrecke zu holen.

Kürzlich wollte Ursula Hecker mit dem Zug nach Recklinghausen fahren. Da sie sich aber unterwegs in Essen mit ihrer Schwester treffen wollte, ging es nicht allein um eine Fahrkarte von Kempen nach Recklinghausen, sondern um Informationen, wann der besagte Zug in Essen einlaufen und auf welchem Bahnsteig dies der Fall sein würde. Diese Daten wollte sie ihrer Schwester mitteilen, damit sie sich entsprechend darauf einrichten und zielgenau in den Zug steigen konnte.

Doch damit fing die Odyssee an, die Ursula Hecker als "Purzelbäume schlagen für ein Bahnticket" bezeichnet. Vor dem Hintergrund, dass es das Reisebüro an der Engerstraße mit dem integriertem DB-Shop nicht mehr gibt, suchte Ursula Hecker ein anderes Reisebüro in der Innenstadt auf. Hier musste sie dann erfahren, dass es keine Auskünfte bezüglich der Bundesbahn gebe. Es können lediglich Reisen gebucht werden. Aber auch die anderen Kempener Reisebüros können nicht mit Bahnauskünften dienen. Es gab lediglich den Tipp, über das Internet die Seiten der Deutschen Bahn zu nutzen. Eine Art der Information, die der 82-Jährigen allerdings nicht weiterhalf, da sie das Internet nicht nutzt. "Es gibt keine einzige Auskunftsmöglichkeit in Kempen. Selbst am Bahnhof nicht", empört sich die Kempenerin.

Für sie gab es daher nur eine Lösung. Ursula Hecker zog sich am Kempener Bahnhof eine Fahrkarte, um nach Krefeld zu fahren. Im dortigen Hauptbahnhof gibt es nämlich noch einen entsprechenden Informationsshop. Dort erhielt sie die gewünschten Auskünfte und kaufte ihre Fahrkarte vor Ort, wobei sie durch die Auskunft erfuhr, dass ihre Schwester und sie das Bahnangebot "Schöner Tag" nutzen konnten. Etwas, dass die beiden auch machten. "Es hat alles hervorragend geklappt. Meine Schwester ist zugestiegen und wir sind zusammen weiter nach Recklinghausen gefahren", berichtet Ursula Hecker im Gespräch mit der Rheinischen Post.

An der Tatsache, dass es in Kempen keine Bahnauskünfte gibt, ändert dies aber nichts. "Wenn man dieses Angebot im Reisebüro anbieten möchte, muss man eine Kooperation mit der Deutschen Bahn eingehen", erklärt Detlef Jung vom gleichnamigen Reisebüro am Concordienplatz im Hagelkreuz. In der Praxis heißt dies, dass ein Mitarbeiter für entsprechende Schulungen und Fortbildungen abgestellt werden muss, da bei der Bahn ständig Änderungen und Neuerungen eingeführt werden. Für kleine Reisebüros steht dieser Aufwand in keinem Verhältnis zum späteren Verdienst - zumal Beratungen für Zugverbindungen aufgrund des sehr komplexen und nahezu undurchschaubaren Konstruktes der Deutschen Bahn zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Es ist einfach zu teuer für die Reisebüros, einen solchen Service anzubieten.

"Es gibt bei uns einige Reisen, die, wenn gebucht, die Möglichkeit einer Zugfahrt beinhalten. Über die Bahn-Agentur gibt es ein Ticket für alle möglichen Fahrstrecken direkt dazu. Es ist schon sehr aufwendig für uns, in diesem Fall allein die Verbindung so gut wie möglich herauszufinden", sagt Jung. Der Tarif-dschungel bei der Bahn sei dagegen nahezu undurchdringlich, wenn man sich nicht ständig durch Schulungen auf dem Laufenden hielte. Die Fortbildungen bewegen sich in keinem Kosten-Nutzungs-Verhältnis für die Kempener Reisebüros.

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Quelle: RP
 
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