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Stadt Kempen
Barockes bei der Sommerserenade

Stadt Kempen. Die Violinisten Margret Vitzer und Bernd Erich Brinkmann, der Cellist Thomas Weihrauch und Christian Gössel am Cembalo spielten beim Konzert in der Propsteikirche drei Triosonaten. Von Gerd Holtmeyer

Barockes stand auf dem Programm der dritten Kempener Sommerserenade. Zu hören waren in der Propsteikirche drei Triosonaten - vom Tiroler Hofkapellmeister Johann Stadlmayr (ca. 1575 - 1648), vom venezianischen Cellisten Antonio Caldara (1670 - 1736) und von Carl Philipp Emanuel Bach (1714 -1788), dem zweiten Sohn des großen Johann Sebastian.

Die Krefelderin Margret Vitzer (Violine) sowie die Kempener Bernd Erich Brinkmann (Violine), Thomas Weihrauch (Violoncello) und Christian Gössel (Cembalo) trugen engagiert die Sonaten vor. Vier Musiker für eine Triosonate? Brinkmann klärte den scheinbaren Widerspruch auf. Die Komponisten des Barock schrieben diesen Sonaten-Typus für zwei Melodieinstrumente und Basso continuo. Für den zeichneten in der Regel zwei Spieler verantwortlich, einer für ein Tasteninstrument wie Cembalo oder Orgel und einer für ein tiefes Melodieinstrument wie Cello, Kontrabass oder Fagott.

Wie ein musikalisches Nachlaufen kam einem Stadlmayrs Canzone vor, so imitierte eine Violinstimme in kurzen Abständen die andere. Ganz anders hatte Antonio Caldara seine Sonate konzipiert; er betonte das melodische Element. Die Organisten und Cembalisten der Barockzeit wussten nicht nur routiniert nach Noten zu spielen. Sie waren in der Regel auch einfallsreich im Improvisieren. Daran erinnerte Christian Gössel mit einer Improvisation im barocken Stil auf dem Cembalo. Die hielt er in Moll und erinnerte so daran, dass Barock zwar auch, keineswegs aber nur aus Pracht und Prunk an fürstlichen Höfen bestand. Zum barocken Lebensgefühl der Bevölkerung gehörten wesentlich auch die Nachwirkungen des entsetzlichen Dreißigjährigen Krieges. Diese Melancholie liegt auch der Literatur der Barockzeit zugrunde. Das war herauszuhören aus Gedichten von Paul Fleming und Andreas Gryphius, die Frank Gössel vortrug. Zwar haben sich seit diesen Tagen die Verhältnisse erheblich verändert. Aber ein zeitgenössisches Dokument, das den Opportunismus in der Politik durch den Kakao zog, hörte sich doch heute noch erstaunlich aktuell an.

Friedrich der Große, der alte Fritz, gilt als aufgeklärter Monarch, der jeden nach seiner Façon leben lassen wollte. Allerdings: in Sachen Musik war der musikliebende und -kundige Preußenkönig doch eher ein absolutistischer Herrscher alter Art. Seine Hofkomponisten Johann Joachim Quantz und Carl Philipp Emanuel Bach wussten ein Lied davon zu singen.

Mit Carl Philipp Emanuel Bach endete das Programm. Brinkmann hoffte, wie er scherzhaft anmerkte, "dass der musikalische Gruß vom Königreich Preußen zum Königreich Kempen wohlwollend aufgenommen werde". Das war, wie dem herzlichen Beifall zu entnehmen war, zweifellos der Fall.

Das nächste und letzte Konzert der Sommerserenaden findet am nächsten Mittwoch (24. August, 20 Uhr) in der Kapelle St. Peter statt.

Quelle: RP
 
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