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Stadt Kempen
Baum der Hoffnung trägt Früchte

Stadt Kempen. Seit 25 Jahre unterstützen Bürger aus Kempen und Umgebung ein besonderes Hilfsprojekt für Straßenkinder in Ecuador. 1991 startete die gebürtige Kempenerin Angela Aretz das Kinderhaus "Árbor de la Esperanza". Von Silvia Ruf-Stanley und Andreas Reiners

Aus dem Bäumchen ist ein großer Baum geworden. Am kommenden Sonntag, 10. April, feiert der Verein "Árbol de la Esperanza" (aus dem Spanischen übersetzt: "Baum der Hoffnung") ab 11 Uhr im Pfarrzentrum Christ-König im Kempener Hagelkreuz sein 25-jähriges Bestehen. Dabei wird mit einem bunten Programm auf ein Vierteljahrhundert tätige Entwicklungshilfe zurückgeblickt. Das, was der in Kempen beheimatete Verein gemeinsam mit Partnern vor Ort in der Millionen-Metropole Quito im südamerikanischen Ecuador geschaffen hat, ist bemerkenswert. Seit 1991 wird Straßenkindern dort ein Zuhause gegeben. Die Arbeit vor Ort ist eng verknüpft mit dem Namen Angela Aretz.

Alles fing damit an, dass die gebürtige Kempenerin Angela Aretz, die von Familie und Freunden liebevoll "Angie" genannt wird, nach dem Abitur einige Zeit in Ecuador verbringen wollte. Dort angekommen erlebte die heute 45-Jährige damals das Leid der Straßenjungen in Quito. Ohne Ausbildung, ohne verlässliche Familienverhältnisse lebten sie in den Straßen der Metropole. Mit Freunden beschloss Angela Aretz, sich um diese Jungen zu kümmern. 1991 wurde dann der Verein gegründet. Inzwischen hat er nicht nur Unterstützer in Kempen, sondern auch darüber hinaus.

Der Verein unterhält in Quito vier Häuser mit Wohngruppen für Jungen. Betreut werden derzeit 28 Kinder von Erziehern, Sozialarbeitern und Psychologen. Seit elf Jahren lebt Angela Aretz ständig in Quito. Sie leitet die gesamte Einrichtung. Die Jungen können die Schule besuchen, sie werden bei ihrer Berufsausbildung betreut und erhalten auch sonst viele Hilfen. Denn sie sind oft auch durch ihre Erlebnisse auf der Straße traumatisiert. Besonderer Erfolg ist, dass inzwischen einige Jungen aus den Wohngruppen als Erwachsene selbst mitarbeiten. Außerdem bietet der Verein auch die Möglichkeit an, im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes dort ein Freiwillige Soziales Jahr zu absolvieren.

Über all das werden Angela Aretz und Jefferson, der ein ehemaliger Bewohner der Wohngruppen ist, am Sonntag ausführlich berichten. Jefferson kam im Mai 2013 als Fünfjähriger in die Einrichtung. Im vergangenen Jahr hat er sein Abitur gemacht und arbeitet seit September als Erzieher in einer Wohngruppe. Er kennt alle Regeln und Abläufe aus eigenem langjährigen Erleben, kann so auf die spezielle Situation der Schutzbefohlenen besonders gut eingehen. Neben seiner Arbeit als Erzieher absolviert er eine Ausbildung zum Koch. Für viele Jungen im "Àrbol de la Esperanza" ist Jefferson ein Vorbild. Er hat inzwischen auch die Vormundschaft für seine 17 Jahre alte Schwester übernommen.

Jefferson ist kein Einzelfall. Es gibt im Mitarbeiterteam mehrere junge Männer, die als Straßenkinder in die Einrichtung kamen und heute dort als Erzieher arbeiten. Im vergangenen Jahr beispielsweise begleitete Cristian Narvaez Angela Aretz bei ihrem Besuch in der Heimat und berichtete in Kempen mit einem Film vom Leben im Heim. Narvaez kam mit 14 Jahren als Jugendlicher ins Haus. Er machte als erster Bewohner sein Abitur und lernte auch Deutsch. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und erst kürzlich seinen Abschluss gemacht.

Angela Aretz und ihr Team haben im Laufe der zurückliegenden 25 Jahre so manche Hürde nehmen müssen. Vor allem die örtliche Gesetzgebung mit diversen, sich oft ändernden bürokratischen Vorschriften hat die Arbeit zum Wohle der Kinder nicht immer leicht gemacht. Aber die gebürtige Kempenerin ist weiterhin motiviert, ihr Projekt fortzusetzen. Sie ist dankbar für die Unterstützung aus der Heimat. Das betont Angela Aretz stets in ihren Infobriefen an die Vereinsmitglieder und das sagt sie auch bei ihren regelmäßigen Besuchen in Kempen. Hier findet sie vor allem Unterstützung bei ihrer Familie und alten Freunden.

Ihr Bruder Christoph Aretz ist seit Jahren Vorsitzender des Vereins "Árbor de la Esperanza". Der Verein kümmert sich auch darum, dass regelmäßig Spendengelder nach Ecuador fließen. Wer Näheres zu dem Verein und Spendenmöglichkeiten erfahren möchte, kann sich im Internet unter www.arbol-de-la-esperanza.de informieren.

Quelle: RP
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