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Stadt Kempen
Baustelle sorgt für Verkehrschaos

Stadt Kempen: Baustelle sorgt für Verkehrschaos
Auch Kempener Autofahrer, die sich rund um die Stadt auskennen, haben in diesen Tagen Probleme, ihr Ziel zu erreichen. Der innerstädtische Verkehr hat während der Bauphase deutlich zugenommen. FOTO: wolfgang kaiser
Stadt Kempen. Die gleichzeitige Sperrung der Kreuzungen St. Töniser Straße und Vorster Straße mit der B509 hat tagtäglich Folgen. Die Maßnahme wurde mit Absicht in die Sommerferien gelegt. Verärgert ist der Betreiber der Jet-Tankstelle. Von Willi Schöfer

Bei normalem Betrieb fahren am Tag etwa 700 bis 800 motorisierte Verkehrsteilnehmer die Jet-Tankstelle an der Vorster Straße 113 an. Seit einigen Tagen dürften es vielleicht nur noch 200 bis 300 sein. Filialleiter Johannes Erwing ist verärgert. Es geht um die Sanierung der B 509 und um die derzeitigen Sperrungen von zwei großen Kreuzungsbereichen an St. Töniser und Vorster Straße. Erwing sagt: "Ich war überhaupt nicht informiert, wann und in welchen Abschnitten die Umgehung saniert und instandgesetzt wird."

Auch viele Autofahrer dürften nicht nur über ihre alten und nicht mehr aktualisierten Navis, die sie partout weiter über die teilweise gesperrte Ortsumgehung oder sonstwie in die Irre führen wollen, schon ab Ende April geflucht haben. Sie mussten damals schon, als die Sanierung der B 509 zwischen Hüls und Kempen begann, erhebliche Umwege in Kauf nehmen. Seit Anfang dieser Woche ist dies durch die neuen Sperrungen noch viel schlimmer geworden. Staus in der Innenstadt und an anderen Kreuzungen sind die Folge, da der Verkehr derzeit vor allem, aber nicht nur zu den Stoßzeiten nicht mehr so richtig abfließen kann. "Viele von außerhalb kommen auch gar nicht mehr in Kempen rein, so dass man derzeit schon fast von einer Geisterstadt sprechen könnte", sagt Erwing etwas überspitzt. Die Stadt hat reagiert und für einen besseren Verkehrsfluss beidseitige Halte- und Parkverbotsschilder teilweise auf Oedter Straße und Vorster Straße sowie am Krefelder Weg aufgestellt.

Viele befragte Autofahrer wussten von den Sanierungsarbeiten überhaupt nichts. Vom zuständigen Landesbetrieb hatte es im April eine entsprechende Pressemitteilung gegeben, die aber nicht alle erreichte. "Es wäre besser gewesen, wenn vorab abschnittsweise große Schilder auf die kommenden Umleitungen hingewiesen hätten oder wenn es vor den Abschnitten weitere Infos gegeben hätte", hätte sich nicht nur Johannes Erwing gewünscht.

Auf Nachfrage erinnerte gestern Projektleiter Dietmar Giesen vom Landesbetrieb an die umfangreichen Vorplanungen dieser großen Maßnahme. Daran seien mehrere Behörden beteiligt gewesen. Und speziell bei den derzeitigen Teilbereichen hätten, so Giesen, Kreisverwaltung Viersen, Stadtverwaltung Kempen, Verkehrsbetriebe, Feuerwehr und Polizei darauf gedrängt, diesen großen Abschnitt in den Sommerferien zu erledigen. Dann sei generell weniger los auf den Straßen.

Und was Dietmar Giesen sehr wichtig ist: "Das Geld wird in Kempen zur Sicherung der Infrastruktur ausgegeben, kommt somit auch vielen Pendlern wieder zugute." Insgesamt beläuft sich diese Maßnahme auf der B 509, von der B 9 (Verbindung nach Hüls) bis zur L 444 (vor Grefrath) auf brutto 2,163 Millionen Euro, die ausschließlich der Bund trägt. Im Wesentlichen werden dabei auf einer Breite von meist zwölf Zentimetern die verschiedenen Trag- und Deckschichten der Fahrbahnen und anschließend die Markierungen erneuert. Die letzte Sanierung habe es vor etwa 20 Jahren gegeben.

Man arbeite, ergänzt der Projektleiter, mit großem Personalaufwand daran, den rund 1,9 Kilometer langen Bereich zwischen St. Töniser und Oedter Straße bis spätestens zum 19. August fertig zu stellen. Giesen hat Verständnis für den Ärger vieler Autofahrer, bezeichnet die Vorgehensweise aber als "langfristig gesehen die beste Lösung". Giesen schließt nicht aus, dass je nach Baufortschritt zumindest die Busse bereits früher als am 19. August geplant über die gerade ausgebesserte Bundesstraße fahren könnten.

Die Arbeiten auf der Umgehung sind aber am 19. August noch längst nicht beendet. Direkt danach gehen nämlich die Instandsetzungen auf der B 509 zwischen der Kreuzung Oedter Straße und Mülhausen (Lidl-Markt) weiter. Giesen hofft, damit Anfang September fertig zu sein.

Also ist auch in den nächsten Wochen noch Johannes Erwing mit seiner Jet-Tankstelle quasi von der Außenwelt abgeschnitten; seine Zapfsäulen mit dem Shop können auch weiterhin nur noch aus Kempen über die Vorster Straße angefahren werden. Erschwerend kommt hinzu, dass im innerstädtischen Bereich durch Sackgassenschilder darauf hingewiesen werde, dass es an der Vorster Straße nicht weitergehe. "Somit ist klar, dass kaum noch jemand die Tankstelle anfährt", ärgert sich der Betreiber.

Wer kommt denn am Ende für seine Umsatzeinbußen auf? Dazu Johannes Erwing: "Ich habe keine Ahnung, das soll der Jet-Konzern klären."

Quelle: RP
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