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Stadt Kempen
Bedenken gegen Neubaugebiet bleiben

Stadt Kempen: Bedenken gegen Neubaugebiet bleiben
Anwohner der Anliegerstraße "Auf dem Zanger" fürchten, dass zu viel Verkehr - vor allem während der Bauphase in dem Neubaugebiet - über ihre Straße rollt. Von fast 7800 Lkw-Fahrten ist die Rede. FOTO: Achim Hüskes
Stadt Kempen. Fast 200 Interessierte kamen zur Bürgerinformation der Kempener Bauverwaltung zum geplanten Baugebiet im Nordwesten von St. Hubert. Eine Interessengemeinschaft mit mehr als 65 Anwohnern sieht das Projekt kritisch. Von Andreas Reiners

Kempens Technischer Dezernent Stephan Kahl gab sein Bestes, präsentierte sich bei der Bürgerversammlung zum geplanten Neubaugebiet "An der Mühle" in St. Hubert als umsichtiger Moderator. Kahl vermittelte den fast 200 interessierten Bürgern, die am Montagabend ins St. Huberter Forum gekommen waren, dass die Stadtverwaltung die Sorgen der betroffenen Anwohner durchaus ernst nehme. Im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung erläuterten Kahl und seine beiden Mitarbeiter, Planungsamtsleiter Heinz-Peter Cox und Tiefbauamtsleiter Torsten Schröder, das Bauprojekt, das zweifellos das wichtigstes Vorhaben in St. Hubert und in der gesamten Stadt Kempen für die kommenden Jahre ist.

D ie Ausgangslage ist schnell umrissen: Kempen braucht neue Baugebiete, denn die Nachfrage nach Grundstücken für Einfamilienhäuser ist - trotz vergleichsweise hoher Preise - groß. Zudem muss die Stadt dringend den Bau von preiswerten Mietwohnungen vorantreiben. Nachdem das derzeit größte Baugebiet "An der Kreuzkapelle" in Kempener mit der Erschließung und Vermarktung des letzten Bauabschnitts jetzt vor dem planerischen Abschluss steht, kommt dem Areal im Nordwesten von St. Hubert für die nächsten Jahren eine besondere Bedeutung zu. Das machte Baudezernent Kahl am Montagabend deutlich. Zwischen Aldekerker Straße und dem Wirtschaftsweg "An der Mühle" sollen in den nächsten Jahren neue Baugrundstücke sowohl für Einfamilienhausbebauung als auch für den Mietwohnungsbau angeboten werden. Das Problem: Da die Stadt nicht im Besitz sämtlicher Flächen im geplanten Baugebiet ist, beschränkt sich das Vorhaben zunächst nur auf den östlichen Teil im Dreieck zwischen Aldekerker- und Breite Straße sowie An der Mühle. Hier könnten nach den Vorstellungen der Stadt ab Ende 2017/Anfang 2018 etwa 50 Einfamilienhäuser und weitere 50 Mietwohnungen in Mehrfamilienhäusern entstehen. Der Bedarf dafür sei "uneingeschränkt vorhanden", betonte Dezernent Kahl. Es gebe allein aus St. Hubert mehr als 100 Anfragen für ein Baugrundstück, bezogen auf die gesamte Stadt Kempen lägen dem Bauamt mehr als 300 Anfragen vor.

Der Dezernent versuchte in der Versammlung immer wieder auf die Kritiker an dem Bauvorhaben zuzugehen. Die Stadt wolle gemeinsam mit den Bürgern das Baugebiet entwickeln, betonte Kahl. Die Veranstaltung am Montagabend diente dazu, die St. Huberter zu informieren und erste Fragen zu klären.

Für einige Anwohner ist das Thema indes so brisant, dass sie sich - wie berichtet - bereits zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben. Mehr als 65 Bürger gehören der Initiative an. Es sind vor allem Anwohner der Straße "Auf dem Zanger" und "An der Mühle" sowie der Breite Straße. Nach Angaben ihrer Sprecher Chlodwig Hardt und Werner Pfetzer treibt sie die Sorge um, dass durch das Baugebiet zum einen vermehrter Verkehr über ihre ruhige Wohnstraße "Auf dem Zanger" fließt und das vor allem während der auf drei bis vier Jahre angelegten Bauzeit. Außerdem befürchten sie, dass durch einen erforderlichen Niveauausgleich in dem Gelände bei Starkregen Wasser von den höher gelegenen Feldern nördlich des Wirtschaftsweges "An der Mühle" auf ihre Grundstücke und in ihre Keller gelangen könnte. Ihre Sorgen untermauert die Interessengemeinschaft mit Hochrechnungen, die der Bauverwaltung und den politischen Parteien bereits schriftlich vorliegen. Anwohnersprecher Chlodwig Hardt ging in der Bürgerversammlung am Montagabend darauf ein.

Sowohl Dezernent Kahl als auch seine Mitarbeiter Cox und Schröder bemühten sich, den Betroffenen ihre Sorgen zu nehmen. Die bislang vorliegende Planung befände sich in einem frühen Stadium, müsse erst noch konkretisiert werden. Der Regenwasserproblematik soll dabei eine zentrale Rolle zukommen. Tiefbauamtsleiter Schröder betonte, dass das Kanalnetz vor einigen Jahren mit einem neuen Hauptsammler in der Breite Straße schon mit Blick auf das geplante Baugebiet entsprechend dimensioniert worden sei. Im Übrigen sind nach Angaben der Stadt Grünflächen geplant, die Regenwasser aufnehmen sollen.

Derzeit liegen die Pläne zum Neubaugebiet im städtischen Planungsamt aus. Danach sollen sie verfeinert und von der Politik im zuständigen Ausschuss für Umwelt, Planung und Klimaschutz erneut öffentlich beraten werden. Danach schließt sich ein zweiter Schritt, das so genannte Bebauungsplanverfahren an. Daran können sich die Bürger erneut beteiligen. Dann ist wieder die Politik am Zuge und entscheidet über die Planung. Die Stadt plant, in der zweiten Hälfte 2017 mit dem Kanalbau und der Anlage von Baustraßen in dem Baugebiet zu beginnen.

Quelle: RP
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