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Stadt Kempen
Behinderte erklären Inklusion - ein Film

Stadt Kempen: Behinderte erklären Inklusion - ein Film
André Sole-Bergers ist Gruppenleiter in einer Wohnstätte für Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung in Kempen. FOTO: Luisa Sole/Lulugraphie
Stadt Kempen. André Sole-Bergers hat geistig behinderte Menschen gefragt, was sie unter Inklusion verstehen. Die Antworten verblüffen und machen betroffen. Der Film ist eindringlich, weil er schnörkellos ist und ohne Schnick-Schnack. Von Inge Schnettler

Das Wort Inklusion kann er überhaupt nicht leiden. "Es geht um das ganz normale Miteinander, gemeinsame Unternehmungen, es geht um den Kontakt zwischen Behinderten und Nichtbehinderten, es geht um echte Teilhabe", sagt André Sole-Bergers. Der Mönchengladbacher ist Heilerziehungspfleger und Heilpädagoge und leitet eine Gruppe in der Kempener Wohnstätte der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung. "Ich wollte einfach mal etwas anderes machen, neue Wege gehen", sagt der 35-Jährige. Das tat er. Er drehte einen Film - zum Thema Inklusion. "Es ist absurd und albern, dass die Betroffenen gar nicht gefragt werden", sagt er. Genau das holte er nach. Er fragte die Behinderten.

13 Bewohner von 24 bis 48 Jahren machten bereitwillig mit. Knapp eine halbe Stunde dauert der Film. Die Kamera steht immer an derselben Stelle, die Befragten auch - vor einer schwarzen Tafel. Darauf haben sie von dem Interview ihren Namen geschrieben. André Sole-Bergers stellt allen die Frage: "Was ist Inklusion?" Ronald sagt: "Das ist, wenn zwei Menschen zusammen kommen." Mira kann das Wort nicht erklären. Aber als André Sole-Bergers sie fragt, wie sie sich fühlen würde, wenn sie irgendwo arbeiten würde, wo keiner behindert ist, antwortet sie: "Dann wäre ich normal."

Melanie hat eine inklusive Schule besucht. Gefallen hat ihr das nicht. "Das war zu kompliziert, und die Lehrerin hat festgestellt, dass das keinen Sinn hat." Auch Sabine hat Erfahrungen mit Inklusion gemacht. Keine guten. "Die waren nicht nett zu dir?", wird sie gefragt. "Ne", sagt sie. Eva hat als Kind ganz viele Spielkameraden auf der Straße gehabt. "Alle nicht behindert", sagt sie lachend. Heute noch hält sie Kontakt - über Whatsapp.

Mira lebt in der Wohnstätte. Sie ist eine von den 13 Bewohnern, die sich vor die Kamera setzten und Fragen zum Thema Inklusion beantworteten. FOTO: Film

Es ist ein eindringlicher Film, den André Sole-Bergers gedreht hat - obwohl es keine Kameraschwenks gibt, keine raffinierten Schnitte, keine unterlegte Musik, keinerlei Mätzchen. Seit gut drei Monaten ist er online zu sehen. André Sole-Bergers freut sich über die Reaktionen. "Da kam mehr, als ich erwartet habe." Die Schüler eines Gymnasiums haben Kontakt zu ihm aufgenommen. "Vor den Sommerferien haben wir alle zusammen gegrillt." Und nach den Ferien geht es weiter. Die Grünen haben sich gemeldet. "Unsere Bewohner haben bei einer Aktion in der Fußgängerzone mitgemacht." Da ging es um die Vermeidung von Plastikbeuteln. Und beim Viersener Festival "Eier mit Speck" waren sie beim Abbau mit von der Partie. "Wir meckern halt nicht, wir machen - gemeinsam", sagt André Sole-Bergers.

Er wird auch in Zukunft multimediale Projekte machen. Das ist sein Ding. Der 35-Jährige hat sich mit seinem "MG Kitchen TV" schon längst einen Namen gemacht. Unter dem Motto "Rocken, Kochen, Abwaschen" gibt es Live-Musik in der Küche von André Sole-Bergers und seiner Frau Luisa. Dann wird gekocht und geplaudert. Die Formate sind ähnlich - ungekünstelt und ohne Schnörkel. Ehrlich und echt.

Quelle: RP
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