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Stadt Kempen
Beikircher und seine rheinische Ideologie

Stadt Kempen. Der prominente Kabarettist - inzwischen 70 Jahre alt - begeisterte sein Publikum bei seinem dritten Gastspiel im Forum von St. Hubert. Von Silvia Ruf-Stanley

Ganz am Ende kam der Satz, der den jahrzehntelangen Erfolg des Kabarettisten Konrad Beikircher erklärt. "Mach einen Schritt vor die Tür, schon bist Du mitten in einer Geschichte drin". Und genau das macht er seit Jahren mit wachem Blick auf die Rheinländer. Am Montag- und Dienstagabend erzählte er jeweils zwei köstliche Stunden lang im St. Huberter Forum seine Geschichten.

Im Motto des Programms und gleich zu Beginn des Abends kokettiert er mit seinem Alter. "Bin völlig meiner Meinung." Und das nimmt er sich jetzt mit seinen 70 Jahren heraus. So wird der Abend nicht nur zu einer Mischung aus scharfzüngiger Satire und lustigen Alltagsgeschichten, sondern eben auch zu einem Stück der Lebensgeschichte des Kabarettisten.

So gibt es ein Wiederhören mit der Bonner Bäckersfrau Roleber und ihrer Freundin Frau Walterscheidt. Die beiden Damen sind mit ihrem Erfinder gereift, nun um die 80 und da dreht sich das Gespräch vorrangig um die Beerdigung. Frau Roleber - pfiffig von jeher - hat die Geschäftsräume der Bäckerei an einen Bestatter vermietet. Einen ganz modernen, denn der bietet seine Dienste sogar online an - inklusive Flatrate. Von da aus ist der Weg nicht weit zu Heiligen und Reliquien, deren es im Rheinland reichlich gibt. Die sind für jedes Zipperlein gut, weiß Beikircher. Ob Bettnässen oder andere Leiden. Beikircher hat sich kundig gemacht. Was es da so alles gibt. Die Sandalen von Jesus sind aus der Wüste direkt nach Prüm in der Eifel gewandert. In Mönchengladbach findet sich das Tischtuch vom letzten Abendmahl. Und dass den heiligen drei Königen drei von den Jungfrauen, die Köln retteten, beigelegt sind, damit die Herren nicht so alleine in ihrem Schrein liegen, weiß er auch. Beikircher bekennt, dass er, der gebürtige Italiener, den rheinischen Humor einfach liebt. Das sei ein oft absurder Humor, wie er findet. Nirgendwo sonst würde man sich über ein Lied mit dem Inhalt "Im Winter is et kalt" amüsieren, da ist er sich sicher. Er bewundert den Nerv der Rheinländer, über den Alltag zu lachen. Und hat sich als Wahlrheinländer längst angewöhnt, beim Erzählen "vom Hölzken aufs Stöcksken" zu kommen. Damit gleicht er Hanns Dieter Hüsch, den er direkt zu Beginn des Programms lobt. Da sei er absolut neidfrei. Und richtig: Manche Geschichte erinnert an das große Vorbild, aber Beikircher ist schlichter in seiner Vortragsweise. Er steht einfach auf der Bühne, braucht keine Requisiten. Irgendwie ist das so ein bisschen, als ob man ihm auf der Straße begegnet und er hält ein Schwätzchen mit seinem Publikum.

Die rheinische Sprache hat er längst verinnerlicht. Denn auch die schätzt er. Sie sei Kalorien sparend und Mund geschmeidig, weil schon einmal einzelne Buchstaben oder Silben verschluckt werden. Und Beikircher hat sogar für sein inzwischen drittes Gastspiel im Forum die in Kempen gepflegte niederrheinische Aussprache des Namens St. Hubert mit Betonung auf der letzten Silbe gelernt.

Quelle: RP
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