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Serie Musiker Und Ihre Instrumente: Markus Türk, Trompete
Beim Autofahren und im Wald Trompete geübt

Serie Musiker Und Ihre Instrumente: Markus Türk, Trompete: Beim Autofahren und im Wald Trompete geübt
Der Trompeter Markus Türk lebt in Grefrath. Der heute 54-jährige hat in den 1980er Jahren Jazz und improvisierte Musik in Arnheim studiert. FOTO: WOLFGANG KAISER
Kempen. Mit einer Schallplatte von Louis Armstrong begann für Markus Türk die Liebe zur Trompete. Sie führte ihn über den Musikverein Grefrath mit Prozessionen und Martinsumzüge zum Jazzstudium in Arnheim und zur Kempen Big Band. Von Heribert Brinkmann

GREFRATH Für Markus Türk war der Weg zur Trompete klar vorgezeichnet. Als er in einem Heimatfilm Paul Hörbiger Trompete spielen sah, war die erste Ansteckung da. Und als er mit seinem Bruder in einer Krefelder Straßenbahn eine vergessene Schallplatte mit Musik von Louis Armstrong fand, war es um ihn geschehen. Das Cover hing über seinem Bett, die Musik vom Plattenspieler tat das Übrige. Als Neunjähriger fing er selber mit der Trompete an. Seine Eltern kauften ihm für 90 Mark vom Nachbarn eine gebrauchte Trompete. Den ersten Unterricht erhielt er von Heini Winkels in Grefrath. Und der ließ den Jungen im Musikverein mitspielen. 1972 nahm Türk an einem Konzert des Musikvereins im Haus Allen (heute Nordkanal) teil. Und als Markus Türk 2012 seinen 50. Geburtstag feierte, addierte er 40 Jahre Bühnenjubiläum mit seinem 50. zu einer 90-Jahre-Feier.

Mit 14 wechselte Türk zur Gitarre. Bei Schützenfesten und Prozessionen in Uniform mitzumachen, war nicht mehr sein Ding. Auch nicht die Musik. Mit der Gitarre konnte er seine Lieblingshits von Bob Dylan oder Neil Young spielen. Später sang er in der Krefelder Innenstadt selbstkomponierte Lieder zur Gitarre, Nachdem er mit 18 von zu Hause ausgezogen war, konnte er davon leben, zwei mal in der Woche Straßenmusik zu machen. Als in einer seiner Jugendbands plötzlich ein Trompetensolo gefragt war, holte er seine Trompete wieder heraus.

Dabei entdeckte Markus Türk, dass man auch mit der Trompete coole Musik machen kann. Zumal die Trompete per se, wie er heute bekennt, ein Instrument für "Rampensäue" sei. Türk sieht sich als einen extrovertierten Menschen, die Trompete als offensives, lautes Instrument passe zu ihm.

Die Trompete, anders als Saxofon und Klarinette, ist nur ein Generator für den Körper. Es werden keine Saite angeschlagen, kein dünnes Holzblatt zum Schwingen gebracht. Der Klang geht direkt vom Körper aus. Und das kann man auch ohne Instrument üben. Trompeter nennen das "Buzzing" (das englische Wort lautmalerisch für Summen). Viele Trompeter buzzen, um ohne Instrument zu üben. Als Türk in Arnheim studierte, blieb er wegen seiner Schüler in Grefrath. Morgens hat er viel gebuzzt, fürs Autofahren hat er sich einen Mundharmonika-Ständer gebastelt, um mit dem Mundstück während der Fahrt zu üben.

Buzzing ist sehr anspruchsvoll, da die Lippenspannung viel Kraft braucht. Die Trompete ist sowieso ein sehr körperliches Instrument, das Kraft verlangt. Die Trompete, etwa 1,3 Kilo schwer, muss mit dem Arm gehalten werden, Bauch, Flanke und Rücken werden angespannt, um Luft nach oben zu drücken. Geübt hat er nicht nur im elterlichen Keller, sondern auch bei Freunden im Fahrradschuppen oder sogar im Wald. Für potenzielleWanderer gab's dann schon mal ein Volkslied als Zugabe. Wenn Markus Türk eine Woche nicht gespielt hat, wird er unruhig. Und nach einem längeren Urlaub muss die Lippenfeinmuskulatur erst einmal wieder trainiert werden.

Markus Türk spielt heute eine B-Trompete mit Ventilen (auf b gestimmt), eine Handarbeit des Niederländers Hub van Laar. Heute würde so ein Instrument rund 3000 Euro kosten. Seine Trompete ist nicht lackiert und zeichnet sich durch einen offenen warmen Klang aus. Anfänger können schon für 300 bis 400 Euro gute gebrauchte Instrumente bekommen. Es gibt auch welche für 120, aber die würde Türk seinen Schülern nicht empfehlen. Sehr gefragt sind Trompeten der amerikanischen Firma Vincent Bach, die Preise sind in der gehobenen Klasse. Viel gespielt werden die maschinell gefertigten Instrumente von Yamaha. Made in Germany sind die Trompeten von Kühnl und Hoyer und Swiss Made von Galileo Brass in Basel. Mark Türk hat beim Mundstück jahrelang herumprobiert. Glücklich ist er mit dem Mundstück von Monette. Das liege gut an der Lippe, bietet eine große Treffsicherheit. Und die Vergoldung wirkt zudem antiseptisch.

Ist Trompete ein schwieriges Instrument? Markus Türk hält jedes Instrument für schwer. Man müsse sich als junger Mensch schon viel Zeit nehmen. Und bei der Trompete müsse sich auch noch eine Feinmuskulatur festigen. So gesehen ist Gitarre lernen leichter als Trompete oder Posaune. Nach zwei Jahren habe aber jeder die Grundzüge drauf, nach fünf bis sechs Jahren könne man gut Trompete spielen. Wenn man instrumental professionell einsteigt, müsse man drei bis vier Jahre lang täglich fünf bis sechs Stunden üben. Nur viel Spielen bringe die richtige Technik.

Seitdem Türk unterrichtet, macht er mit seinen Schülern die Basisübungen mit. "Das bringt mir selber einen Bombenansatz". Basisübungen meinen Arpeggio ohne Töne anzustoßen (die drei Töne eines Akkords nacheinander spielen) und oft lange tiefe Töne zu spielen. Wurde früher "zu sehr gepresst" - bis die Lippen taub werden, so ist heute "low pressing" angesagt. Es stimmt auch noch, dass die Trompete als sehr körperliches Instrument eher von Männern gewählt wird, aber es gibt nicht nur in der Klassik auch sehr gute Trompeterinnen. Spontan fällt ihm die kanadische Jazz-Trompeterin Ingrid Jensen ein. Aber auch in der Kempen Big Band gibt es eine Trompeterin, Türk hat auch selber eine talentierte Schülerin in der Musikschule Mönchengladbach.

Quelle: RP
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