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Gemeinde Grefrath
Bekannte Autorin liest in Grefrath

Gemeinde Grefrath. Die Bielefelder Autorin Mechtild Borrmann war zu Gast in der Grefrather Buchhandlung. Die preisgekrönte Schriftstellerin stellte ihr neuestes Buch "Trümmerkind" vor. Die Zuhörer waren beeindruckt. Von Stephanie Wickerath

Premiere in Grefrath: Erst vor zwei Wochen ist der neueste Roman der Schriftstellerin Mechtild Borrmann erschienen, schon steht die 56-Jährige in der Buchhandlung von Karl Groß und liest aus ihrem Werk. "Trümmerkind" heißt es und es ist sehr vielversprechend.

"Ich habe der Lesung schon zugesagt, als ich noch daran zweifelte, ob das Buch überhaupt pünktlich fertig wird", sagt die in Bielefeld lebende, aber in Kleve aufgewachsene Borrmann. Zum dritten Mal ist die Autorin zu Gast in der 50 Quadratmeter kleinen Buchhandlung von Karl Groß, der für die Lesung Bücher weg- und 50 Stühle hingestellt hat. Natürlich war die Veranstaltung aus der Reihe "Kultur am Montag" sofort ausverkauft, denn Mechtild Borrmann hat längst einen Namen. Für das Buch "Wer das Schweigen bricht" hat sie 2012 den Deutschen Krimi-Preis bekommen, für "Der Geiger" wurde sie 2015 mit dem französischen Grand Prix des lectrices ausgezeichnet.

Auch "Trümmerkind" hat das Zeug zu einem preisgekrönten Buch. Mit nüchterner, schnörkelloser Sprache gelingt es Borrmann, ein Stück deutsche Zeitgeschichte am Beispiel zweier Familiengeschichten, die miteinander verwoben sind, zu erzählen. Damit der Roman möglichst authentisch ist, hat die 56-Jährige mit Zeitzeugen gesprochen, Reisen in die Uckermark unternommen und Polizeiakten zu den "Trümmermorden" vom Januar 1947 in Hamburg gewälzt.

Die Mühe hat sich gelohnt, der Einblick in die deutschen Nachkriegsjahre ist so realistisch, dass ein Zuhörer gerührt zugibt, er habe den Eindruck, im Buch werde exakt seine Kindheit beschrieben. Bei aller historischen Authentizität gelingt es der Autorin, den Leser neugierig zu machen und Spannung zu erzeugen, ohne mit Ängsten zu spielen. Durch die Distanz, die die Autorin zu ihren Figuren hält, bleibt viel Raum für eigene Gedanken, etwa zur psychologischen Auslotung der Protagonisten. Kopf-Kino vom Feinsten.

Leichte Kost ist der Roman allerdings nicht. Erzählt wird in drei Handlungssträngen. Zunächst ist da ein kleines Findelkind, das die etwa neunjährige Wiebke und ihr älterer Bruder Hanno 1947 in den Trümmern von Hamburg finden. Weil der Junge niemanden zu haben scheint, nehmen die Geschwister ihn mit nachhause, wo die Mutter versucht, die Familie mit Näharbeiten durchzubringen. In der Nähe des Jungen hat Hanno eine nackte Leiche gesehen, die ungewöhnlich gut genährt und gepflegt ist für die Zeit.

Der zweite Handlungsstrang spielt in der Uckermark, wo ein Gutsherr 1945 auf die Rückkehr seines Sohnes wartet, während seine Tochter, seine Schwiegertochter und die Enkelkinder sich im Wald vor den Russen versteckt halten. Die dritte Erzählung führt in Köln von 1992. Im Mittelpunkt steht die 40-jährige Anna, eine der Enkelinnen des Gutsherrn aus der Uckermark. Sie beginnt nach der Wende, ihre Familiengeschichte zu recherchieren, obwohl ihre Mutter sie warnt: "Lass die Vergangenheit ruhen."

Auch das Trümmerkind wird mit der Vergangenheit konfrontiert, als es - mittlerweile erwachsen - durch Zufall einem Verbrechen auf die Spur kommt, das mit seiner Familie verknüpft ist. Für die Autorin waren die Hamburger Trümmermorde der Ausgangspunkt des Romans. "Die vier Morde sind nie aufgeklärt, die Identität der Leichen nie ermittelt worden", sagt Borrmann, "ich wollte den Menschen eine Identität geben, wenn auch eine fiktive."

Der Roman "Trümmerkind" von Mechtild Borrmann ist soeben im Verlag Droemer erschienen. Er hat 304 Seiten und kostet im Buchhandel 19,99 Euro.

Quelle: RP
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