| 00.00 Uhr

Stadt Kempen
Berufsschüler wollen weiter auf Haiti helfen

Stadt Kempen: Berufsschüler wollen weiter auf Haiti helfen
Die Kempener Berufsschüler mit Pfarrer Roland Kühne werden zusammen mit ihren einheimischen Helfern beim Kardinal Chibly Langlois (Mitte) in dessen Residenz zu einem Gespräch empfangen. FOTO: Jelinek
Stadt Kempen. Im kommenden Jahr soll das Hilfsprojekt des Rhein-Maas-Berufskollegs Kempen fortgesetzt werden. Noch immer leben viele Menschen dort unter unwürdigen Bedingungen. Von Silvia Ruf-Stanley

Die Auszubildenden des Rhein-Maas-Berufskollegs in Kempen und der evangelische Berufsschulpfarrer Roland Kühne waren auch in diesem Jahr wieder in Torbeck in dem mittelamerikanischen Inselstaat Haiti. Vorrangig war in diesem Jahr, einigen Familien nach dem verheerenden Hurrikan "Matthew" im Oktober 2016 im wahren Sinne des Wortes wieder ein Dach über dem Kopf zu verschaffen. Die Umstände, unter denen die Menschen nach dem Sturm leben, sind menschenunwürdig. Selbst können sich die Menschen nicht helfen, denn den meisten fehlt das Geld, um die teuren Materialien zu kaufen. Daher war die Hilfe aus Kempen sehr willkommen.

Für insgesamt sechs Familien konnten kleine Häuser mit jeweils zwei Räumen hergerichtet werden. Dafür arbeiteten die Schüler in diesem Jahr in Gruppen, damit die Arbeiten in der Kürze der Zeit bewältigt werden konnten. Es wurden Mauern errichtet sowie stabile Holzunterkonstruktionen für Dachbleche montiert. Schwierig war dabei auch für die Kempener die Materialbeschaffung. Weiteren Familien wurde das nötige Material besorgt, damit sie selbst bauen können. Bei der Reparatur des mit Hilfe der Kempener Berufsschüler zwischen 2014 und 2016 errichteten Gebäudes für obdachlose Jugendliche wurden einheimische Dachdecker engagiert. Die aus Kempen mitgereisten Maurer und Anlagenmechaniker haben sich derweil um die Errichtung eines Wasserturms gekümmert.

Am letzten Tag der Reise wurden die Gruppe vom haitianischen Kardinal Chibly Langlois empfangen, der ihnen ausdrücklich für ihre Hilfe dankte. "Er war sehr beeindruckt, dass wir als eine kleine Hilfsorganisation so beständig und fortwährend den Menschen in Haiti helfen", erinnert sich Kühne im Gespräch mit der Rheinischen Post. So würden die Auszubildenden den Haitianern eine Hoffnung schenken, die lebenswichtig sei.

Die Rückreise von Haiti führte über New York. Dort hatten die Schüler ein Gespräch mit Reinhard Krapp, dem Leiter der Wirtschaftsabteilung bei der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen. Kühne: "Ich hatte dort vorab telefonisch um ein Gespräch gebeten. Wir waren bei den vorherigen drei Hilfseinsätzen immer zu einem Gespräch in der Vertretung. Mir ist es wichtig, dass die Auszubildenden neben ihren enormen praktischen Einsatz in Haiti auch die Politik der Menschenrechte kennenlernen." Sehr interessant sei das Gespräch um den Abzug der UN-Truppen aus Haiti, der für Oktober dieses Jahres geplant ist, gewesen. Er soll durch eine Polizei-Mission ersetzt werden. Krapp sei sehr daran interessiert gewesen, wie die Haitianer zum Abzug stehen. Kühne: "Da konnten wir berichten, dass die Menschen in Torbeck es positiv sehen, wenn die Mission der Blauhelmsoldaten beendet wird. Dieser Meinung war im Übrigen auch Kardinal Chibly Langlois."

Die Schüler hatten beim Besuch der Vereinten Nationen das Gefühl, dass sie der großen Weltpolitik auf einmal ganz nah waren. Gesprächspartner Reinhard Krapp habe sich genau über das Hilfsprojekt in Torbeck informiert, wollte den aktuellen Stand des Projektes erfahren und wissen, wie die künftige Planung aussieht. Er war von der konkreten Hilfe aus Kempen sehr beeindruckt und lobte das Engagement der Auszubildenden für die Menschen in Haiti.

Nun stehen weitere Planungen für das Projekt an: Gerade wird in Haiti eine Stiftung gegründet, damit für den geplanten Bau einer Bildungseinrichtung mit angeschlossener medizinischer Station die nötigen rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden können. Im kommenden Jahr will auch Roland Kühnes 21-jährige Tochter Sarah wieder mitfahren. Der angehenden Grundschullehrerin ist diese Erfahrung ebenso wichtig wie den Auszubildenden. Den Besuch in New York hat sie wie die anderen Teilnehmer aus Kempen - nach der Zeit auf Haiti - ein bisschen als Kulturschock erlebt. Da sei es gut gewesen, dass es nun zu Beginn der Sommerferien ein Nachbereitungswochenende gab. Hier konnten - mit ein wenig Abstand - die vielfältigen Erlebnisse reflektiert werden.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Stadt Kempen: Berufsschüler wollen weiter auf Haiti helfen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.