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Stadt Kempen
Betrugsfalle Telefon

Stadt Kempen: Betrugsfalle Telefon
Neugierig geworden, nutzt der Angerufene die Rückwahl und damit ist der erste Schritt getan, damit das Portemonnaie leichter wird. FOTO: Dieker
Stadt Kempen/Grefrath. Das Telefon rückt bei Betrügern immer mehr in den Mittelpunkt. Von Rückruffallen bis Spoofing reicht die Palette der Gaunereien. Es gibt auch Fälle in Kempen und Grefrath. Von Bianca Treffer

"Der Mensch ist vom Grunde her neugierig und das nutzen Betrüger aus." Mit diesem Satz erklärt Kriminalhauptkommissar Heinz Ott, warum von Betrügern genutzte Rückruffallen auffallend gut funktionieren und Angerufene auf diesem Weg um ihr Geld erleichtert werden. Das Prinzip ist bei dieser Art der Gaunerei eigentlich ganz einfach. Auf Smartphones oder auch auf Festnetzanschlüssen, die über ein Display oder eine Speicherung der einkommenden Anrufe verfügen, sieht ein Bürger eine ihm unbekannte Telefonnummer.

Nun muss diese nicht immer mit auffälligen Ziffernkombinationen wie 0800 anfangen, die direkt auf ein Callcenter und dergleichen hindeuten. Es handelt sich um Telefonnummern mit ganz normalen Vorwahlen aus Deutschland. "Das Telefon klingelt einige Male, dann hört es auf und zurückbleibt die Nummer. Oder aber, wenn man den Hörer abnimmt, ist keine Verbindung zustande gekommen", beschreibt der Kriminalhauptkommissar, Experte bei der Kreispolizeibehörde Viersen, den Vorgang. Neugierig geworden nutzt der Angerufene die Rückwahl und damit ist der erste Schritt getan, damit das Portemonnaie leichter wird. In dem Moment, in dem die Verbindung zustande kommt und eine erste Sprachnachricht steht, selbst wenn am anderen Ende nur eine Bandansage zu vernehmen ist, rollt der Rubel. Der Betroffenen merkt selber nichts.

Die böse Überraschung kommt erst mit der Telefonrechnung. "Daher sollten unbekannte Nummern nie zurückgerufen werden. Wer wirklich etwas von einem will, meldet sich oder hinterlässt eine Nachricht auf Anrufbeantworter oder Mailbox", betont Ott. Noch trickreicher arbeiten Betrüger mittels des so genannten Spoofings. Dahinter verbirgt sich modernste Technik, die Hacker für sich entdeckt haben. Sie manipulieren Rufnummern. Hacker haben eine Software entwickelt, mit der sie die eigene Rufnummer herausnehmen und jede beliebige Telefonnummer dafür einsetzen können. In der Praxis sieht es so aus, dass Bürger einen Telefonanruf erhalten und im Display erscheint eine ihnen bekannte Nummer.

"Das kann zum Beispiel die Nummer der Polizei sein. Der Anrufer behauptet dann, er sei ein Mitarbeiter, und schildert eine fiktive Geschichte, die es darauf anlegt, dem Opfer Geld oder Wertsachen zu entlocken", beschreibt Ott die Vorgehensweise. So geschah es, dass Personen einen Anruf wegen eines vermeintlichen Enkeltrickversuchs erhielten und kurze Zeit später einen der vermeintlichen Polizei, die bat, auf die Übernahme einzugehen, um den Täter fassen zu können. Die Polizei rät daher, keinen fremden Anrufern zu vertrauen und ebenso wenig den im Display angezeigten vermeintlichen Nummer der Polizei oder anderer Einrichtungen.

"Bei solchen Anrufen sollten sich Betroffene die Rückrufnummer notieren und explizit nach dem Namen fragen. Danach schlägt man die Nummer der Behörde, des Anwaltsbüros oder was immer es auch sein sollte, persönlich nach und startet einen Anruf. Man darf sich auch niemals irritieren lassen, wenn die nachgeschlagene Nummer wirklich mit der angegebenen übereinstimmt. Das ist ja gerade der Trick. Anrufen und nach dem Mitarbeiter fragen", sagt Ott. Die Bürger müssen dann feststellen, dass es besagte Person überhaupt nicht gibt und sie um ein Haar ein Opfer von "Spoofing" geworden wären.

Wem das alles zu kompliziert ist oder wer keine Möglichkeiten hat, Rufnummern über ein Telefonbuch oder das Internet zu überprüfen, kann sich auch direkt an die Polizei wenden. "Niemand sollte sich scheuen, in einem solchen Fall die Rufnummern der Polizei 110 oder 02162 377-0 zu wählen und den Fall zu schildern. Die Kollegen helfen dann weiter", betont Polizeipressesprecherin Antje Heymanns. Die Polizei hilft dabei, den vermeintlichen Behördenanruf zu überprüfen. In diesem Zusammenhang erinnert Kriminalhauptkommissarin Antje Heymanns daran, dass Banken bei höheren Beträgen, die gerade Senioren plötzlich abheben, hellhörig werden sollten. "Eine kurze, freundliche Nachfrage hat hier schon verhindert, dass Senioren das Opfer von Straftaten wurden", berichtet sie.

Quelle: RP
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