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Stadt Kempen
Blitzmarathon: Nur wenige waren zu schnell

Stadt Kempen: Blitzmarathon: Nur wenige waren zu schnell
Eine Messstelle beim Blitzmarathon war gestern am Krefelder Weg in Kempen. Bis 14 Uhr war hier von 684 kontrollierten Fahrzeugen nur ein Auto zu schnell unterwegs. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Bei der Kontrollaktion der Polizei blieb es gestern im Kreis Viersen ruhig. An ausgewählten Stellen waren so genannte Messpaten im Einsatz, die auffällig gewordenen Verkehrsteilnehmern Unfallsituationen näher brachten. Von Bianca Treffer

Fünf Messsensoren, zwei Kameras und ein Blitzer - die aufgebaute Messeinheit am Krefelder Weg in unmittelbarer Nähe der Kita "Unter den Weiden" erwischt alle, die zu schnell fahren. Egal, ob sie in Richtung Kempen oder Krefeld unterwegs sind und vor oder hinter der Ampel richtig Gas geben und damit die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h überschreiten. Doch es bleibt ruhig. "Wir hatten bislang innerhalb von zwei Stunden eine einzige positive Messung mit 79 km/h", berichtet Manfred Hormes, der die Messstelle mit seinem Kollegen Christof Lenzen betreut. Für die weiteren Kollegen, die gut einen Kilometer weiter stehen und auf Durchsagen von Hormes und Lenzen warten, um Verkehrssünder anzuhalten, bedeutet dies ebenfalls Ruhe. Anders als bei den bisherigen Blitzmarathons, bei denen zu schnelle Autofahrer nur eine Verwarnung bekommen haben, setzt die Kreispolizeibehörde diesmal auf einen neuen Baustein, um für das angepasste Fahren zu sensibilisieren. Zum ersten Mal sind so genannte Messpaten an Stellen, an denen sich in der Vergangenheit besonders schwere Unfälle ereignet haben, im Einsatz. Sie berichten "geblitzten" Autofahrern von ihrem persönlichen Erleben an der Unfallstelle. Der Krefelder Weg in Kempen ist eine der Stellen. Hier kam es im Juli 2014 zu einem Unfall aufgrund überhöhter Geschwindigkeit mit zwei Schwer- und einem Leichtverletzen. Polizeikommissar Michael Hanßen war damals einer der Polizisten an der Unfallstelle. "Wenn ein Einsatz kommt und von Personenschaden gesprochen wird, dann überlegt man als erstes, was einen wohl erwarten könnte. Man fragt sich, ist der Rettungswagen schon da, muss ich selbst Erste Hilfe leisten, wie viele Personen sind betroffen", berichtet Hanßen, der den Unfall noch genau vor Augen hat. Ein 21-Jähriger überholte trotz Überholverbot in der 70er-Zone. Er geriet danach mit mehr als 100 km/h auf den Grünstreifen und schleuderte in den Gegenverkehr. Eine der beiden schwer verletzen Frauen ist heute noch aufgrund von psychischen Folgen in Behandlung. "Sie hat sogar ihre Arbeitsstelle gewechselt, um nicht mehr an der Unfallstelle vorbeifahren zu müssen", sagt Hanßen. Der junge Mann erhielt eine Geldstrafe und verlor für zwölf Monate seinen Führerschein. Er habe seine Einstellung zum Autofahren komplett verändert, so Hanßen.

Innerorts passieren laut Statistik die meisten Unfälle, aber sie sind - was die Folgen angehen - in der Regel weniger schwer. Auf den Landstraßen sieht es dagegen anders aus: Hier kracht es weniger, aber wenn, dann sorgen die höheren Geschwindigkeiten für erheblich schwerere Unfallfolgen. Der Krefelder Weg ist dabei kein spezieller Unfallschwerpunkt. Vielmehr ist es so, dass an dieser Straße über die Fläche verteilt, Unfälle passieren. "Gerade, wenn es Glatteis gibt, kracht's hier häufiger. Generell gilt: Jeder sollte den Gegebenheiten angepasst fahren, auch wenn man schneller fahren dürfte", betont Verkehrssicherheitsberater Martin Gennert. Die Strecke - teils auf 70 km/h beschränkt und teils bis zu 100 km/h frei gegeben - lädt zum schnell Fahren ein.

Nicht so bei diesem Blitzmarathon. Am Krefelder Weg bleibt es ruhig. Bei den bis 14 Uhr kontrollierten 684 Fahrzeugen ist nur eines zu schnell. "Bei den normalen Blitzaktionen sind es durchschnittlich zehn Prozent der Kontrollierten, die auffallen. Bei einem Blitzmarathon bewegt sich die Zahl der zu schnell fahrenden Autofahrer bei drei bis vier Prozent. Laut einer Studie liegt die Nachhaltigkeit generell bei zwei Wochen", berichtet Michael Okuhn, Erster Polizeihauptkommissar der Direktion Verkehr. Die Polizei setzt mit der Aktion "Messpate" auf eine längere Nachwirkung. "Niemand, der einen Unfall, egal in welcher Beteiligung auch immer, erlebt hat, vergisst diese Bilder. Und dazu möchten wir es erst gar nicht kommen lassen", meint Okuhn.

Quelle: RP
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