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Stadt Kempen
Campus Kempen: Dienstag geht's los

Stadt Kempen. 60 Master-Studenten der Fontys Business School Venlo erfüllen den neuen Hochschulstandort bald mit Leben. Wichtiges Ziel ist es, Studenten und Unternehmen zusammenzubringen. Von Heiner Deckers

Im Technologie- und Gründerzentrum (TZN) am Industriering Ost brechen neuen Zeiten an. Bisher bestimmten kleine und mittlere Startups die Szene, ab Dienstag möchte es sich als Hochschulstandort profilieren. Die Weichen sind gestellt, TZN-Geschäftsführer Dr. Thomas Jablonski sieht dem Beginn studentischen Lebens in der Thomasstadt gelassen entgegen, sagte er gestern beim Besuch in der RP-Redaktion. Vorerst sind es 60 Master-Studenten, die sich jeden Dienstag am Industriering Ost dem "Business Management" widmen. Die Unterrichtssprache ist Englisch, was unter anderem daran liegt, dass die Uni Plymouth an diesem Studienangebot als Partner beteiligt ist. Die Studenten werden in drei Gruppen geteilt, Projektarbeit steht im Vordergrund. Interaktiv soll es zugehen, Frontalunterricht wird es nicht geben.

Dr. Thomas Merz, Direktor der Fontys Business School Venlo, beschreibt die wichtigsten Ziele. Sein großes Anliegen ist es, Studenten und Wirtschaft zusammenzubringen: "Manager halten bei uns Vorträge, außerdem laden wir zu Betriebsbesichtigungen ein." Hintergrund ist der Wunsch, die jungen Menschen nach ihrem Studium in der Region zu halten. "Viele mittelständische Unternehmen klagen über Nachwuchsmangel, hier bieten sich beste Chancen", sagt Bürgermeister Volker Rübo. Die meisten derjenigen, die nach dem Studium erst einmal weg sind, kommen erfahrungsgemäß nicht mehr zurück.

Jablonski hatte bereits bei früherer Gelegenheit betont, dass viele Studenten ihre berufliche Zukunft ausschließlich bei großen Unternehmen sehen und dabei nicht auf dem Radar haben, welche großartige Möglichkeiten sich bei den Mittelständlern der Region bieten - sogar bis zur Firmenübernahme. "Studenten sollen den Mehrwert sehen und entsprechende Kontakte knüpfen", sagt Merz. Das geschah in der jüngsten Vergangenheit schon mehrfach, als Studenten bei ganztägigen Bustouren Unternehmen in der Region besuchten und dabei große Augen machten, welche großartigen Erfolge so manches Unternehmen, das sie vorher gar nicht kannten, vorweisen kann.

Von den Wirtschaftsfördern der umliegenden Kommunen habe es bisher nur positive Resonanz gegeben, sagt Jablonski: "Es kommen plötzlich Unternehmen auf uns zu, zu denen wir vorher nie Kontakt hatten." Auch Rübo plädiert dafür, das Kirchturmdenken zu überwinden: "Wir können uns nur als Region vermarkten." Bisher habe er auch keine Eifersüchteleien anderer Kommunen wahrgenommen, die auch gern einen Campus hätten.

Seit mit Jablonski vor fünf Jahren ein erfahrener Wirtschaftsförderer Einzug hielt, ist ein Ruck durch das Technologiezentrum gegangen. Inzwischen ist es fest in der Kempener Wirtschaftswelt verwurzelt. Es versteckt sich nicht mehr, sondern schmiedet ein Netzwerk nach dem anderen: Es hat sich fester Kreis Kempener Unternehmer gegründet, der sich immer größeren Zulaufs erfreut. Und vor großen Herausforderungen schreckt man am Industriering schon längst nicht mehr zurück. Als Merz gestern ankündigte, im kommenden Jahr in Kempen Angebote für 250 Bachelor-Stundenten machen zu wollen, brauchte Jablonski nicht lange zu überlegen: "Das schaffen wir."

Bevor der Studienbetrieb überhaupt angelaufen ist, hat Merz bereits bemerkt, dass für einige Studenten der neue Campus ein wichtiger Grund war, ein Studium an der Fontys School anzufangen. Mehr als 2500 junge Menschen bereiten sich dort auf ihren Beruf vor, darunter über die Hälfte Deutsche. Die hätten sich, so Merz, ganz bewusst für das niederländische Bildungssystem entschieden.

Weiteres Ziel sei es nun, umgekehrt junge Niederländer für eine Karriere jenseits ihrer Grenze zu gewinnen. Dazu könnte ein weiterer Plan Jablonskis beitragen: Er möchte Studenten in die Altstadt locken, damit sie an einer der vielen Veranstaltungen teilnehmen. "Wenn sie einmal einen Weihnachtsmarkt erlebt haben, kommen sie vielleicht mit ihren Familien wieder."

Quelle: RP
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