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Kempen
Caritas sucht Geldgeber für Altenheim

Kempen: Caritas sucht Geldgeber für Altenheim
Die sanierten Decken im Stift hätten laut Ansgar Wiesemann nicht den Anforderungen des Brandschutzes genügt. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Kempen. Der Caritasverband Kempen-Viersen steckt durch Neu- und Umbau des Irmgardisstifts in finanziellen Schwierigkeiten. Beim Rundgang durch den Altbau erläutert Projektsteuerer Ansgar Wiesemann die "massiven Brandschutzmängel". Von Daniela Buschkamp

Viele Viersener rätseln, warum die Brandschutzmängel im Altbau des Irmgardisstift erst nach 25 Jahren, beim Beginn des Umbaus, aufgefallen sind. Die Frage, ob die Senioren bei einem Feuer einer größeren Gefahr ausgesetzt gewesen seien, will Georg Balsen (52), Sprecher des Caritasverbands Kempen-Viersen, nicht beantworten. "Es gab schon vor dem Umbau Hinweise auf einzelne Mängel", sagt Balsen. Nichts habe auf das jetzt festgestellte Ausmaß hingedeutet. "Diese Vielzahl von Punkten war nicht bekannt. Wir haben viele Brandschutzmaßnahmen nicht so angetroffen, wie sie dokumentiert sind oder wie sie hätten ausgeführt sein müssen", so Ansgar Wiesemann, Projektsteuerer vom Büro "Teambaumanagement", der das Vorhaben seit dem Architektenwettbewerb betreut.

Als Beispiele zeigt Wiesemann beim Rundgang durch das inzwischen geräumte Objekt auf zu niedrige Brandschutzwände, nicht ummantelte Stahlträger und Kabel oder Öffnungen in den Decken, durch die Rauch in andere Stockwerke hätte ziehen können. Decken, Rohre und Leitungen hätten erst nach dem Auszug der Senioren geprüft werden können. Dem Vorwurf, etwa vom früheren Brandamtsrat Hans Holtschoppen, "dass durch massiven Rückbau intakte Brandschutzmaßnahmen" zerstört wurden, widerspricht Wiesemann. Auch zu Brandwachen habe man während des Betriebs greifen müssen, da es "nur Rauchmelder an wenigen Stellen" gegeben hätte. "Ein Adventskranz, der in einem Zimmer in Brand steht, hätte bereits zum Problem werden können", sagt Wiesemann.

Im Irmgardisstift sollte der Umbau starten. FOTO: Busch

Die Räumung des Altbaus - innerhalb einer Woche mussten alle 45 Bewohner ausziehen und in anderen Heimen untergebracht werden - sei laut Georg Balsen wegen der Brandschutzmängel ohne Alternative gewesen: "Der Vorstand konnte das Risiko für Bewohner und Personal nicht tragen." Die daraus folgenden Entscheidungen - so wurden 72 der 95 Mitarbeiter Stellen innerhalb des Verbands angeboten - sei "schweren Herzens" getroffen worden. Auch für die weiteren 23 Angestellten müssten noch Lösungen gefunden werden. Nur ein Teil des Personals wird im Neubau, zu dem 40 Heimplätze und 25 betreute Wohnungen gehören, weiter beschäftigt.

Der Caritasverband Kempen-Viersen steckt wegen des Um- und Neubaus des Irmgardisstift in massiven finanziellen Schwierigkeiten. Im August hatten 40 Senioren den benachbarten Neubau bezogen, schrittweise sollte nun der Altbau mit Doppel- oder Tandemzimmern ausgestattet werden. Damit sollten die ab 2018 geltenden Rahmenbedingungen - Seniorenheime müssen zu 80 Prozent Einzelzimmer aufweisen und barrierefrei sein - erfüllt werden. "Im Jahr 2013 waren wir von Kosten in Höhe von rund 15 Millionen Euro ausgegangen", erläutert Georg Balsen gegenüber unserer Redaktion. Elf Millionen sollte über die Belegung finanziert werden. Zudem steuerte die Caritas 2,5 Millionen Euro aus eigenen Mitteln bei; zudem sollten 1,5 Millionen Euro an Zuschüssen und Spenden fließen. Nun klafft eine Finanzierungslücke in Höhe "von mindestens 4,8 Millionen Euro. Diese Lücke können wir aus eigener Kraft nicht schließen", so Balsen. Deshalb wird der Verband Gespräche mit Banken und Spendern führen. Die Gründe für die Kostenexplosion liegen im Brandschutz für den denkmalgeschützten Altbau und in höheren Ausgaben für Heizung, Sanitärtechnik und technische Gewerke.

Das langfristige Ziel sei Balsen zufolge, "ein Altenheim-Angebot in Süchteln zu erhalten". Wie es mit dem geräumten Altbau des Irmgardisstifts weitergeht und ob er nach einem Umbau ein Altenheim bleiben kannt, ist laut dem Verbandssprecher fraglich: "Das wird zurzeit untersucht." Ob der Caritas-Verband das Objekt jetzt verkaufen würde, will Georg Balsen angesichts der finanziellen Situation nicht ausschließen. Er widerspricht aber vehement allen kursierenden Gerüchten, dass die Räumung des Stifts und der Abzug der Mitarbeiter erfolgt seien, um das denkmalgeschützte Gebäude veräußern zu können: "Wir wissen, dass an diesem Gebäude zahlreiche Emotionen hängen. Es ist ein Wahrzeichen für Süchteln." Und: "In unserem Konzept bilden der Alt- und der Neubau eine funktionale Einheit, etwa beim Eingang oder bei Versorgungseinrichtungen wie der Küche." Wenn der Altbau wegfalle, dann müsse man auch am Neubau weitere Veränderungen vornehmen.

Ein Problem: Öffnungen, durch die Rauch dringen kann. FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)
Quelle: RP
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