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Stadt Kempen
Cathy Krier sorgt für ein bemerkenswertes Konzert

Stadt Kempen. Cathy Krier, die 31-jährige Pianistin aus Luxemburg, ist mutig. Nicht nur, dass sie zwei Mozart-Sonaten auf das Programm ihres Konzertes in der Paterskirche setzte - bei Mozart liegt alles offen, es ist unmöglich, etwas zu kaschieren - sie scheute sich auch nicht, ein schwieriges und unpopuläres Werk von Karol Szymanowski (1882-1937) auszuwählen. Von Heide Oehmen

Mit der Sonate F-Dur KV 332 aus Mozarts Pariser Zeit begann die noch recht jugendlich wirkende Pianistin ihren Klavierabend im gut besuchten ehemaligen Sakralraum. Das Werk ist geprägt von unbeschwerter Herzlichkeit der Empfindungen und überraschenden Einfällen - das interpretierte die mit ausgefeilter Spielkultur agierende Pianistin voller Anmut. Doch dann kam der harte Kontrast: "Masques" op.34 (Masken) von Karol Szymanowski, ein dreisätziges, die Tonalität auflösendes, von Dissonanzen und krasser Dynamik geprägtes Opus, das Äußerstes von der zierlichen Künstlerin verlangte. Alleine ein Werk von solchem Schwierigkeitsgrad auswendig zu spielen, ist mehr als bewundernswert - mehr noch, es so souverän zu beherrschen. Beim ersten Hören - diese Komposition erscheint so gut wie nie in einem Klavierprogramm - ist sie kaum zu erfassen - entsprechend divergierend fielen die Reaktionen des Publikums aus. "Das ist Musik!" meinte mein Nachbar, während ein Herr in der Reihe vor mir etwas genervt brummte: "Jetzt habe ich eigentlich genug". Doch auch er blieb zum Glück - sonst hätte er Wesentliches verpasst.

Nach der Pause erklang wiederum eine Mozart-Sonate - eine der Letzten - 1789, zwei Jahre vor seinem frühen Tod komponiert. Hier fesselten das einfühlsam zelebrierte, schmerzlich süße Es-Dur-Adagio und das an Haydn gemahnende abschließende Rondo - während Cathy Krier im Kopfsatz das Tempo ein wenig überzog, sodass einige der Läufe verwischten. Als Höhepunkt seines bisherigen Schaffens betrachtete Claude Debussy die in den Jahren 1905 bis 1907 entstandenen "Images-Bilder", in denen der Komponist sich teilweise von impressionistischer Malerei inspirieren ließ. Er hoffte, "dass sie einen Platz in der Klavierliteratur einnehmen mögen - zur Linken Schumanns, zur Rechten Chopins."

Die Künstlerin war bei den Images spürbar in ihrem Element. Das Symbol dieser traumhaft schönen Musik ist vor allem das Wasser mit seiner strömenden Beweglichkeit - was die Pianistin großartig zu vermitteln wusste. Weder technisch noch musikalisch blieb sie diesen Tongemälden etwas schuldig - ein faszinierender Abschluss dieses bemerkenswerten Klavierabends, der mit sehr viel Beifall und zwei virtuosen Zugaben endete.

Quelle: RP
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